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Leichtathletik

...und plötzlich ist Rio für einen Höchstadter ganz nah

Bisher waren Olympische Spiele für Martin Grau nur ein vager Traum. Nachdem die Norm gesenkt wurde, fehlen dem Hindernisläufer nur noch ein paar Sekunden.
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Der Höchstadter Martin Grau läuft seinem Traum von Olympia nicht mehr nur hinterher, inzwischen ist er zum Greifen nah. Foto: Peter Steffen/dpa
Der Höchstadter Martin Grau läuft seinem Traum von Olympia nicht mehr nur hinterher, inzwischen ist er zum Greifen nah. Foto: Peter Steffen/dpa
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Die Olympia-Normanforderungen für die deutschen Leichtathleten werden gesenkt. Der Vorstand des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) stimmte auf seiner Sitzung einem entsprechenden Antrag des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) zu. Dieser hatte nach dem Doping- und Korruptionsskandal Handlungsbedarf gesehen. "Wir begrüßen es sehr, dass der DOSB-Vorstand unseren Vorschlägen gefolgt ist", sagte DLV-Sportdirektor Thomas Kurschilgen der deutschen Presseagentur (dpa).

Die in den zurückliegenden Jahren stetig gewachsene kooperative Zusammenarbeit mit der Dachorganisation habe auch in dieser bedeutsamen Frage für die Athleten zu einer einvernehmlichen Lösung geführt. "Wir haben uns vor dem Hintergrund der massiven Dopingverfehlungen in der internationalen Leichtathletik in der Verpflichtung gesehen, einen Ausgleich der Interessen und der Chancen für unsere ehrlichen Athleten vorzunehmen." In 35 von 47 Einzeldisziplinen im Bereich Leichtathletik haben es die deutschen Sportler ab sofort leichter, auf den Olympia-Zug aufzuspringen.


Wenn schon Olympia, dann Finale

Einer, der von den angepassten Normen profitieren könnte, ist Martin Grau vom LSC Höchstadt. Der 23-jährige Sportfördersoldat ist amtierender deutscher Meister über 3000 Meter Hindernis. An seine Bestzeit von 8:24 Minuten kam er dabei - wie im gesamten Jahr 2015 - nicht heran, doch die von 8:22,80 auf 8:30 Minuten gesenkte Olympia-Norm bringt ihn ein großes Stück näher heran an die Verwirklichung seines Traums von Rio.

"Als ich das hörte, habe ich mich richtig gefreut. Es ist auf jeden Fall leichter geworden, obwohl 8:30 kein Klacks sind. Aber ich traue mir die Norm zu - zur Not auch allein im Endspurt", sagt Grau kämpferisch. Sollte er es nach Rio schaffen, will er sich aber eher an 8:20 Minuten orientieren. "Ich will ja nicht im Vorlauf untergehen, sondern es möglichst ins Finale schaffen. Die Olympischen Spiele sind mein großer Traum. Jetzt, wo er zum Greifen nah ist, bin ich natürlich umso mehr motiviert, das zu packen."

Eine Garantie dafür gibt es nicht. 8:40 Minuten sollten kein Problem sein, für alles darunter müssten jedoch viele Faktoren stimmen. "Es wäre also fatal, die Vorbereitung jetzt lockerer anzugehen. Konzept und Ziel bleiben gleich. Wir versuchen, im Training Altbewährtes mit Neuem zu kombinieren, holen uns Rat und versuchen, das Positive herauszuziehen", sagt der ambitionierte Sportler aus dem 100-Seelen-Örtchen Biengarten.

So hat Grau heuer erstmals ein Höhentrainingslager in Kenia absolviert, welches im Grundlagenbereich viel gebracht habe. "Die Tests waren sehr gut, auch meine Werte sind deutlich besser als letztes Jahr zum gleichen Zeitpunkt." Für Grau ist die Senkung der Norm ein Geschenk. "Mein langjähriger Konkurrent Steffen Uliczka, der inzwischen zum Marathon gewechselt ist, hat mich als Glückspilz bezeichnet und sich beschwert, dass er sich immer so quälen musste."


Umfangreiches Auswahlverfahren

Wer es laut Grau schaffe, 3000 Meter Hindernis unter 8:20 Minuten zu laufen, sei richtig gut. "Da aber so viele Sportler betrogen haben, waren die Normen nicht haltbar. Deshalb war es absolut richtig, diese zu senken." Allerdings dürfe das nur der erste Schritt sein. "Es ist ein Signal, aber ab jetzt muss intensiv gegen Doping vorgegangen werden. Die Strafen gegen Verbände und einzelne Sportler, die betrügen, müssen härter werden und abschrecken. Sonst bringt das alles nichts." Der Höchstadter sieht es als Vorteil, dass so der Konkurrenzkampf um die Olympia-Plätze angeheizt wird.

Und die sind rar gesät. Zumindest in der Leichtathletik schaffen es in der Regel nur drei Sportler pro Disziplin in den Kader, wobei auch Abweichungen möglich sind: Beim Marathon werden beispielsweise zuerst die Sportler nominiert, die bei der deutschen Meisterschaft die Norm knacken. Es folgen Athleten, die bei der WM Platz 1 bis 16 belegen, vor denen, die bei anderer Gelegenheit die geforderte Zeit abliefern.

Diese Nominierten müssen im Olympiajahr einen einheitlich definierten Leistungsnachweis in einem Halbmarathon erbringen, anhand dessen entschieden wird, wer um Medaillen kämpfen darf. Es gibt aber auch Sportarten wie den Modernen Fünfkampf, indem internationale Quotenplätze den Ausschlag geben, ob deutsche Athleten mitfahren oder nicht.


