LKR Erlangen-Höchstadt
Der Querläufer unterwegs

Quälender Aufstieg, toller Blick

Jochen Brosig trifft sich regelmäßig mit Sportlern auf deren Lieblingslaufrunde. Mit Michael Hench entdeckt er diesmal die Landschaft am Maindreieck.
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Michael Hench arbeitet sich beim Maintal-Ultratrail über 65 Kilometer auch durch die steilen Weinberge Fotos: privat
Michael Hench arbeitet sich beim Maintal-Ultratrail über 65 Kilometer auch durch die steilen Weinberge Fotos: privat
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Wer regelmäßig bei Laufveranstaltungen in der Region startet, der begegnet interessanten Menschen. Der Querläufer Jochen Brosig trifft sich mit einigen dieser ganz unterschiedlichen Laufsportler auf deren Lieblingslaufrunde. Auf den Maintal-Ultratrail (kurz MTUT) in Veitshöchheim wurde er von Freunden hingewiesen. Beim Abholen der Startunterlagen klopft ihm jemand auf die Schulter. Michael Hench vom Erlebnislauf-Team geht auch an den Start.

Hallo Michael, was hat dich nach Veitshöchheim verschlagen? Bis zum Frankenfasching dauert es doch noch etwas.
Michael Hench: Der 100-Kilometer-Lauf in Fürth wurde wegen zu geringer Teilnehmerzahlen abgesagt. Jetzt habe ich wochenlang Kilometer geschrubbt. Das Training für den 100er muss sich ja irgendwie auszahlen. Da kam mir der MTUT gerade zur rechten Zeit.

Treffpunkt ist das Sportgelände des SV Veitshöchheim. Hier geht es ganz unaufgeregt zu. Das könnte ich schon bei mehreren Ultraläufen beobachten. Die Teilnehmer sind ganz entspannt vor dem Start. Veranstalter Thomas Gumpert begrüßt jeden Teilnehmer persönlich. Bei der Startnummernausgabe gibt es kostenlos Kaffee. Man kennt sich: "Wir sind doch beim Bilstein Ultra zusammen gelaufen, oder?" Dann werden die Laufplanungen für das weitere Jahr ausgetauscht. Der Kaffee macht uns wach. Schnell werden die Startnummern befestigt. Dann müssen wir schon zur Einweisung am Startgelände. Bevor es dann losgeht, werden die Rücksäcke mit der Pflichtausrüstung kontrolliert. Erste-Hilfe-Set, Rettungsdecke, Trinkbecher und Mobiltelefon mit den ausgegebenen Notrufnummern sind vorgeschrieben. Ohne geht nicht.

Du bist ja schon einmal in Veitshöchheim gestartet: Was gefällt Dir am MTUT besonders? Warum muss man unbedingt dort starten?
Veitshöchsheim ist schon eine ordentliche Herausforderung. 65 Kilometer und rund 1700 Höhenmeter durch die Wälder und Weinberge. Alles immer am Main entlang. Das bietet zum Teil sehr schöne Trails mit toller Aussicht. Wenn bereits mehr als ein Halbmarathon gelaufen ist, kommt ein Schild "nur noch ein Marathon".

Der MTUT bietet drei Strecken zur Auswahl. Alle drei Läufe führen über anspruchsvolle Trailpfade. Die Konzentration muss bis zum Schluss hoch bleiben. Zwar ist die Streckenführung sehr gut ausgeschildert, aber man muss die Augen offen halten. Der Ultratrail führt von Veitshöchheim über Thüngersheim, Retzbach bis kurz vor Karlstadt am Main entlang. Die Strecke begleitet hoch oben auf der Höhe den Main. Über sonnige Kalkhänge des Fränkischen Weinlandes müssen wir etliche Höhenmeter erklimmen. Dann durchqueren wir Kalkbuchenwälder und schauen von oben auf Naturschutzgebiete mit wunderbarer Flora und Fauna. Kühle Wiesentäler und dichte Laubmischwälder bringen Abwechslung. Diesen Trail haben wir gewählt. Weiter gibt es den T-30 (30 km / 720 Höhenmeter) oder den T-13 (13 km/ 230 Höhenmeter) für das kürzere Trailerlebnis. Außerdem gibt es einen Staffel-Wettbewerb. In der Gruppe als Fünfer-Staffel können Firmen, Vereine oder Laufgruppen den MTUT zusammen bewältigen.

