Herzogenaurach
Leichtathletik

Herzogenaurach und Mosambik: Zwei Herzen in einer Brust

Zum vierten Mal ist Peter Müller nach Mosambik gereist, um dort einen Trainerkurs abzuhalten. Überraschend war für ihn die Tatsache, wie viel von seinen früheren Besuchen weitergegeben wurde.
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Die Verabschiedung von den Leichtathletik-Trainern - hier ein Bild von der Abschlusszeremonie - war sehr herzlich, fiel Peter Müller (zweite Reihe, Zweiter von rechts) aber auch sehr schwer. Foto: privat
Die Verabschiedung von den Leichtathletik-Trainern - hier ein Bild von der Abschlusszeremonie - war sehr herzlich, fiel Peter Müller (zweite Reihe, Zweiter von rechts) aber auch sehr schwer. Foto: privat
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In der Brust von Peter Müller schlagen zwei Herzen. Das eine für seine Leichtathleten bei der Turnerschaft Herzogenaurach, bei der er seit 30 Jahren hauptberuflicher Trainer ist. Das andere für das Land Mosambik und seine Bewohner. "Mein Herz hängt an diesem Land, nicht nur wegen der Leichtathletik. Die Menschen sind so herzlich und ehrlich, auch untereinander", sagt der 58-Jährige.

Zum vierten Mal war Müller bereits in Maputo, der Hauptstadt von Mosambik, um dort Leichtathletik-Trainer auszubilden. In den Jahren 2006 und 2008 lief das Projekt über den Bayerischen Leichtathletik-Verband (BLV), 2017 und dieses Jahr wurde er vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) nach Afrika geschickt. "Ich war sehr überrascht, wie viel sich seit meinen letzten Besuchen getan hat", sagt Müller. Vor allem bei der Mentalität hat der Diplomsportlehrer Veränderungen ausgemacht: "2006 hat keiner von sich aus etwas gemacht, ich musste alles anleiten. Die Einstellung war: Uns geht es so schlecht. Jetzt heißt es: Uns geht es immer noch schlecht, aber wir haben die Möglichkeiten, etwas zu verändern."

Alle bestehen den Test

In drei Wochen brachte er den 25 Kurs-Teilnehmern, die Lehrer, Uni-Dozenten oder Sportstudenten und zwischen 17 und 55 Jahre alt sind, Theorie und Praxis auf C-Trainer-Niveau bei. "Am Ende wurde eine Prüfung geschrieben, bei der ich den Teilnehmern nichts geschenkt habe. Alle waren sehr engagiert", sagt Müller. Stolz ist er vor allem darauf, dass keiner durchgefallen ist, und das, obwohl Müller nur ein paar Brocken portugiesisch - die Landessprache in Mosambik - spricht. Er unterrichtet auf Englisch. Müller wurde von zwei Dolmetschern unterstützt.

Diesmal gab es keine Verständigungsschwierigkeiten, anders als im Jahr 2006. "Damals kamen zu meinem Kurs Trainer aus jeder Provinz des Landes. Ein Teilnehmer schrieb bei der Theorie nie etwas mit, hat aber immer gegrinst. Es stellte sich heraus, dass er gar kein Portugiesisch konnte und den Dolmetscher nicht verstanden hatte", erzählt Müller und lacht. Obwohl der Aufenthalt in Mosambik für den 58-Jährigen keine Vergnügungsreise ist, fühlt er sich - anders als in Herzogenaurach - nach Feierabend nicht erschöpft. "In Afrika habe ich auch das Gefühl, dass alles weitergetragen wird, was ich bei meinen vorherigen Aufenthalten vor Ort gesagt habe."

Selbstvertrauen durch Sport

Obwohl die Wirtschaft zwischen 1992 und 2015 insgesamt deutlich gewachsen ist, gehört Mosambik zu den ärmsten Ländern der Welt. Wenn Katastrophen wie der Zyklon "Idai", der im März 2019 Zerstörung über das Land brachte, über Mosambik hereinbrechen, brauchen die Menschen Hilfe beim Wiederaufbau und bei der Seuchenprävention. "Die Menschen dort schauen nach vorne, jammern hilft ja nichts", sagt Peter Müller. "Sie packen an, im Rahmen ihrer Möglichkeiten." Er wird oft gefragt, was er mit einer Trainer-Ausbildung in Mosambik bewirken will. Das stößt Müller auf: "Was die Menschen dort brauchen, ist Selbstvertrauen - Sport bietet ihnen die Möglichkeit, sich der Welt zu präsentieren." Durch seinen Trainerlehrgang lernen die Teilnehmer, diszipliniert und konzentriert etwas durchzuziehen. "Das wiederholt sich später im Berufsleben." Außerdem sehen die Menschen dort den Sport als Möglichkeit, aus der Armut herauszukommen.

Von Maputo nach Herzogenaurach

Einer, der dies vorübergehend geschafft hat, ist Creve Armando Machava. Der 23-jährige 400-Meter-Hürdenläufer aus Maputo hat ein IOC-Stipendium bekommen und kam im September 2018 nach Herzogenaurach. "Creve soll auf die Olympischen Spiele 2020 vorbereitet werden", sagt Müller. "Wenn die Leistungen, die er hier zeigt, passen, läuft das Stipendium bis 2020."

Und bisher sieht es so aus, wie Müller stolz erzählt: "Er hat auf Anhieb die Qualifikation für die African Games geschafft, das hätte ich nicht gedacht." Diese finden vom 16. bis zum 30. August in Rabat in Marokko statt. Im Moment läuft Machava in Deutschland noch außer Konkurrenz. Erst wenn er ein Jahr hier ist, wird er in die Wertung aufgenommen. "Ausnahme ist Mittelfranken, da wird er komischerweise bei der Bezirksmeisterschaft gewertet", sagt Müller. "Ich habe Creve 2017 kennengelernt. Sein Trainer hat bei mir 2006 und 2008 die Ausbildung gemacht. So schließt sich der Kreis."

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