Großenseebach
Querläufer

Joggling oder: Nach dem Ziel ist vor dem Ziel

Wer bei Läufen in der Region startet, erlebt einiges. Jochen Brosig erzählt davon in seiner FT-Kolumne. Diesmal berichtet er vom 50. Aurachtal-Lauf.
Artikel drucken Artikel einbetten
Der Querläufer ist jetzt Joggler.  Foto: privat
Der Querläufer ist jetzt Joggler. Foto: privat
Wieder einmal Sonntag. Wieder einmal Lauftag. Die Herzogenauracher starten heute den 1. Vipa-HerzoRun. Überall sehe ich bekannte Gesichter: "Gratulation zum 100-Kilometer-Finish. Dass du schon wieder laufen kannst?" So oder so ähnlich werde ich von allen Seiten angesprochen. Ich müsste lügen, wenn ich nicht zugeben würde, dass der Weg zur Startnummernausgabe eine Wohltat für mich ist. Es ist einfach zu schön, wenn sich Freunde mit einem freuen. Philipp Lahm wurde nach dem Triple der Bayern gefragt, wie es sich anfühlt, wenn man seine Ziele erreicht hat. "Gänsehaut pur. Für die Freude, die du in dem Moment empfindest, gibt es einfach keine Worte." Aber was kommt danach? Was kommt nach dem großen Ziel? Ob Triple oder 100-km-Bestzeit, es muss ein "Danach" geben. Der Querläufer hat noch die Worte seines Freundes Roland im Ohr: "Was machst du eigentlich, wenn du den 100er gelaufen bist?"

Der Querläufer kann euch ein paar Tipps für das drohende Motivationsloch nach der Zielerreichung geben. Deshalb bin ich heute in Herzogenaurach. Es muss unbedingt ein "Danach" geben. Doch eine Frage steht in Großbuchstaben im Raum: Soll ich einfach aufhören? Diese Überlegung kann erschreckend und verwirrend sein. Du hast die ganze Zeit so hart für dein Ziel gekämpft und je näher du ihm kommst, desto drängender wird die Frage, wie es danach weitergeht. Ab einem gewissen Punkt wird mir klar, dass es eigentlich gar kein "Danach" gibt. Was jetzt?

Ein neues Ziel muss her. "Was hast du denn da in deinem Gürtel?", werde ich gefragt. Für mich ist des Rätsels Lösung Jonglierbälle. Ja, der bekannte Joggler Peter Meyer hat mich zum Joggling gebracht. Joggling ist jonglieren während des Joggens. Ein Jahr habe ich geübt und heute ist der erste Test. Mein Plan sieht wie folgt aus: Joggling im Intervall. Erst ein Kilometer Joggling, dann ein Kilometer normales Laufen im Wechsel. Alles klar? Aufgeben ist keine Option. Niemals. Irgendwo ist da ein Gefühl eines unendlich langen Weges. Dann heißt es, den Weg in kleinere Etappen aufteilen und weiter geht es. Also keine Panik, denn dieses Ziel war erst der Anfang einer Reise. Mein Tipp: Wenn du dein Ziel erreichst, setz dir das nächste.
Um niemanden zu behindern, starte ich von ganz hinten. Auf der Tartanbahn lässt es sich noch leicht an, im Wald wird es schon schwieriger, aber schon bald habe ich die erste Runde hinter mir. Erfolge und Fortschritte müssen unbedingt belohnt werden. Darum hat sich der Querläufer einen riesigen Eisbecher gleich nach dem Zieleinlauf versprochen. Liebe Freunde der Laufkunst, probiert es einfach aus. Euer innerer Schweinehund ist bestechlich.

Natürlich bin ich total langsam. Bei Kilometer 9 kommen mir meine Kemmerner Freunde Carmen und Klaus beim Auslaufen entgegen. Die beiden feuern mich an. Die 100 Kilometer sind auch hier das Thema. Und das ist auch gut so. Ein weiterer Tipp: Haltet die Erinnerungen an eure vergangenen Erfolge immer wach. Dafür habe ich immer das passende Foto parat. So vergesse ich nie, dass sich letztendlich alles auszahlt. Und jeder Blick auf das Foto spornt mich zu neuen Taten an. Aber Abwechslung muss sein. Nur keine Routine aufkommen lassen.

Einmal noch ums Sportheim, dann bin ich auf der Zielgeraden. Wunderbar, es hat geklappt. Alles Gute zum Fünfzigsten und Good bye, Aurachtallauf. Viel Erfolg und weiter so, HerzoRun!

Run happy and smile!
Euer Querläufer
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren