Uttenreuth
Gottesdiensttest

St. Kunigunde in Uttenreuth: Lebensnahe Predigt mit kritischen Tönen

Unspektakulär aber lebensnah und im Glauben wie im Alltag verwurzelt: Ein Gottesdienst mit Dekan Josef Dobeneck in St. Kunigunde Uttenreuth.
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Bereits für 1348 ist eine Kunigundenkirche in Uttenreuth bezeugt und zwar in Höhe der Matthäuskirche. 1965 wurde der Kirchenneubau in der Danziger Straße geweiht. Foto: Karina Brock
Bereits für 1348 ist eine Kunigundenkirche in Uttenreuth bezeugt und zwar in Höhe der Matthäuskirche. 1965 wurde der Kirchenneubau in der Danziger Straße geweiht. Foto: Karina Brock

Das Urteil unseres Testers

Ein Gotteshaus, das zum Mitfeiern und Verweilen einlädt. Die Fenster und andere Kunst im Innenraum wären einen Extrabesuch wert. Der Pfarrer scheint nicht nur das Evangelium und den Glauben weitergeben zu wollen, sondern schätzt das Gemeindeleben wert, ist an den Menschen offenbar nah dran. Auch wenn der Gottesdienst vordergründig nichts Besonderes barg, kann man eine lebendige Glaubensgemeinschaft mit einem engagierten Pfarrer dahinter erahnen, der der Institution Kirche nicht unkritisch gegenübersteht.

Die Jugend suchte man außerhalb der Ministrantenbänke allerdings vergebens. Nur ein paar wenige Kinder waren mit ihren Eltern gekommen. Hier ist durchaus Nachholbedarf. Warum ein erwachsener Ministrant nicht nur die Lesung vortrug, sondern auch ein - etwas verunglücktes - Halleluja vor dem Evangelium sang, erschließt sich nicht.

An der Wiederholung scheiterte die Gemeinde nicht nur, weil es viele lichte Stellen in den Bänken gab - das Gotteshaus war leider nicht mal zur Hälfte gefüllt -, sondern vor allem daran, dass die Melodie sehr kompliziert und offenbar kaum bekannt war. Trotzdem: Alles in allem ein sehr ansprechender Gottesdienst in einer angenehmen Umgebung.

Die Bewertungen im Einzelnen

1. Einstieg

Dekan Josef Dobeneck begrüßt die Gemeinde freundlich und persönlich zum Gottesdienst. Er weist auf die Bedeutung des letzten Sonntags vor Pfingsten hin und gibt auch gleich das Motto des Gottesdienstes vor, das sich wie ein roter Faden durch die gesamte Messfeier ziehen wird: "Lernen ist Leben", das Motto der diesjährigen Pfingstspendenaktion von Renovabis.

2. Musik

Die Orgelbegleitung ist meist schnörkellos aber solide. Der Organist beherrscht sein Instrument, spielt nicht zu schnell und nicht zu getragen. Als Begleitung ist das Orgelspiel gut zum Mitsingen geeignet, was viele Gemeindemitglieder jedoch trotzdem nicht dazu animiert. Wer mitsingt, hört vor allem sich selbst und die Orgel. Ein Schlagzeug am Rand des Altarraums lässt vermuten, dass es eine Kirchenband gibt, die aber wohl nur zu besonderen Anlässen wie Hochfeiern oder Familiengottesdiensten spielt.

3. Lesung

Einer der Ministranten - er ist bereits in gesetztem Alter - trägt die Lesung aus der Offenbarung des Johannes vor: Christus spricht von sich selbst als "das Alpha und das Omega". Er liest klar verständlich und nicht zu schnell. Leider blickt der Lektor kaum von seiner Vorlage auf.

4. Predigt

Das Evangelium ist ein Gebet Jesus an seinen Vater. Die zentrale Aussage "Alles ist eins" verknüpft der Dekan gekonnt mit dem Renovabis-Motto "Lernen ist Leben". Er greift alltagsnahe Beispiele auf wie die Schulunlust von Jugendlichen oder seine anfänglichen Probleme mit neuen Medien. Die Gemeinde schmunzelt. Leben, Glaube und auch die Kirche müssen sich entwickeln, immer dazu lernen, so Dobeneck. Und zu allem gehört die Gemeinschaft: "Alles ist eins." Die Kritik an einer manchmal zu verstaubten Institution Kirche war nicht zu überhören.

