Heßdorf
Wrestling

Wrestling-Event: Eine Seifenoper für Männer

Alles nur Verarsche? Profi-Catcher Alex Wright veranstaltete einen Kampf-Event in Heßdorf, spektakuläre Action verschmolz mit purem Entertainment. Von einer reinen "Show" kann dabei nicht die Rede sein.
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Der Schwerkraft zum Trotz: Adrian Severe (l.) und Cruel Agility (r.) fegen ihre Gegner von der Leiter. Das Publikum hält es nach dieser Szene nicht mehr auf den Sitzen. Fotos: Jens Liebscher / ScipiX
Der Schwerkraft zum Trotz: Adrian Severe (l.) und Cruel Agility (r.) fegen ihre Gegner von der Leiter. Das Publikum hält es nach dieser Szene nicht mehr auf den Sitzen. Fotos: Jens Liebscher / ScipiX
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New European Championship Wrestling, kurz NEW, die vom früheren Wrestling-Profi und -trainer Alex Wright ins Leben gerufene Wrestling-Liga, veranstaltete am Samstag einen weiteren Kampfabend in Heßdorf. Familienfreundlich soll es sein, das ist bei aller Action das oberste Credo des Ex-WCW-Stars. Das Konzept geht auf.

Markus Lanz aufs Kreuz gelegt

Wrestling gilt im Volksmund als Show, als "Verarsche", bei der ohnehin alles gespielt ist und jeder Schlag ins Leere geht. Dass das nicht stimmt, davon konnten sich die Zuschauer am Samstag wieder einmal aus nächster Nähe überzeugen. Wenn der amtierende Champion "Adrian Severe" aus zwei Metern Höhe mit seinem vollen Körpergewicht auf seinem Gegner "Big Steve" landet, dann ist jedem im Publikum bewusst: Das muss weh tun! "Big Steve", das ist übrigens der junge Mann, der im Januar bei "Wetten, dass...?" schon Markus Lanz mit einer
Wrestling-Aktion auf die Bretter schickte.

Alex Wright, Gründer der Liga und selbst Trainer der meisten Talente an diesem Abend, bringt es auf den Punkt. Wrestling sei kein Sport, bei dem es im klassischen Sinn um Sieg oder Niederlage gehe. "Es ist eine packende Mischung aus Hochleistungssport und Unterhaltung." Und tatsächlich, den Gegner mit den waghalsigen Aktionen im Ring nur scheinbar zu verletzen, erfordert wohl mehr Kraft und Körperbeherrschung, als wenn man ihm wirklich Böses wollte. So oder so: Was die teils sehr jungen Wrestler im Ring abliefern, beeindruckt.

Gut und Böse im Ring

Melanie, 22 Jahre alt, ist mit zahlreichen Freunden zur Veranstaltung aus Hof angereist. Es ist nicht ihr erster Besuch im "N.E.W. HotSpot", wie Wright die bislang einzige reine Wrestlinghalle Deutschlands getauft hat. Sie zieht es fast jeden Monat zu den regelmäßigen Events nach Heßdorf. "Wrestling dieser Qualität sieht man in Deutschland eigentlich nur im Fernsehen. So nah wie hier kommt man selten ran, mein Platz ist gerade einmal fünf Meter vom Ring entfernt." Auch die nächste Veranstaltung am 5. Oktober ist für sie schon fest eingeplant.

Generell überrascht das geschlechts- wie altersmäßig sehr gemischte Publikum, das seine Helden lautstark anfeuert. "Wrestling ist doch im Prinzip wie eine Soap. Es gibt die Guten und die Bösen, die Beliebten und die Nervensägen. Und es werden Geschichten erzählt, die mal spannend sind und mal einfach nur Spaß machen", erklärt der 41-jährige Daniel aus München die Faszination für das "Sports Entertainment".

Die Guten, das sind beispielsweise das fränkische Original "Georg Schorschi Gwärch" aus Zirndorf oder Champion "Adrian Severe". Der 23-jährige Südtiroler gilt bei den Fans als eines der größten Talente in der NEW und wurde von Wright in dessen eigener Pro-Wrestling-Schule trainiert. Die Bösen, das sind Typen wie "V.I.P" - arrogant, hochnäsig, eingebildet. Ein Schurke, so charismatisch, dass es die Fans lieben, ihn zu hassen.

Koffer-Keilerei

Aber egal, ob gut oder böse, egal ob Champion oder Schurke, Wrights Wrestling-Stars präsentierten am Samstag nahezu jede Facette des unterhaltsamen Sports: Qualifikations-Kämpfe mit spannend knappem Zeitlimit, technisch erstklassige Aktionen und ein spektakuläres Finale, in dem neun Wrestler alles tun, um einen vier Meter über dem Ring hängenden Koffer zu erwischen. Ein wenig düster wurde es dann beim ersten "Sarg-Match" einer deutschen Promotion, in dem Fan-Liebling "Tommy Blue Eyes" und der finstere "Kratos" versuchten, sich gegenseitig in einen Sarg zu stecken.

Das war überraschend spannend und weit weniger makaber, als es sich vielleicht liest, denn Alex Wright geht es vornehmlich darum, Groß und Klein zu begeistern und eine Wohlfühlatmosphäre zu schaffen. Das dankt die ausverkaufte Halle ihm und den Wrestling-Stars von New European Championship Wrestling nach einem hochklassigen, vierstündigen Wrestling-Abend mit Standing Ovations und Sprechchören.

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