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Leichtathletik

Höchstadt: Martin Grau knackt Norm auf Anhieb

Gleich im ersten Wettkampf der Saison schaffte der LSCler über 3000 Meter Hindernis die Qualifikation für die Europameisterschaft in Berlin.
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Martin Grau blieb dem Feld auf den Fersen, sammelte auf dem letzten Kilometer noch einige Konkurrenten ein und schaffte mit dem Wimpernschlag von zwölf Hundertstelsekunden die erhoffte EM-Norm. Fotos: privat
Martin Grau blieb dem Feld auf den Fersen, sammelte auf dem letzten Kilometer noch einige Konkurrenten ein und schaffte mit dem Wimpernschlag von zwölf Hundertstelsekunden die erhoffte EM-Norm. Fotos: privat
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Besser hätte das Pfingstwochenende für die Top-Läufer des LSC Höchstadt aus sportlicher Sicht nicht sein können. In einem bis zur Ziellinie spannenden Rennen über 3000 Meter Hindernis unterbot Martin Grau beim Meeting in Rehlingen die Norm von 8:34 Minuten für die Europameisterschaften, die Anfang August in Berlin ausgetragen werden. Niklas Buchholz unterbot in Karlsruhe über die gleiche Strecke das erste Mal die Neun-Minuten-Marke.

Sichtlich nervös wirkte Martin Grau vor seinem ersten Saisonrennen. Die vergangenen Trainingsmonate waren fast perfekt verlaufen, die Ausdauerwerte so gut wie nie gewesen. Aber Hindernisrennen haben eigene Gesetze, und auch der Biengartener braucht meist zwei bis drei Wettkämpfe, um den richtigen Rhythmus zu finden. Das Feld beim Internationalen Pfingstsportmeeting in Rehlingen war perfekt aufgestellt, hauptsächlich afrikanische Läufer sollten für eine Siegeszeit von rund 8:26 Minuten sorgen.


Die Sekunden verrinnen

Graus Aufgabe bestand darin, dem Feld so lange wie möglich zu folgen. Auf dem ersten Kilometer lag er im Soll, die Überquerung der Hindernisse gelang technisch jedoch nicht ganz sauber. Oft musste er nach jedem Balken wieder ans Feld heranlaufen. Kilometer 2 wurde in rund 2:52 Minuten absolviert, so dass der Höchstadter die letzten 1000 Meter noch zwei Sekunden schneller absolvieren musste, um die EM-Norm nicht zu gefährden.

Bis zum letzten Wassergraben sammelte Grau schwächere Läufer ein, doch auf der Zielgeraden verrannen die Sekunden. Mit vorgebeugtem Oberkörper warf sich Grau durch die Lichtschranke, dann begannen fünf Minuten bangen Wartens. Dann wurde die offizielle Zeit vorgelegt. Grau hatte die geforderte Norm um zwölf Hundertstelsekunden unterboten (8:33,88) - sein Jubelschrei war im ganzen Stadion zu hören.

"Genauso wollte ich rennen, etwa 2:50 Minuten für den ersten Kilometer. Hinten raus war es aber schon hart", verriet der 26-Jährige, der vor seiner EM-Teilnahme noch deutscher Meister werden will. In Vorbereitung darauf wird er auch in Dessau starten. "Dort werden wir dann mit allen anderen Deutschen probieren, noch etwas schneller zu sein."


Mit angezogener Handbremse

Einen Tag zuvor starteten sieben Top-Team-Läufer bei der Langen Laufnacht in Karlsruhe, mit über 600 Läufern das größte Bahnläufer-Event Deutschlands. Den Anfang machten die Mittelstreckler: Martin Weinländer blieb über 800 Meter knapp über seiner Zeit von Regensburg (1:57,09). Florian Lang versuchte sich an 1500 Meter und schaffte mit 4:01,17 Minuten eine persönliche Bestzeit, die sogar unter vier Minuten gefallen wäre, wenn er etwas mutige begonnen hätte. Niklas Bühner begann auch zu verhalten, 3:56,59 Minuten spiegeln nicht sein Leistungsvermögen wider.

Gleich vier Höchstadter starteten über 3000 Meter Hindernis: Theo Schell lief nach überstandenem Abitur-Stress das erste Mal über diese Distanz und peilte die Norm für die U23-DM an (9:35 Minuten). Auf dem letzten Kilometer bekam er die Härte des Rennens zu spüren, zahlte mit 9:49 Minuten Lehrgeld. In zwei Wochen wird er den nächsten Versuch wagen.

Bernhard Weinländer hatte drei Jahre lang kein Hindernisrennen absolviert, Trainer Markus Mönius wollte wissen, was zu Saisonbeginn möglich ist. Auf den ersten zwei Kilometern sah es auch gut aus, dann aber verließen Weinländer die Kräfte. Platz 8 mit 9:33,39 Minuten waren für den Einstieg gut, in den kommenden Rennen wird sich Weinländer mit Sicherheit steigern.

Nach den Trainingseindrücken liebäugelte Trainer Mönius bei Brian Weisheit mit der Norm für die DM in Nürnberg (9:08 Minuten). Doch der Augsburger fand seinen Rhythmus nicht, brauchte für den letzten Kilometer zu viel Zeit. Mit 9:23,98 Minuten lag er knapp über seiner Bestmarke aus dem Jahr 2017. Große Hoffnung auf einen der vorderen Plätze machte sich Niklas Buchholz. In seinem ersten Männerjahr folgte er den Tempomachern auf den ersten 2000 Metern problemlos und übernahm dann die Führung. Unangefochten und ohne ans Limit zu gehen, siegte er in 8:57,76 Minuten. Damit ist der Hemhofener aktuell der schnellste Europäer seines Jahrgang. Sein Fokus liegt voll auf den anstehenden deutschen Meisterschaften der U23 und Männer.
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