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Erlangen
Handball

Mit dem HC Erlangen auf dem Sofa

"Sofa" bedeutet auf isländisch "Schlaf", zum Einschlafen war der Talk mit dem HC Erlangen für die Fans aber nicht.
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Gemütliche Runde mit (von links) HC-Trainer Aðalsteinn Eyjólfsson, Nikolai Link, Stadionsprecher Axel Fischer, Michael Haaß und Geschäftsführer René Selke. Fotos: Pia Ilchmann
Gemütliche Runde mit (von links) HC-Trainer Aðalsteinn Eyjólfsson, Nikolai Link, Stadionsprecher Axel Fischer, Michael Haaß und Geschäftsführer René Selke. Fotos: Pia Ilchmann
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Eine Wohnzimmeratmosphäre sollte es werden beim ersten "Sportland-Talk" des HC Erlangen. Die wurde es: 25 Fans waren gekommen, um sich mit Nikolai Link und Michael Haaß, Geschäftsführer René Selke und Trainer Aðalsteinn Eyjólfsson zu unterhalten. Auf dem Sofa nahm auch Stadionsprecher Axel Fischer Platz, der versuchte, die HCler mit Fragen zur sportlichen Situation, aber auch zu privaten Angelegenheiten aus der Reserve zu locken.

Von Haupt- und Nebenrollen

Transparent und offen wollte sich der Verein zeigen, und das gelang vor allem bei den Spielern. Haaß, der 2017 Vater geworden ist, gab zu, dass er zu Hause eher eine Nebenrolle spiele. Im Team dagegen ist der Kapitän allgegenwertig - und das, obwohl er derzeit verletzt ist. Er darf als Einziger trotzdem mit auf der Bank sitzen. "Ich bin aber nicht der, der während des Spiels den größten Einfluss auf die Jungs hat, das ist natürlich weiterhin der Trainer", sagte Haaß beschwichtigend. Ob verletzte Spieler auch am Training teilnehmen, wollte ein Zuschauer wissen. "Wir sind die meiste Zeit dabei, vorausgesetzt, das Training kollidiert nicht mit Reha- und Arztterminen", sagte Haaß, und fügte den Grund gleich an: "Auch, weil uns das Mannschaftsleben fehlt."

Axel Fischer hakte bei Nikolai Link nach, ob er Rituale vor den Spielen pflege. "Das ist ein schwieriges Thema. Ich versuche, es mir abzugewöhnen", antwortete dieser. "Ich habe immer überlegt, was ich beim letzten Spiel getan habe, bei dem wir gewonnen haben, das wurde immer mehr zur Last." Trainer Eyjólfsson erzählte, dass er sich vor jedem Spiel rasiere: "Damit ich mich wohlfühle, aber das ist kein Aberglaube. Ich könnte auch unrasiert zum Spiel kommen."

Wohl fühlt sich der Trainer auch in seiner neuen Heimat Erlangen. Er hat sich mit seiner Familie in Möhrendorf niedergelassen. Aber egal, wo der gebürtige Isländer auch ist, "Heimat ist da, wo man sich mit seiner Familie befindet". Von den Fans gab es bei der Gesprächsrunde positives Feedback. "Ich bin heute hier, um die Spieler näher kennenzulernen", sagte Katharina Schug, HC-Erlangen-Fan seit vier Jahren. "In der Arena ist man als Fan ja doch ein wenig auf Abstand." Die Nähe zu den Spielern sei beim Sportland-Talk gelungen. "Es ist schön zu sehen, dass die Spieler es wertschätzen, wie die Fans sie unterstützen." Schug gefiel die gemütliche Runde mit 25 Unterstützern. "Wenn mehr dazukommen würden, würde vielleicht die Wohnzimmeratmosphäre verloren gehen."

Nichts zu verheimlichen

"Wir wissen, dass wir in der Öffentlichkeit stehen, und wir haben nichts zu verheimlichen", sagte HC-Geschäftsführer René Selke. "Uns ist es wichtig, einen Austausch mit den Fans zu pflegen, denn wir alle lieben diesen Sport." Auch der Trainer fand das Treffen gut: "Das war mal ein anderer Rahmen, um die Fans kennenzulernen", sagte Eyjólfsson. Hätten auch unangenehme Fragen kommen können, die der Trainer nicht beantwortet hätte? "Nein, da hätte ich kein Problem gehabt. Es waren auch nur harmlose Fragen", sagte Eyjólfsson mit einem Lächeln auf den Lippen.

Das sieht auch der zweite Kapitän Nikolai Link so: "Ich bin seit neun Jahren Handball-Profi, da gibt es keine Frage, die ich nicht beantwortet hätte. Berechtigte Kritik muss man sich als Sportler eben gefallen lassen." Und einen Trick, Negatives von sich fernzuhalten, hat er auch: "Ich lese so wenig wie möglich nach den Spielen."