Fürth
Frauenfußball

Julia Simic ist jetzt ein Hammer

Nach 13 Jahren Bundesliga ist die gebürtige Fürtherin reif für die Insel und heuert beim Traditionsklub West Ham United in der britischen Super-League an.
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Julia Simic im Dress des SC Freiburg Foto: picture-alliance
Julia Simic im Dress des SC Freiburg Foto: picture-alliance
Nach mehr als zehn Jahren und über 150 Spielen in der Bundesliga packt Frankens Vorzeigefußballerin ihre Koffer und sucht in der englischen Super-League eine neue sportliche Herausforderung. Julia Simic schnürt in der kommenden Saison die Schuhe für das Frauenteam des Londoner Stadtteil-Klubs West Ham United, der nicht nur wegen seiner Farben (Bordeauxrot und Himmelblau) Fußball-Fans ein Begriff ist. Der 1895 gegründete Arbeitervereine feierte seinen größten Erfolg 1965 mit dem Gewinn des Europapokals der Pokalsieger (2:0 gegen 1860 München) und hatte mit Spielführer Bobby Moore und dem Wembleytor-Schützen Geoff Hurst maßgeblich Anteil am WM-Erfolg Englands 1966.


Verletzung trübt Vorfreude nicht

Unser Partnerportal anpfiff.info sprach mit Julia Simic über die neue sportliche Herausforderung bei den "Hammers" und den besonderen Flair des britischen Frauenfußballs. Die 29-Jährige wirkte beim Gespräch gelöst, entspannt und voller Vorfreude, obwohl sie sich gerade wieder einmal nach einer Knieverletzung auf Reha befindet. Die positive Nervosität auf das, was in den nächsten Monaten auf die blonde Edeltechnikerin zukommt, lässt jedoch jeden Trübsal verschwinden.

Sie hatten ganz bewusst nur für ein Jahr beim SC Freiburg unterschrieben. Wie bewerten Sie Ihre Saison im Breisgau?
Julia Simic: Nach dem verkorksten letzten halben Jahr in Wolfsburg war es gut, wieder auf die Beine zu kommen. Nach gutem Anfang hatte ich zwar mit kleineren Verletzungen zu kämpfen und bin so ein wenig aus dem Tritt gekommen. Doch zum Ende hin hatte ich wieder viele Einsätze und unter dem Strich ein richtig gutes Jahr, das fußballerisch kaum hätte besser laufen können.

Sie haben in 13 Jahren Bundesliga für die Topklubs in Deutschland gespielt. War es nun Zeit für eine Veränderung?
Mit 29 Jahren ist für mich tatsächlich der perfekte Zeitpunkt gekommen. Die Überlegungen ins Ausland zu wechseln gab es schon länger, doch da war es für mich persönlich noch nicht an der Zeit. Jetzt freue ich mich auf die neue Herausforderung.
Warum ist es England geworden?
Eigentlich wollte ich in den südeuropäischen Raum, ein anderes Klima, eine andere Kultur kennenlernen. Ich hatte Lust auf Sonne. Im Vergleich zu England sind die Ligen dort aber nicht so ausgeglichen, so dass die sportliche Herausforderung auf der Insel doch eine größere ist.

Im internationalen Vergleich machen auch vor allem die Topklubs FC Arsenal und Chelsea London auf sich aufmerksam.
In England ist vieles im Aufbruch. Ich sehe dort die Zukunft des Frauenfußballs. Als Spielerin bekommt man dort das ganze Paket aus besten Trainingsmöglichkeiten, einem riesigen Staff um das Team herum und so einfach die Gelegenheit, tagtäglich professionell zu arbeiten.

Ein Blick in die Statistik weist die West Ham United Ladies als Teams aus, das zuletzt im Mittelfeld der zweitklassigen Women Premier Southern landete...
Das ist richtig. Die Strukturen in England wurden grundlegend geändert. Die Super-League bekam eine Generalüberholung, so dass auch West Ham United künftig dort starten darf. Das Team bekommt einen nahezu komplett neuen Kader mit Spielerinnen aus ganz Europa.

Was gab für Sie letztlich den Ausschlag, gerade zu West Ham United zu wechseln?
Der Verein hat eine faszinierende Historie und eine riesige Tradition. Es ist schon cool, in solch einem großen Verein spielen zu dürfen. Trainer Matt Beard wollte mich unbedingt zum Start dieses neuen Projekts. Es ist ein gutes Gefühl, gebraucht und gewollt zu werden.

Mit welchen Erwartungen gehen Sie für sich persönlich an die neue Herausforderung heran?
Das Ausland ist für mich ein neuer Schritt. Da gilt es zunächst anzukommen und sich zurechtzufinden. Ich möchte natürlich relativ schnell Fuß fassen, bin aber selbst gespannt, was sportlich auf mich und unser von Grund auf neues Team zukommt. Die Vereinsführung strebt einen soliden Mittelfeldplatz an.

Mit "German Wirbelwind" Julia Simic auf der 10 - zumindest ist das Ihre Rückennummer...
Ja, ich wurde gefragt, welche Nummer ich haben möchte. Zuerst habe ich ein bisschen auf die 8 spekuliert, mich dann aber doch wieder für die 10 entschieden - sie steht mir eben immer noch am besten.


Zur Person

Spitzname: Sici
Alter: 29
Größe: 1,62 Meter
Geburtsort: Fürth
Wohnort: London
Beruf: Fußball-Profi
Hobbys: Hund Coco, Musik, Freunde, Shoppen, Lachen
Erfolge: U19-Europameisterin (2007), U20-WM-Bronze (2008), Supercup-Sieger (2011), DFB-Pokalsieger (2011, 2015, 2016, 2017), Deutscher Meister (2017)
Einsätze: 140 Bundesligaspiele (39 Tore), 15 DFB-Pokalspiele (5 Tore), 19 Champions-League-Spiele (6 Tore), 2 Länderspiele (A-Nationalmannschaft)


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