Wann hast Du eigentlich mit dem Laufen angefangen?
Im März 2007, also vor ziemlich genau zehn Jahren. Ich wollte etwas für meine Gesundheit tun, da ich beruflich ziemlich eingespannt war. Ich benötigte unbedingt einen körperlichen Ausgleich. Meine erste Laufveranstaltung war dann im gleichen Sommer in Fürth. Zehn Kilometer in 64 Minuten.

Michael und ich haben beschlossen, zusammen zu laufen. Der Schwierigkeitsgrad ist hoch, also müssen wir verhalten angehen. Das hat zum Vorteil, dass wir uns ausführlich unterhalten können. Der leidenschaftliche Motorradfahrer Michael erzählt von seinem sozialen Engagement. Im Laufclub 21 unterstützt er als Coach Menschen mit dem Down-Syndrom. Als Laufcoach von Gabriele Meier ist er oft auf Laufstrecken um Hemhofen und Zeckern unterwegs. Dann ist er Thrombozytenspender. Dabei werden über ein spezifisches Verfahren Blutplättchen direkt dem Körper entnommen. Wichtig für Menschen mit Leukämie oder Krebs. Und vor kurzem hat er sich von der Caritas zum "Familienpaten" ausbilden lassen. Hier unterstützt er zum Beispiel aktuell eine alleinerziehende Mutter mit ihrem Sohn.

Wie kam es zu deinem Engagement beim Laufclub 21?
Ich hatte vor Jahren einen schweren Unfall. Ob ich jemals wieder richtig laufen könnte, war damals fraglich. Heute habe ich keinerlei Einschränkungen. Aber das geht ja nicht allen so. Darum habe ich mich entschlossen, Menschen, die von Geburt an mit einer geistigen und körperlichen Einschränkung leben müssen, zu helfen.

Das Gelände fordert von uns höchste Aufmerksamkeit. Ein ständiges Auf und Ab und schmale Pfade quer durch den Wald erfordern Trittsicherheit. Belohnt werden wir mit herrlichen Ausblicken auf den Main. Immer wieder halten wir für einen Fotostopp an. An den Verpflegungsstellen erwartet uns ein großzügiges Angebot. Gutgelaunte Streckenposten weisen uns den Weg Richtung Ziel. Abwechslung bringen auch die Gespräche mit anderen Teilnehmern. Simone und Wolfgang waren erst beim Metropolmarathon in Fürth als Zugläufer unterwegs. Etwas später begleitet uns Stefan. Vor zwei Wochen ist Stefan beim Thüringen-Ultra 100 Kilometer gelaufen. Der Würzburger Frank hat zwar ein Heimspiel, war aber bisher noch nie beim Maintal-Ultratrail am Start.

Michael, mach mal langsam. Du schlägst hier ein Wahnsinnstempo an. Wir haben noch ein paar Kilometer. Oder ist das schon dein Zielspurt?
Dabei war ich bei meinen Laufanfängen mit großem Abstand der Langsamste. Damals bin ich einen 7:30-Minuten-Schnitt pro Kilometer gelaufen, bei einem Rennpuls von 170 bis 175 Schlägen. 30 Minuten, dann war Schluss. Um allein zu laufen, hat mir der Ansporn gefehlt. Doch in der Gruppe wollte ich mich nicht blamieren.

Blamieren wird sich Michael auf keinen Fall. Nach fast 65 Kilometern und 1700 Höhenmetern kommt er gut gelaunt im Zielbereich an. Mit einem Lächeln läuft er durch den Zielbogen. Vom Veranstalter bekommt er ein alkoholfreies Weizen. Prost auf den MTUT.

Run happy and smile!
Euer Querläufer
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