Uehlfeld
Gottesdiensttest

St. Jakobus Uehlfeld: Eine Pfarrerin mit Radiostimme

Pfarrerin Ines Weimann gestaltet in Uehlfeld einen freundlichen und angenehm schnörkellosen Gottesdienst. Sie kam kurz ins Schwitzen, weil ihr Organist ausfiel. Doch ökumenische Hilfe kam aus Höchstadt.
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Die Kirche St. Jakobus in Uehlfeld Foto: Christian Bauriedel
Die Kirche St. Jakobus in Uehlfeld Foto: Christian Bauriedel

Ein klassischer evangelischer Sonntagsgottesdienst: protestantisch schlicht und schnörkellos. Was angenehm ist: Man verzichtet auf zu große emotionale Wallungen. Eine lebensnahe und im Sprachstil exzellente Predigt, die zum Nachdenken anregt aber nicht mit Vorschriften daherkommt. Der rote Faden "Familie der Gläubigen" und Mitmenschlichkeit auch mit Fremden zieht sich gekonnt durch Lesungen, Predigt und Liedauswahl. Im Gebet lässt Pfarrerin Ines Weimann auch kurz politische Töne anklingen, als sie die Seenotrettung von Geflüchteten anspricht. Was auffällt, ist die professionelle aber nicht abgeklärt wirkende Art von Pfarrerin Ines Weimann. Die aus Pappenheim stammende Weimann ist erst seit 2018 in Uehlfeld, scheint aber im Gemeindeleben sehr gut angekommen zu sein. Herausheben muss man auch das exzellente Orgelspiel von Reinhard Döring aus Höchstadt, der spontan der evangelischen Nachbargemeinde ökumenisch-pragmatisch aus der Patsche geholfen hat.

Einstieg

Glockenläuten steht zu Beginn des evangelischen Sonntagsgottesdienstes in der Kirche St. Jakobus in Uehlfeld. Pfarrerin Ines Weimann nennt in ihrer Einleitung gleich das Thema, das sich wie ein roter Faden durch den Gottesdienst ziehen wird: Familie und Verwandtschaft. Sie begrüßt die rund 50 Gläubigen in den Reihen mit einem offenen "Schön, dass Sie da sind." Bewertung: So wie es sein soll. Kein Tam-Tam, aber eine kurze Begrüßung der Gottesdienstbesucher.

Musik

Das Orgelspiel ist nicht nur fehlerfrei, sondern mit seiner routinierten Klasse fast konzertant zu nennen. Die Liedauswahl passt zum Thema "Familie", das den Gottesdienst durchzieht. Es ist auch der Klassiker "Ins Wasser fällt ein Stein" dabei, das vom Organisten aber nicht - wie manchmal zu hören - sehr getragen und weinerlich, sondern eher flott und mit einem beschwingten Vorspiel gespielt wird. Die Uehlfelder Gemeinde ist nicht nur textsicher, sondern auch deutlich wahrnehmbar. Ausnahmslos alle singen mit und es entsteht eine schöne "Chor"-Stimmung. Zum Ende bekennt Pfarrerin Weimann, sie habe "einen großen Adrenalinschub" bekommen. Der Grund: Der Uehlfelder Organist hatte frei, seine Vertretung war ausgefallen. Weimann fragte in Höchstadt an und bekam ökumenische Unterstützung. Reinhard Döring sprang spontan ein. Weimann dankte ihm, die Gläubigen applaudierten.

Bewertung: Der Gottesdienst bot keine instrumentalen Überraschungen oder Experimente. Aber die Qualität des Organisten war hervorragend. Das stimmliche Engagement der Uehlfelder ebenfalls.

Lesung

Eine Lektorin trägt die Lesungen vor. Die Passagen von Johannes und Markus sind passend zum Thema des Gottesdienstes gewählt. Der Vortrag ist flüssig, weder zu schnell noch zu leise.

Bewertung: Die ausgewählten Passagen passen sehr gut zum roten Faden des Gottesdienstes.