5. Kommunion/Abendmahl

Es gibt drei Reihen: im Mittelgang sowie rechts und links außen. Es geht zügig voran, jeder achtet auf den anderen. Die Orgel spielt zur Untermalung.

6. Segen

Vor dem Segen verkündet der Pfarrer anstehende Termine und Gottesdienste. Beim Abschied nimmt er nochmals Bezug zum Gottesdienstthema und erklärt zudem, wofür Renovabis steht und was es mit der Spenden-Aktion auf sich hat. Den Wunsch, einen schönen Sonntag zu verbringen, erwidert die Gemeinde unisono mit "Ebenfalls", bevor Dekan Dobeneck sie mit dem ritualisierten Segen nach Hause schickt. Leider fehlt ein gemeinsames Schlusslied, immerhin werden die Menschen mit Orgelklängen aus der Kirche begleitet. Besonders positiv fällt dafür auf, dass sich der Pfarrer nach dem Auszug vor der Kirche noch zu plaudernden Gemeindemitgliedern gesellt.

7. Ambiente

Schon von außen ist zu erkennen, dass St. Kunigunde keine alte Kirche ist. Gebaut erst im 20. Jahrhundert besticht der runde Altarraum durch seine Schlichtheit. Raumbeherrschend regt ein farbenfrohes Mosaik vom letzten Abendmahl hinter dem Altar zu genauer Betrachtung ein - sei es während stiller Momente oder beim Singen. Der ganze Kirchenraum ist hell und freundlich. Maßgeblich tragen dazu die großzügigen Fenster bei, die mit durchscheinenden Pastellfarben viel Licht ins Innere lassen. Der Kreuzweg an den Seitenwänden ist ebenfalls modern gestaltet und fügt sich unaufdringlich ins Gesamtbild ein.

8. Kirchenbänke

Die Sitze sind bequem gepolstert, die Rückenlehne aus Holz lässt eine natürliche, angelehnte Haltung zu. Die Kniebänke sind ungepolstert, was gerade im Sommer bei dünner Kleidung oder für Menschen mit Knieproblemen unangenehm sein könnte. Aber stehen statt knien ist ja möglich.

9. Beleuchtung

Große, überraschenderweise trotzdem unscheinbare Lampen tauchen den Kirchenraum bei Dunkelheit oder an grauen Tagen schätzungsweise in angenehm gelbes Licht - was sich allerdings an diesem sonnigen Sonntag nur erahnen lässt. Die großzügigen Fenster lassen so viel natürliches Licht herein, dass man sich die Beleuchtung wahrscheinlich ganz hätte sparen können. Auf Kerzen wird nicht gänzlich, aber doch weitestgehend verzichtet. Vielleicht passen sie nicht so recht in das moderne Gesicht des Baus?

Warum ein Gottesdiensttest?

Wir wollen mit unserem Gottesdienst-Test die Kirchen ein wenig mehr ins Blickfeld der Öffentlichkeit rücken. Unter Kirchgängern, Geistlichen und Lesern soll eine Diskussion darüber entstehen, was einen guten Gottesdienst ausmacht. Dieses in der Regel sonntägliche Treffen hat für evangelische wie katholische Christen ja bis heute eine große Bedeutung. Soll lebender Ausdruck des Christseins sein. Wir haben uns für eine Bewertung nach objektiven Kriterien theologische Hilfe geholt bei den Professoren Martin Stuflesser (Würzburg), er ist auch Berater der deutschen Bischofskonferenz, und Martin Nicol (Erlangen), der mit seinem Buch "Weg im Geheimnis" ein Plädaoyer fpr den evangelischen Gottesdienst abgibt. Ergänzt werden objektive Kriterien um die subjektiven Eindrücke, die unsere Kollegengewonnen haben.

Alle Berichte unserer Serie finden Sie auf unserer Übersichtsseite zum Gottesdiensttest. Dort finden Sie auch ausführliche Infos.

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