Herzogenaurach
Handball

Kleinigkeiten summierten sich

Ungeachtet der Möglichkeit, als Nachrücker doch noch den Klassenerhalt in der 3. Liga feiern zu können, sind die TSH-Damen sportlich abgestiegen.
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Dem Verletzungspech geschuldet, musste die erst 20-jährige Laura Wedrich im Rückraum viel Verantwortung übernehmen. Foto: Sportfoto Zink
Dem Verletzungspech geschuldet, musste die erst 20-jährige Laura Wedrich im Rückraum viel Verantwortung übernehmen. Foto: Sportfoto Zink
Als die Handballerinnen der TS Herzogenaurach am 7. Mai 2017 in Dachau vorzeitig die Meisterschaft in der Bayernliga feierten, war dies die Krönung einer grandiosen Saison, in der das Team zwei Monate zuvor bereits in eigener Halle das "Final Four" und somit den bayerischen Pokal gewonnen hatte. Etwas mehr als ein Jahr später ist die Situation völlig anders. Lässt sich Bilanz ziehen, wenn die entscheidende Zahl fehlt? Lässt sich eine Saison bewerten, wenn Klassenerhalt oder Abstieg noch nicht final geklärt sind? Es geht.


Eines der jüngsten Teams der Liga

Obwohl den Abteilungsverantwortlichen um Christine Odemer damals klar gewesen war, dass der Verein mit dem Aufstieg in die 3. Liga sportlich und vor allem wirtschaftlich vor einer noch nie da gewesenen Herausforderung stand, entschieden sie, diesen den Akteuren und der stetig wachsenden Fangemeinde nicht vorzuenthalten. Erfolgscoach Hans-Jürgen Kästl trat nach zwei Jahren aus beruflichen Gründen zurück, Spielleiter Udo Hermannstädter fand mit Klaus Watzinger und Mirko Scholten zwei komplett verschiedene, aber gleichermaßen kompetente Nachfolger.

Gemeinsam verstärkten sie den Kader. Unter anderem kamen die in der 3. Liga erfahrene Jana Lichtscheidel sowie Lisa Neuman - eine Erlangerin, die einige Jahre in der höchsten Liga Österreichs aufgelaufen war. Dennoch war vielen klar, dass es vom ersten Anpfiff weg um den Klassenerhalt gehen wird, zumal die TSH eines der jüngsten Teams aufbot. Mit Freude am Handball und noch intensiverem Training wollten die Mittelfranken eventuellen Anpassungsschwierigkeiten begegnen.

Dies gelang teilweise: Mit 15 Punkten war die Turnerschaft erfolgreicher als die meisten Drittletzten in den zurückliegenden Spielzeiten, zur Sensation fehlten vier Punkte. Aber auch so verblüffte der Aufsteiger von der Aurach Experten und Gegner, wobei sich ein Phänomen wie ein roter Faden durch die Saison zog: Gegen vermeintlich übermächtige Rivalen überzeugte die Mannschaft nach dem Motto "da können wir nichts verlieren", darunter die Heimsiege gegen den ESV Regensburg (27:20) und den TSV Haunstetten (26:20) und das 18:18 bei der SG Bietigheim II.

Umgekehrt lief es bei den Auftritten gegen Tabellennachbarn nicht. Vor allem der TSV Kandel wird der TSH in unangenehmer Erinnerung bleiben, die beide Duelle verlor. Die 24:26-Auswärtsniederlage betrachtete Coach Watzinger später als Schlüsselpartie im Kampf um den Klassenerhalt. Andere hatten die 25:31-Pleite beim abgeschlagenen Mitaufsteiger SG OBK am 3. März als vorentscheidend ausgemacht.


Verletzungspech und Aussetzer

Zwar standen die Herzogenauracherinnen auch nach dem vermutlich schlechtesten Saisonspiel wieder auf, doch vom Rutsch auf Abstiegsplatz 10 befreiten sie sich trotz folgender, ausgezeichneter Leistungen nicht mehr. Zu oft zeigte das Team primär im letzten Saisondrittel in den entscheidenden zehn Minuten mentale Aussetzer. Zudem war ihm das Verletzungspech treu - nicht zuletzt deshalb hatte die TSH in den zwei Relegationsspielen gegen den Vertreter der Ostgruppe, den HV Chemnitz, keine echte Chance.

Rückblickend bleibt die Erkenntnis, dass der Abstieg vermeidbar war. Das scheidende Trainerteam machte über die Monate hinweg fast jede Spielerin besser. Auch defensiv zeigte sich Herzogenaurach drittligareif, kassierte 555 Gegentore - der sechstbeste Wert der zwölf Teams.

Offensiv jedoch hatte die TSH mit 524 Toren die schlechteste Ausbeute. Nachdem Lichtscheidel früh mit einem Kreuzbandriss ausgefallen war und die aus der Reserve dazustoßende Stefanie Mittasch nach wenigen Einsätzen das gleiche Schicksal ereilte, lastete die Verantwortung für Distanztreffer auf der 20-jährigen Laura Wedrich.


Die Mannschaft bleibt zusammen

Dass der Neuling in fast jeder Begegnung etliche Großchancen vergab, konnte man anfangs mit mangelnder Erfahrung erklären, nicht jedoch im letzten Saisondrittel, als es die TSH versäumte, den Sack zuzumachen. Auf die winzige Chance, als Nachrücker doch in der 3. Liga bleiben zu dürfen, wenn ein Verein zurückzieht, ist die Turnerschaft jedoch vorbereitet.

Der Kader werde fast komplett zusammenbleiben, und das, obwohl er der einzige von 78 Bundesligamannschaften ist, der ohne Unkostenerstattung auskommt. Und dies in einer der wohlhabendsten Kleinstädte der Bundesrepublik.

Sollte die Rückkehr in die Bayernliga Bestand haben, bleibt der Respekt, den sich der Aufsteiger in der 3. Liga verdient hat. In der Heimat hat sich die Mannschaft zudem eine größere Anhängerschaft erobert. Gescheitert ist die TS Herzogenaurach letztendlich an kleinen Unzulänglichkeiten, die in der Summe jedoch zu viele waren.


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