Eishockey

Oberliga: Höchstadt ist dabei

Der Höchstadter EC nutzt den ersten Matchball im Play-off Viertelfinale und lässt dem TSV Erding keine Chance. Die Aufstiegsparty steigt auf dem Marktplatz.
Artikel drucken Artikel einbetten
Felix Ribarik lässt dem Jubel freien Lauf. Fotos: Picturedreams (8), Johannes Höllein
Felix Ribarik lässt dem Jubel freien Lauf. Fotos: Picturedreams (8), Johannes Höllein
+31 Bilder
Nach einem Jahr und vier Tagen kehrt der Höchstadter EC in die Eishockey-Oberliga zurück. Vor 1200 Zuschauern zeigen die Alligators, was sie wirklich drauf haben, spielen den TSV Erding phasenweise schwindelig und landen mit dem 8:1 den entscheidenden Sieg, der ihnen das Ticket für das Play-off-Halbfinale und die Rückkehr in Deutschlands dritthöchste Spielklasse beschert.


Höchstadter EC - TSV Erding 8:1

Der HEC dominiert das erste Drittel nach Belieben, Erding wirkt rat- und ideenlos. Bezeichnend, dass Alligators-Goalie Philipp Schnierstein erst nach zwölf Minuten erstmals ernsthaft eingreifen muss. Ansonsten belagern die Hausherren das Tor der Gladiators und zeigen reihenweise sehenswerte Spielzüge. Allein bei der Effizienz ist noch Luft nach oben, und dazu zählt ein Treffer von Ales Kreuzer nicht, weil der Puck auf Irrwegen wieder aus dem Gehäuse springt und die Schiedsrichter keine Sicht auf das Geschehen haben (13.). Doch die beiden Tore, die die Alligators bis zu diesem Zeitpunkt herausgespielt haben, sind umso schöner: Andre Lenk postiert sich hinter dem Erdinger Tor und bedient von dort den heranstürmenden Daniel Jun, der aus zentraler Position das 1:0 erzielt (4.). Fünf Minuten später Tiefschlaf bei Erding: Marc Roth tankt sich mühelos durch die Reihen der Gäste und lässt beim 2:0 auch Torhüter Steinmann alt aussehen, dessen Reflex zu spät kommt (9.).

Im zweiten Drittel nehmen die Alligators gleich wieder Fahrt auf. Ein Angriff über Ribarik und Mikesz scheint geklärt, doch die Scheibe landet vor dem Schläger von Tratz, der sich die Chance auf das 3:0 nicht nehmen lässt (23.). Die Gladiators wirken konsterniert, und werden undiszipliniert. Im Powerplay wuselt sich Aab zum 4:0 durch (25.). Wenig später - ebenfalls bei HEC-Überzahl, drischt Mikesz den Puck unter die Latte. Die Scheibe springt erneut raus, doch diesmal zählt der Treffer - 5:0. Jetzt schaltet der HEC merklich einen Gang runter. Erding holt sich mehr Anteile und kommt zu ein paar Chancen, die Schnierstein aber zu Nichte macht. Bis zur 37. Minute, bei Deublers Abschluss kann auch "Phipsi" nichts ausrichten. Der Shutout ist abgewendet, das wäre aber auch des Guten zu viel. Doch der HEC stellt noch vor der Pause den alten Abstand wieder her. Bei 4 gegen 3 wird Aab von Kreuzer und Petrak fein freigespielt - 6:1 (40.).

Der Drops ist gelutscht. Die Fans skandieren: "Oberliga, Höchstadt ist dabei" und "Nie mehr Bayernliga, nie mehr, nie mehr." Doch der HEC will seiner Anhängerschaft noch etwas bieten. Bei doppelter Überzahl setzen Aab und Kreuzer Spielertrainer Jun in Szene, der auf 7:1 erhöht (43.). Den Schlusspunkt in einer einseitigen Partie setzt Petrak in der 49. Minute. Respekt an den TSV Erding, denn während das Stadion sich so langsam auf die Aufstiegsparty einstimmt, lassen die geschlagenen Gladiators den Kopf nicht hängen und beißen sich durch. Doch gegen diese Höchstadter ist kein Kraut gewachsen.