Predigt

Die Predigt ist klar strukturiert, mit Bibelbezug, dabei aber erfreulicherweise ohne zu viel Nebensächlichem aus der ausgewählten Geschichte (Jesu in Kapernaum, Markus 3). Die Botschaft: Im Glauben werden alle Gläubigen zu Brüdern und Schwestern. Auch mit demjenigen, mit dem man Streit hat, sollte man umgehen wie mit seinem eigenen Verwandten, also nachsichtig und mit Liebe. Weimann hat einen Vortragsstil, der fast "radiotauglich" zu nennen ist. Sie spricht deutlich, setzt die Pausen an den richtigen Stellen und in der passenden Länge, so dass das Gesagte nachwirkt. Sie verwendet eine ungekünstelte Sprache und spickt ihre Predigt mit Alltagssprache. Damit wirkt ihre Botschaft nicht abgehoben, sondern praxisnah. Sie spricht die Gläubigen und die Konfirmanden direkt an. Und sie verwendet ein Element, das in der Rhetorik "Call to action" heißt, also den Aufruf zur Handlung. Sie fordert die Gläubigen auf, sich in den Reihen umzusehen und sich ganz praktisch vorzustellen, es handle sich bei den eigentlich Fremden um eigene Brüder und Schwestern. Das belebt die Rede.

Bewertung: Eine Predigt, die zum Nachdenken anregt. Der Vortragsstil ist klar und lebensecht. Emotionen werden ohne Kitsch geweckt.

Abendmahl

Auf ein Abendmahl wurde bei diesem Gottesdienst verzichtet.

Bewertung: In einem normalen Sonntagsgottesdienst ist ein Abendmahl kein Muss.

Segen

Vor dem Segen trägt eine Lektorin detailliert vor, wie viel bei den zurückliegenden Kollekten eingenommen wurde und wofür das Geld verwendet wird. In diesem Gottesdienst geht die Summe aus dem Klingelbeutel an die Männerarbeit. Es folgen Hinweise zu folgenden Gottesdiensten. Es werden Personen der Gemeinde genannt, die in dieser Woche ihren Geburtstag feiern.

Bewertung: Die Auflistung der gesammelten Spenden auf Heller und Cent wirkt zunächst etwas buchhalterisch, aber sie macht absolut Sinn, denn so entsteht Transparenz. Hinweise auf Geburtstage und andere Veranstaltungen zeugen von einem regen Gemeindeleben.

Ambiente

Das Ambiente ist freundlich und feierlich. Die Gläubigen - vorwiegend ältere Menschen, überwiegend Frauen - scheinen sich untereinander zu kennen. Trotzdem hat man nicht das Gefühl, es wird nur geschielt und getuschelt. St. Jakobus ist eine schöne Kirche mitten im Ort an der Durchgangsstraße. Wer Uehlfeld kennt, weiß: Das bedeutet Verkehr. Selbst am Sonntagvormittag rauscht ab und an ein größeres Fahrzeug vorbei, was die Kirchenfenster leicht zum Vibrieren bringt. Auch die Kirche muss mit dem starken Durchgangsverkehr leben.

Bewertung: Das Ambiente ist offen und freundlich.

Kirchenbänke

Man sitzt auf Holzbänken, die ein Polster haben. Bequem wie Kinosessel sind sie nicht. Aber schließlich ist eine Kirche auch kein Kino.

Bewertung: Typische Holzbänke, die aber gepolstert sind.

Beleuchtung

Der Kirchenraum ist hell und freundlich. Auf dem Altar brennen Kerzen. Es hängt ein Kronleuchter mit echten Kerzen, die allerdings wohl nur zu höheren Festtagen entzündet werden.

Bewertung: St. Jakobus ist eine freundlich wirkende Kirche. An diesem Sonntag schien die Sonne schön durch die Kirchenfenster. Mit brennenden Kerzen auf dem Kronleuchter wäre es vielleicht noch feierlicher gewesen.

Sinne

Die Worte der Predigt und des Gebets hallen angenehm im Kirchenraum nach. Die Orgel klingt fantastisch.

Bewertung: Die Akustik in St. Jakobus ist sehr angenehm.

Warum ein Gottesdiensttest?

Die Ergebnisse unserer Gottesdiensttests, das wissen wir, sind rein subjektiv. Warum dann dieser Test? Weil wir glauben, dass es eine Diskussionsbasis braucht, um Kirche und Bürger wieder näher zusammenzubringen. Und weil wir denken, dass Kirche und Glaube nicht weiter auseinanderdriften sollten. Wir freuen uns deshalb auf den Dialog mit Kirchenvertretern, Gläubigen und allen Menschen, die uns ihre Meinung zu diesem wichtigen Thema mitteilen wollen. Schreiben Sie uns: redaktion@infranken.de

Zum Abschluss der Testserie werden unsere beiden Experten Martin Stuflesser und Martin Nicol am 1. November Bilanz ziehen. Alle Tests werden auf unserem Internetportal unter www.infranken.de/gottesdiensttest gesammelt.

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