Weitere Franken bei Olympia

Speerwerfen: Klaus Wolfermann (69), der aus Altdorf bei Nürnberg stammt und viele Jahre in Herzogenaurach lebte und arbeitete, war ein erfolgreicher Speerwerfer. Seinen größten Erfolg feierte er mit dem Sieg bei den Olympischen Spielen in München 1972, wo er sich mit einer Weite von 90,48 Metern gegen den Letten Janis Lusis (90,46) durchsetzte. Knapp ein Jahr später stellte Wolfermann mit 94,08 Metern einen neuen Weltrekord auf, der fast vier Jahre Bestand hatte. 2004 gehörte er zu den Fackelläufern, die das Olympische Feuer auf dessen Weg nach Athen durch München trugen.

Hockey: Der Nürnberger Max Müller (28)und Team-Manager Jochen Heimpel (50, Erlangen) holten sich mit den deutschen Hockey-Herren in Peking 2008 olympisches Gold und wiederholten dieses Kunststück vier Jahre später in London. 2012 gehörte auch Christopher Wesley (28), Müllers Vereinskollege beim Nürnberger HTC, zu den Goldjungs.

Schwimen: Hannah Stockbauer (34) galt Anfang des Jahrtausends als größte deutsche Schwimmhoffnung. In Athen 2004 blieb die Nürnbergerin in Diensten des SSG 81 Erlangen als amtierende Weltmeisterin über 400 und 800 Meter Freistil hinter den Erwartungen zurück und konnte sich nur mit der 4x200-Meter-Freistilstaffel über Bronze freuen. Stockbauers Vereinskollegin, die damals 16-jährige Daniela Götz, gewann mit der Staffel über 4x100 Meter Lagen ebenfalls Bronze.

Handball: Der gebürtige Fürther Steffen Weinhold (29, THW Kiel) und der Würzburger Carsten Lichtlein (35), der beim VfL Gummersbach das Tor hütet, fahren mit der deutschen Nationalmannschaft als amtierende Europameister nach Rio.

Basketball: NBA-Star Dirk Nowitzki (Würzburg), die beiden Bamberger Steffen Hamann und Sven Schultze sowie der in Aschaffenburg aufgewachsene Demond Greene und Robert Garrett aus Ochsenfurt gehörten zur deutschen Nationalmannschaft, die in Peking 2008 in der Vorrunde ausschied und am Ende Platz 10 erreichte. Etwas besser schnitten die Basketballer 1992 in Barcelona ab. Das Team um den gebürtigen Bamberger und DBB-Vizepräsidenten Armin Andres wurde Siebter.

Rudern: Gehard Füßmann (†, Bamberg) und Waldemar Beck (†, Fürth) traten in Helsinki 1952 im Doppelzweier an.
Triathlon: Die Bayreutherin Anne Haug (33), die unter anderem für den TV 48 Erlangen startet, wurde 2012 in London Elfte.

400-Meter-Lauf: Jürgen Kalfelder (75), der seit 1964 in Herzogenaurach lebt, trat im gleichen Jahr in Tokio an, schied aber in den Vorläufen aus.
Rennrad: Der Hallstadter Johannes Knab (69) verpasste in München 1972 mit der vom Verletzungspech verfolgten Radsport-Mannschaft die Medaillenränge.

Schützen: Christian Stützinger (46) von der SG Kronach wurde in Seoul 1988 beim Schießen auf die laufende Scheibe aus 50 Metern Achter.
Ski-Langlauf: Der Bayreuther Walter Demel (80) nahm zwischen 1964 und 1976 viermal an Olympischen Winterspielen teil. Seine besten Einzelergebnisse erzielte er 1972 in Sapporo mit Platz 5 über 30 und 50 Kilometer.


Die geänderten Olympia-Normen des DLV

Disziplin Männer Frauen

100 Meter 10, 16 s (10,14) 11,32 s (11,22)
200 Meter 20,50 s (20,45) 23,20 s (22,85)
400 Meter 45,40 s (45,25) 52,20 s (51,35)
800 Meter 1:46,00 min (1:45,40) 2:01,05 min (1:59,80)
1500 Meter 3:36,20 min (3:35,50) 4:07,00 min (4:05,50)
5000 Meter 13:25,00 min (13:18,00) 15:24,00 min (15:13,00)
10 000 Meter 28:00,00 min (27:45,00) 32:15,00 min (31:45,00)
100 m Hürden --- 13,00 s (12,92)
110 m Hürden 13,47 s (13,46) ---
400 m Hürden 49,40 s (49,20) 56,20 s (55,45)
3000 m Hindernis 8:30,00 min (8:22,80) 9:45,00 min (9:39,00)
Hochsprung 2,29 m (2,30) 1,93 m (1,94)
Stabhochsprung 5,70 m (5,70*) 4,50 m (4,55)
Dreisprung 16,85 m (17,00) 14,15 m (14,25)
Diskuswurf 65,00 m (66,00) 61,00 m (62, 00)
Hammerwurf 77,00 m (78,00) 71,00 m (71,50)
Zehnkampf 8100 Punkte (8150) ---
20 km Gehen 1:22:00 h (1:21:15) 1:32,00 h (1:31,00)
50 km Gehen 3:53:00 h (3:52:00) ---
Marathon 2:14:00 h (2:15:15) 2:30,30 h (2:28,30)

In Klammern stehen die bisher geltenden Normen; * Hier blieb die Norm unverändert

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