Die Statistik zum Spiel

Höchstadter EC - TSV Erding 8:1 (2:0, 4:1, 2:0)
Höchstadter EC: Tor: Schnierstein, Metz; Abwehr: Nedved/Roth, Stütz/Babinsky, Vojcak/Ribarik; Angriff: Aab/Petrak/L. Lenk, Jun/Kreuzer/A. Lenk, Grau/Seibel/Mikesz, Tratz, Revaj

TSV Erding: Tor: Steinmann, Gerlspeck; Abwehr: Wagner, Lorenz, Schwarz, Mitternacht, Bernhardt, Jeske; Angriff: Zimmermann, Pfeiffer, Spindler, Krzizok, Borrmann, Poetzel, Michl, Deubler, Krämmer

SR: Siegfried Gut, Philipp Bösl, Maximilian Reitz
Zus: 1201

Tore: 1:0 Daniel Jun (4.), 2:0 Marc Roth (9.), 3:0 Daniel Tratz (23.), 4:0 Vitalij Aab (25.), 5:0 Jiri Mikesz (28.), 5:1 Marco Deubler (37.), 6:1 Vitalij Aab (40.), 7:1 Daniel Jun (43.), 8:1 Michal Petrak (49.)
Strafminuten: 6 / 20


Erste Reaktionen zum Aufstieg des Höchstadter EC

Thomas Vogl (Trainer des TSV Erding): "Wir wollten uns heute noch ein weiteres Heimspiel erkämpfen. Doch Höchstadt hat uns ab der ersten Minute gar keine Gelegenheit gegeben, dagegen zu halten. Ich kann meinem Team keinen Vorwurf machen, aber der Gegner war heute einfach zu stark."

Daniel Jun (Spielertrainer des HEC): "Erding war ein bärenstarker Gegner mit einem Defensivkonzept, das Hand und Fuß hat. Ich musste viel mit Videoanalyse arbeiten, um die richtige Taktik zu finden. Aber man braucht auch eine Mannschaft, die diese dann umsetzt. Und das haben die Jungs gemacht. Heute, das waren 100 Prozent. In den Viertelfinalspielen davor haben wir nicht alles abgerufen, obwohl die Spiele 2 und 4, als wir jeweils in Erding nach einem Rückstand zurückgekommen sind, die Knackpunkte in dieser Serie waren."

Axel Rogner (HEC-Verwaltungsratsvorsitzender): "Genauso haben wir uns das vorgestellt, heute vor dieser Kulisse die Rückkehr in die Oberliga klarzumachen. Nach dem unerwarteten Abstieg im vergangenen Jahr haben wir die Mannschaft noch einmal verstärkt und sind als Favorit in die Bayernliga gestartet. Diese Rolle haben wir angenommen, die Liga dominiert und standen fast ausschließlich an der Tabellenspitze. Aber ich hatte den Eindruck, dass die Jungs in den ersten Viertelfinalspielen unter dem Erwartungsdruck zu nervös waren, zu viele Fehler gemacht haben. Das war heute nicht so, das Team hat von der ersten Minute an alles aufs Eis gebracht, was es kann."

Martin Vojcak (Alligators-Kapitän): "Wir waren gut vorbereitet und hatten uns vorgenommen, von Anfang an viel Druck zu machen. Das haben wir geschafft, und nach den ersten beiden Toren sind wir ruhiger geworden. Aber egal, wie hoch wir führten. Wir haben immer versucht so zu spielen, als würde es 0:0 stehen. Das haben wir bis zum Schluss durchgezogen."

Felix Ribarik (HEC-Nesthäkchen): "Ich bin aus der Regensburger Jugend hierher gekommen, und gleich in meiner ersten Saison im Seniorenbereich so einen Erfolg mitzumachen, ist der Hammer. Unbeschreiblich. Ich hab' immer versucht, mein Zeug zu machen und bin unendlich froh, dass mir der Trainer das Vertrauen geschenkt hat."

Philipp Seelmann (HEC-Stürmer): Meine Gehirnerschütterung ist erst fünf Wochen her, aber so etwas wie heute lässt man sich nicht entgehen. Dieser Aufstieg schmeckt noch viel süßer als der vor zwei Jahren, weil wir ihn diesmal direkt, auf sportlichem Weg geschafft haben. Das ist das Größte.

Die offizielle Aufstiegsparty steigt am Samstag, 10. März, ab 16 Uhr auf dem Höchstadter Marktplatz.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren