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Tischtennis

Nach der Reform: Schlank, flexibel und modern

Nach anderthalb Jahren Planung, in denen sieben Bezirke und 63 Kreise in 16 neue Bezirke überführt wurden, startet der Spielbetrieb in geänderter Struktur.
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Die neue Tischtennis-Saison kann beginnen
Die neue Tischtennis-Saison kann beginnen
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Verändertes Freizeitverhalten, demografischer Wandel, unflexible Spielpläne, kein individueller Zuschnitt. Das sind neben der Personalnot im Ehrenamt einige der Probleme, mit denen Sportvereine, insbesondere der Mannschaftssport, konfrontiert sind.

Der bayerische Tischtennisverband (BTTV) stellt sich diesen Problemen offensiv, hat mit der im Frühjahr beschlossenen Strukturreform einen ersten großen Schritt gemacht, um den Herausforderungen besser begegnen zu können. "Auf den Spielbetrieb - vor allem in den unteren Klassen - wirkt sich die Reform aber gar nicht so sehr aus. Da wurde während des Entstehungsprozesses viel aufgebauscht oder falsch interpretiert, was die Angst vor Veränderung geschürt hat", sagt Gunther Czepera. Der Altenkunstadter ist beim BTTV Vizepräsident Sport und kann sich noch gut erinnern, wie um das Jahr 2010 herum der erste Versuch einer großen Reform scheiterte.

"Da wurden wir abgekanzelt, Mitglieder des Präsidiums persönlich angegriffen. So etwas wollten wir nicht wieder erleben. Gleichzeitig wussten wir, dass wir grundlegende Veränderungen brauchen", erzählt Czepera. Die Probleme waren unverkennbar, die Zahl der Vereine und Teams sank und sinkt weiter. Manche Spielkreise bestanden nur noch aus neun oder zehn Vereinen, in Niederbayern offenbarte die Tischtennis-Karte weiße Flecken.

"Die Unterfranken waren schon einen Schritt weiter, die hätten zur Not einen Alleingang gemacht. Aber eine tragfähige Lösung kann es nur bayernweit geben", erklärt der Funktionär. Um zu verhindern, dass die nötige Reform als "von oben übergestülptes Konstrukt" wahrgenommen wird, wurde eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der Basis, wie Kreisvorsitzenden und Fachwarten, gebildet, die die Ergebnisse direkt und ungefiltert an die Vereine weitergaben und Feedback erhielten. "Ich denke, wir haben eine praktikable Lösung mit einer schlanken Organisationsstruktur geschaffen, in der wir alle Posten besetzen konnten und alle Amtsinhaber mit viel Engagement bei der Sache sind", sagt Czepera, der den BTTV vor weiteren Herausforderungen stehen sieht.

Vierer-Teams und Schweizer System

"Wir werden uns mittelfristig auch im Herrenbereich mit der Reduktion der Mannschaftsstärke von sechs auf vier Spieler beschäftigen müssen, was auch den Vorteil hat, dass ein Team nur noch ein Auto braucht, um zum Auswärtsspiel zu kommen." Für den Einzelsportbereich sei zudem das Schweizer System interessant, das ein festes Zeitraster für Turniere vorsieht. "Früher war man als Spieler zum Teil von morgens um zehn bis abends um zehn in der Halle. Das ist nicht mehr vermittelbar. Mit dem Schweizer System weiß ich, das Turnier dauert vier Stunden, danach kann ich etwas mit der Familie unternehmen. Auf Verbandsebene testen wir das gerade."

Bezirk Oberfranken-West (zusammengesetzt aus den Alt-Kreisen Coburg, Neustadt, Lichtenfels und Bamberg)

Hartmut Müller(70, Post-SV Lichtenfels); Bezirksvorsitzender, zuvor ab 1997 Vorsitzender des Tischtennisbezirks Oberfranken: "Der Übergang war in Oberfranken kein Problem. Wir sind von der Vereins- und Mannschaftsdichte gut aufgestellt, so dass die Zusammensetzung der Ligen - vor allem in niederklassigen Bereich - im Großen und Ganzen gleich bleibt. Die 1. Kreisliga heißt künftig halt Bezirksklasse A, aber die Coburger Vereine spielen weiter gegen die Coburger, die Lichtenfelser gegen die Lichtenfelser und die Bamberger gegen die Bamberger. Im Damen- und Jugendbereich, wo es traditionell nicht so viele Mannschaften gibt und eine hohe Fluktuation herrscht, tun wir uns ohne die alten Kreisgrenzen aber leichter, Ligen zusammenzustellen. Und an Wortschöpfungen wie Landesliga Nordnordost, wie die Oberfrankenliga jetzt heißt, werden wir uns gewöhnen. Ich persönlich habe jetzt etwas weniger zu tun. Ich war als oberfränkischer Bezirksvorsitzender seit 1997 für mehr als 200 Vereine zuständig, im neuen Bezirk sind es nur noch die Hälfte."

