Herzogenaurach
Natur

Stadt Herzogenaurach schickt vierbeinige Landschaftspfleger

Durch den Einsatz von Schafen und Ziegen soll auf einer Weide bei Haundorf ein Lebensraum für Pflanzen und seltene Tierarten entstehen. Für die Tiere von Hobbyschäfer Gerd Egelseer ist es eine dringend benötigte Futterquelle.
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Nachdem Paul (im Bild) und Gerd Egelseer die Ziegen und Schafe aus dem Anhänger gelassen haben, sehen diese sich neugierig an ihrer neuen Futterstelle um.  Fotos: Richard Sänger
Nachdem Paul (im Bild) und Gerd Egelseer die Ziegen und Schafe aus dem Anhänger gelassen haben, sehen diese sich neugierig an ihrer neuen Futterstelle um. Fotos: Richard Sänger
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Seit Montagabend fressen sich vierbeinige Landschaftspfleger durch eine städtische Ausgleichsfläche südlich von Haundorf. Hobbyschäfer Gerd Egelseer ließ von der Hagenbüchacher Firma Pfeiffer mit dem Lastwagen aus Obern-zenn rund fünfzig Ziegen und zwanzig Schafe auf die Flur "In der Breite" bringen.

Wie die städtische Umweltbeauftragte erklärte, steckt hinter der Aktion ein ökologischer Gedanke: Durch den Verbiss der dort wachsenden Gehölze soll die Fläche nämlich dauerhaft offengehalten und ein Lebensraum für viele wertvolle Pflanzen und seltene Tierarten entwickelt werden. Denn durch den Einsatz der "vierbeinigen Rasenmäher" können Kleintiere sowie Insekten ausweichen und der natürliche Lebensraum bleibt erhalten. Denn bei einer maschinellen Mahd haben Kleintiere keine Zeit zur Flucht und werden gehäckselt.

Genügsame Tiere

Gleich nach dem Abladen und nach der Registrierung ihrer Ohrmarken erkundeten die Tiere neugierig das Biotop und probierten, was ihnen in den nächsten zwei Wochen so schmecken könnte. Hobbyschäfer und Naturliebhaber Gerd Egelseer ist der Stadt dankbar, dass er seine Tiere auf den städtischen Ausgleichsflächen weiden lassen darf. "Die anhaltende Trockenheit macht es schwer, noch genügend Weideflächen zu finden, aber die Ziegen und Schafe sind genügsam und begnügen sich auch mit den Gehölzen und trockenem Bewuchs", erklärt Egelseer. Wenn dann hoffentlich einmal genügend Regen komme, treiben die abgefressenen Pflanzen und Gräser umso schneller wieder aus.

Allerdings macht er sich bereits Sorgen vor dem kommenden Winter, denn in Obernzenn hat er weitere Tiere seiner insgesamt einhundert Schafe und sechzig Ziegen untergebracht. "Dort gibt es mehr Brachflächen. Die Landwirte in Obern-zenn sind sehr kooperativ und lassen meine Tiere dort weiden", zeigte sich Egelseer dankbar. Denn die Schafe und Ziegen halte er aus Tierliebe nur nebenberuflich, leben könne eine Familie davon nicht. Deshalb ist er auf die Unterstützung der Familie und die der Landwirte angewiesen.

Futterknappheit durch Hitzewelle

Die anhaltende Hitzeperiode und die daraus resultierende Dürre trifft nicht nur die Bauern schwer. Auch die Schafzüchter kämpfen mit den Konsequenzen der Dürre, wie Egelseer sagt. Das größte Problem sei dabei, dass die Tiere kaum noch etwas zu fressen finden. "Es ist ja kein Grünfutter da. Da müssen Schafhalter jetzt schon auf das Winterfutter zurückgreifen, das dann im Winter fehlen wird", sagt Egelseer. Also muss Futter zugekauft werden. Da aber die Ernten schlecht ausfallen, sind die Preise dafür entsprechend hoch. Da es auch immer weniger Flächen für Hirten gibt, weil sie für andere Nutzungen vorgesehen sind, gibt es auch Probleme von einer Fläche zu nächsten zu kommen, also müssen die Tiere gefahren werden. Da es darum gehe, den ökologischen Mehrwert zu erhalten, sei die intensivste und schonendste Landschaftspflege und wird deshalb auch vom Landschaftspflegeverband Mittelfranken unterstützt.

"Den Schäfern in Deutschland geht es nicht gut und durch den Verkauf des Lammfleisches und der Wolle allein kann keiner mehr leben", erklärt Egelseer. So sei der Preis für Lammfleisch drastisch gefallen und der Erlös der Wolle decke nicht einmal mehr die Kosten des Schafscherers. "Aber ich liebe meine Tiere und die Natur, deshalb tue ich mir das an", sagte Egelseer schmunzelnd.

Weide nicht betreten

Er oder sein Vater kontrollieren mehrmals täglich die Weidefläche und versorgen die Tiere mit ausreichend Wasser. Einige Ziegen sind hochträchtig und werden in den nächsten Tagen ihren Nachwuchs zur Welt bringen. Damit die Tiere in Ruhe auf den Flächen weiden können, bittet er dringend darum, in der Nähe der Weide Hunde nicht frei laufen zu lassen, die Weide nicht zu betreten und sich vom Zaun fernzuhalten. "Denn wenn die Tiere in Panik geraten, lassen sie sich auch vom Elektrozaun nicht abhalten und flüchten in alle Richtungen", erklärte Egelseer.



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