Röttenbach
Querläufer unterwegs

Zwischen Fähren und Herren am Main-Radweg

Jochen Brosig vom FSV Großenseebach läuft die rund 600 Kilometer des Main-Radwegs ab: Am Herrentag erreicht er, zwischen Bollerwagen und Bier, Schweinfurt.
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Beliebte Abkürzung entlang des Mains: mit der Fähre übersetzen. Fotos: Jochen Brosig
Beliebte Abkürzung entlang des Mains: mit der Fähre übersetzen. Fotos: Jochen Brosig
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D er Querläufer Jochen Brosig trifft sich regelmäßig mit Sportlern der Region auf deren Lieblingslaufrunde. Diesmal bewegt er sich abseits von jeglichem Wettkampfstress auf dem 600 Kilometer langen Main-Radweg. Zum Auftakt lief der Röttenbacher von der Weißmainquelle nach Kulmbach und weiter vom Mainzusammenfluss über Bayreuth zur Rotmainquelle bei Creußen - immer in Begleitung von netten Menschen. Nach der Winterpause begleitet ihn auf der Etappe von Schweinfurt nach Volkach sein Freund Erwin Bittel. I n Schweinfurt beginnt unser heutiger Genusslauf direkt am Bahnhof. Vorbei an Marktplatz und Friedrich-Rückert-Denkmal drehen Erwin und ich eine Runde durch Schweinfurt. Plötzlich entdecken wir Schweine. Bunt bemalt stehen sie in verschiedenen Kreationen in der Stadt. Was den Berlinern die Bären sind, das sind den Schweinfurtern die Schweine. Ein Fußgänger spricht uns an. Er outet sich als Läufer und will im September den Baden-Marathon laufen.

Querläufer:

In Schweinfurt stehen die Schweine also an jeder Ecke, aber ist es mit dem Namen wirklich so einfach zu erklären? Sind die Schweine über die Furt?

Schweinfurter Fußgänger: Ja, als einfachste Erklärung wird das oft so gesagt. Es gibt aber auch eine andere. Das Wort "Swin" bezeichnete Sumpfgebiete oder es kann sich um einen versandeten Flussarm handeln. Wahrscheinlich kommt die Bedeutung eher aus dieser Richtung.

D er Main-Radweg ist bestens ausgeschildert. Sobald wir den Einstiegspunkt gefunden haben, gibt es kein Verlaufen mehr. Strahlender Sonnenschein, Schäfchenwolken, wir haben einen perfekten Tag für unsere Tour erwischt. Glitzernd fließt der Main neben uns. Ein Angler sitzt am Rand. Er ist unzufrieden, denn heute beißen sie nicht. Nur Rotaugen, sagt er, und die haben Schonzeit. Also zurück in den Main damit.

Erwin Bittel:

Heißt der Main hier eigentlich Mää oder Mee?

Angler: Mee natürlich. Mää sagen bei uns nur die Schafe.

I n Richtung Bergrheinfeld führt unser Weg. Zum ersten Mal tauchen die zwei Kühltürme des Kraftwerks Grafenrheinfeld in der Ferne vor uns auf. Das Naherholungsgebiet Altmainschleife Nord wird von vielen Spaziergängern, Joggern, Radfahrern und Hundebesitzern genutzt. Heute am Vatertag überholen wir auch immer wieder Gruppen mit Leiterwagen - mit Schankanlagen, mit Flaschenhalterungen für die Halbe und mit Zeltüberdachung, damit das Bier nicht warm wird.

Wann gingen bei euch die Vorbereitungen los?

Sebastian: Wir haben ein halbes Jahr an der Schankanlage als Leiterwagenbar mit Dach gebaut. Blöd nur: Jetzt haben wir einen Platten. Das wird hart bis Wipfeld.

Das Weinfest lassen sich Erwin und ich nicht entgehen. Heinzi aus Fuchsstadt spricht uns an. Er will dieses Jahr den Jakobsweg rennen. Eine große Herausforderung. Nach einer Weile erkennt er den Querläufer. "Du bist doch der aus Großenseebach." Beim Seebachmeeting war er Stammgast. Gerne würde er wieder bei uns laufen. Wir müssen weiter. Gerade rechtzeitig besteigen wir die Fähre bei Wipfeld.

Wo fährst du hin?

Fährmann: Nach Volkach. Ne Schmarrn, auf die andere Seite natürlich.

V olkach, das Zentrum der Mainschleife, rückt immer näher. Vorbei am Museum Stammheim, Deutschlands größtem Privatmuseum für Militär- und Zeitgeschichte, führt uns der Mee nach Obereisenheim. Hier setzen wir zum zweiten Mal über den Main. Immer wieder überholen uns Radfahrer und Wanderer. Oder sie kommen uns entgegen. Wir passieren Eisenheim und die Fähranlegestelle bei Fahr liegt vor uns. Hier wird uns die Mainfähre Schorsch unter dem Kommando von Fährmann Johannes übersetzen.

Wir haben jetzt schon einiges gehört. Hinter dem Beruf eines Fährmanns muss doch noch etwas anderes stecken.

Fährmann Johannes: Es ist schon eine Art Berufung. Ich war bereits als kleiner Bub auf der Fähre. Da bin ich dann reingewachsen. Später habe ich meinen Fährschein gemacht. Und jetzt mach' ich es, bis einer kommt und mich ablöst.

E ine schattige Allee führt uns nach Volkach. Doch zuvor erklimmen wir den Kirchberg mit der Wallfahrtskirche Maria im Weingarten. Ringsherum die Weinberge, mittendrin die Kirche mit der Madonna im Rosenkranz. Das letzte Kunstwerk von Tilman Riemenschneider und eines der bedeutendsten im deutschen Raum. Vom Kirchberg hat man eine schöne Aussicht auf Volkach und den Main. Ein wunderbarer Abschluss ist unser Einlauf in Volkach. Über das Untere Tor laufen wir die Hauptstraße hoch, vorbei am Marktplatz zum Oberen Tor. Links und rechts zahlreiche verwinkelte Gassen, Häuser mit Fachwerk und zahlreiche Möglichkeiten, sich kulinarisch verwöhnen zu lassen.

Also die Brotzeit haben wir uns jetzt aber wirklich verdient. Demnächst steht die Etappe von Volkach nach Kitzingen an.

Run happy and smile!

Euer Querläufer

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