Bezirk Oberfranken-Ost (zusammengesetzt aus den Alt-Kreisen Hof, Bayreuth, Kulmbach und Kronach)

Daniel Gessenich(44, TTC Creußen); Bezirksvorsitzender, zuvor ab 2013 Vorsitzender des Kreises Bayreuth): "Wir haben den Übergang ins neue System reibungslos geschafft. Klar, wir sind jetzt noch in der Findungsphase, denn die erste Saison ist immer die schwierigste. Hier und da werden sicher noch kleinere Probleme auftreten, doch ich bin zuversichtlich, dass alles läuft. Beschwerden aus den Vereinen kommen jedenfalls keine. Man muss den Hut ziehen vor den vielen Ehrenamtlichen, die einen riesigen Aufwand betrieben haben, um die Struktur im bayerischen Tischtennis zu ändern und viel Überzeugungsarbeit leisten mussten. Aus meiner Sicht hat sich der Aufwand gelohnt, weil wir hier in Oberfranken-Ost alle Ligen mit der Sollstärke von zehn Teams ausgestattet haben und alle Mannschaften in der Liga spielen können, in der sie wollten. Härtefälle gab es nicht - bis auf Marktleuthen, das erst dem Bezirk Oberpfalz-Nord zugeordnet worden war, aber kurzfristig noch zu uns wechseln durfte."

Bezirk Mittelfranken-Nord (116 Vereine, zusaamengesetzt aus den Alt-Kreisen Forchheim, Erlangen, Nürnberg und Hersbruck)

Martin Distler(44, DJK Eggolsheim); stellv. Bezirksvorsitzender, zuvor ab 2007 Vorsitzender des Tischtenniskreises Forchheim: "Mit 116 Vereinen haben wir den größten Tischtennisbezirk Bayerns. Die Herausforderung war, die aus Oberfranken dazustoßenden Klubs zu integrieren. Deshalb konnten wir nicht zusichern, dass sich die unteren Ligen weiter so zusammensetzen wie bisher. Einige Vereine, die sich bislang Richtung Erlangen orientierten, bekommen es jetzt vermehrt mit Teams aus dem Forchheimer Raum zu tun. Wir haben die Änderungen aber gut vermitteln können. Beim Bezirkstag hat man richtig gemerkt, wie gespannt die Vereinsvertreter darauf waren, die neue Ligeneinteilung zu sehen. Die Reform sorgt dafür, dass wir neue Leute kennenlernen, neue Erfahrungen sammeln und von der Organisation her effektiver werden. Unsere Probleme löst sie jedoch nicht. Wenn wir mehr Jugendliche für Tischtennis begeistern wollen, brachen wir gute Ideen."

Bezirk Unterfranken-Nord (92 Verein, zusammengesetzt aus den Alt-Kreisen Schweinfurt, Haßberge und Rhön-Saale)

Alfred Glos(62, TSV Gernach); Bezirksvorsitzender, zuvor ab 2011 Vorsitzender des Tischtenniskreises Schweinfurt: "In Unterfranken hatten wir eine eigene Reform vorbereitet, die etwas anders ausgesehen hätte. Deshalb stieß der erste Vorschlag des Verbands bei uns nicht auf Gegenliebe, weil der Spielkreis Schweinfurt zwischen den neuen Bezirken Unterfranken-Nord und -Süd aufgeteilt werden sollte. Die Intention dabei war, den Bezirken etwa gleich viele Vereine zuzuordnen, was zunächst nachvollziehbar ist. Der Blick auf die aktiven Spieler zeigt aber, dass sich die Zahl in den beiden neuen Bezirken etwa die Waage hält, auch wenn der Kreis Schweinfurt im Ganzen zum Norden kommt und damit dort 92 Vereine angesiedelt sind, während es im Süden nur zwischen 60 und 70 sind. Letztendlich wurde also unserem Wunsch entsprochen, deshalb sind wir durchaus zufrieden. Nur Gerolzhofen hat freiwillig entschieden, mal etwas Neues ausprobieren zu wollen und ist in den Süden gewechselt. Auch für mich persönlich ist die gefundene Lösung gut, denn mein Heimatverein, der TSV Gernach, gehört zum Kreis Schweinfurt. Wären wir zum Süden gekommen, hätte ich den Bezirksvorsitz im Norden nicht übernehmen können."



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