Mühlhausen
Sportler der Woche

Vom (Un)Glück des Kaminkehrers Daniel Emrich

Aufstiegsfeiern bei der SpVgg Mühlhausen kennt Daniel Emrich zur Genüge. Eine Verletzung hindert ihn nun aber, mit dem Team auf eine weitere hinzuarbeiten.
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Der Umzug ins eigene Haus nimmt Daniel Emrich derzeit voll in Beschlag. Foto J. Höllein
Der Umzug ins eigene Haus nimmt Daniel Emrich derzeit voll in Beschlag. Foto J. Höllein
Drei Mal in vier Jahren aufzusteigen ist schon etwas Besonderes für einen Fußballer. "Wenn ich dann aber erzähle, dass ich nur in der A-Klasse spiele, gehen die Kinnladen runter", erzählt Daniel Emrich. Denn jedem dieser Aufstiege folgte der direkte Fall: Die SpVgg Mühlhausen pflegt wie kein zweiter Verein das Image einer Fahrstuhl-Mannschaft. Selbst als man 2011 als Meister in die Kreisklasse einzog, hielt das Glück nicht lange, obwohl Emrich ja Schornsteinfeger ist. "Eigentlich müsste für uns eine Liga zwischen Kreis- und A-Klasse erfunden werden", schmunzelt der 26-Jährige, der 2004 nach Mühlhausen wechselte und diesen Schritt trotz der Berg- und Talfahrt seither nie bereut hat.

Seine ersten fußballerischen Gehversuche unternahm Emrich in Schlüsselfeld als Fünf- oder Sechsjähriger und blieb dort, bis es ihn in der A-Jugend nach Geiselwind in die Bezirksoberliga zog.
Dass der Kaminkehrermeister anschließend nach Mühlhausen in die Kreisklasse wechselte, hatte familiäre Gründe. Emrichs Vater Günter, selbst Fußballer durch und durch, war Anfang des Jahrtausends Trainer bei der SpVgg und ist dem Verein bis heute treu geblieben - als Torwart der zweiten Mannschaft.


Aufstieg Nummer 4 im Visier

Dem Sohnemann fiel die Wahl deshalb nicht schwer, "aber mir hat's auch so super gefallen. Die Mannschaft und das Umfeld waren toll und daran hat sich bis heute nichts geändert." Auch wenn seine erste Saison bei den Schwarz-Weißen gleich mit dem Abstieg besiegelt wurde. Angebote von anderen Vereinen ließ Emrich links liegen und glaubt auch nicht daran, dass er sich fußballerisch überhaupt noch einmal umorientieren wird.
Warum auch? Aktuell schicken sich die Mühlhausener als Herbstmeister der A-Klasse Bamberg 1 ja an, den vierten Aufstieg einzufahren. "Das wird heuer bei nur einem Direktaufsteiger sehr schwer und unsere drei ärgsten Verfolger haben genauso viel Punkte wie wir." Dass die SpVgg die beste Abwehr und den besten Sturm der Liga (70:18 Tore) aufweist, ist laut Emrich zu großen Teilen den Nachwuchstalenten zu verdanken, die bei der JFG Ebrach-Aisch bestens ausgebildet wurden. Dass dazu einige Schlüsselfiguren verletzt ausfielen, wurde von den Ergänzungsspielern gut kompensiert - es kam sogar vor, dass Daniel mit seinem Vater und seinem Bruder gemeinsam auf dem Feld stand. "Was für ein Schauspiel."

Wenn das Team zusammenbleibt und sich niemand mehr verletzt, hält Emrich den neuerlichen Sprung in die Kreisklasse für möglich. "Ich würde mir wünschen, dass wir uns dort mal halten können, eine Nichtabstiegsfeier wäre mal was Neues", schmunzelt der 26-Jährige, wohl wissend, dass er selbst nicht mehr eingreifen kann. Denn am sechsten Spieltag riss sich der Defensivmann die Achillessehne. "Ich schoss aufs Tor und plötzlich hatte ich das Gefühl, als wäre mir jemand mit gestrecktem Bein in die Hacken gesprungen. Im Fallen drehte ich mich um, aber da war keiner."


Ab ins eigene Häuschen

Ein Vierteljahr war Emrich danach krank geschrieben und hatte Glück, dass er einen verständnisvollen Chef hatte. Denn der Ausfall des 26-Jährigen stellte den Drei-Mann-Betrieb vor eine große Herausforderung. Emrich ist froh, dass er nächste Woche wieder einsteigt, denn nach drei Monaten fällt ihm die Decke fast schon auf den Kopf. Gut, dass auch privat ein Tapetenwechsel ansteht. Am kommenden Wochenende tauschen der Kaminkehrer und seine Freundin, die Krankenschwetser in Erlangen ist, die Drei-Zimmer Wohnung in der Hugenottenstadt mit dem eigenen Häuschen in Mühlhausen.

Deshalb ist das Paar, das seit sieben Jahren gemeinsame Wege geht, mitten im Umzugsstress. Immerhin haben die beiden die nächsten sechs Monate alle Zeit, das neue Heim schön einzurichten. So lange hat Daniel Emrich nämlich noch Sportverbot. "Aber nächste Saison möchte ich wieder angreifen", wünscht sich der 26-Jährige.
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