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Eishockey

HEC-Coach Sekera: "Wichtig, dass jeder zufrieden ist"

Die vergangene Oberliga-Saison des Höchstadter EC begann vielversprechend und endete ernüchternd. Für Trainer Martin Ekrt war schon während der Saison Schluss. Sein Nachfolger ist Martin Sekera.
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Martin Sekera ist neuer Trainer der Höchstadter Alligators. Foto: Jann Weckel
Martin Sekera ist neuer Trainer der Höchstadter Alligators. Foto: Jann Weckel

Eishockey ist kein Sport für Selbstdarsteller. Schwarze Basecap, Jeansjacke, weißes T-Shirt: Martin Sekera mag es unauffällig. Der neue Trainer der Höchstadt Alligators sitzt auf einem Hocker und beantwortet geduldig die Fragen der Presse. Mit verschränkten Armen zwar, aber ausführlich und humorvoll.

Der 47-jährige gebürtige Tscheche steht in Höchstadt vor seiner erst zweiten Station als Trainer im Herrenbereich. Sein Debüt beim ERC Sonthofen i der abgelaufenen Saison verlief schwierig: Nur zehn mal in 50 Spielen ging seine Mannschaft als Sieger vom Eis. Mitten in der Planung für die Saison hatte Sonthofens Coach Heiko Vogler hingeschmissen, Sekera übernahm. An der Zusammenstellung des Teams war er quasi nicht beteiligt.

Das ist in Höchstadt nun anders. Doch Realismus ist angebracht: "Alle wollen am besten 28-jährige Topleute. Die kriegt man aber in der Oberliga nicht, weil die in der zweiten Liga oder der DEL spielen." Eine Mischung aus Routiniers und Nachwuchs sei der Weg. "Jede Mannschaft braucht ein paar erfahrene Leute. Aber man braucht auch junge Spieler, die sich zeigen wollen. Es ist ganz wichtig, dass jeder Spieler seine Rolle findet und damit zufrieden ist", sagt Sekera.

Wer steht im Tor?

Eine Baustelle im Kader ist beispielsweise die Position des Torhüters: Philipp Schnierstein und Carsten Metz sind weg, der Vertrag mit Nico Henseleit ist noch nicht verlängert. Die Suche nach dem richtigen Personal gestaltet sich in dieser Saison besonders schwierig: Anstehende Nachzahlungen an das Finanzamt belasten den Verein, das Budget muss kleiner ausfallen.

Auch aus diesem Grund suchen die Verantwortlichen des Vereins nach Möglichkeiten, junge Förderlizenzspieler aus den höheren Ligen in den Kader einzubinden. Das verschafft dem Nachwuchs Spielzeit, die in DEL oder DEL2 wohl Mangelware wäre, und kostet die Alligators gleichzeitig weniger Gehalt. Eine Spur führt zu den Ice Tigers Nürnberg, eine andere nach Ingolstadt. Fix ist aber noch nichts. "Ich kenne die Situation ja aus Sonthofen, da war auch ein Geld da", sagt Sekera und lacht. In der vergangenen Saison hatte er dort junge Spieler des Zweitligisten ESV Kaufbeuren zur Verfügung: "Es ist doch besser, wenn ein Junge in der Oberliga spielt, als in der zweiten Liga hockt." Nachwuchs-Trainer in Kaufbeuren ist der Ex-Höchstadter Daniel Jun, der auch den Kontakt zwischen Verein und Neu-Coach Sekera herstellte.

Der möchte gerne länger in Höchstadt bleiben. "Ich war auch als Spieler niemand, der jedes Jahr eine andere Mannschaft hatte." Dass es im Trainergeschäft schnell gehen kann, ist ihm bewusst. Sein Vorgänger Martin Ekrt ist gleichzeitig sein Nachfolger als Trainer in Sonthofen: "Komischerweise haben wir jetzt die Positionen getauscht. So ist das Leben." Sein Vertrag beim HEC läuft vorerst für ein Jahr. "Aber nach einem Jahr ist es bei einem Coach schwierig zu sagen: War das gut oder schlecht?" Ein Trainer brauche Zeit, um seine Vision umzusetzen. Auch eine gewisse Konstanz im Kader sei wichtig: "Wenn du jedes Jahr nur zwei, drei Spieler auswechseln musst, dann ist das viel einfacher, als wenn jedes Jahr die halbe Mannschaft wechselt." Ein konkretes Ziel für die kommende Spielzeit zu nennen, vermeidet er.

Jetzt geht es für Sekera erst einmal darum, in Höchstadt anzukommen. Im Juli startet das Sommertraining, aufs Eis geht es wohl erstmals im September. Allerdings nicht in Höchstadt. Die Alligators werden wieder nach Haßfurt oder Bad Kissingen ausweichen müssen, je nach Verfügbarkeit. Die Wohnungssuche für sich und seine Familie (zwei Kinder) läuft aber bereits auf Hochtouren: "Ich gehe heute noch schauen", sagt er und lacht.

Aktuell wohnt Sekera noch in Lindau, dem Ort seiner letzten Station als Spieler. 1995 hatte er den Schritt nach Deutschland (GEC Nordhorn) gewagt, nachdem ihm der Sport quasi in die Wiege gelegt worden war: "Ich komme aus einer eishockeyverrückten Familie. Ich wollte von klein auf nur Eishockeyspieler sein. Das war für mich ein Traum." Nach einer schweren Halswirbelverletzung war es 2016 vorbei mit der aktiven Karriere. Erfahrung als Trainer hatte er da schon nebenbei als Spieler- oder Jugendtrainer gesammelt. "Ich wollte beim Eishockey bleiben und habe deswegen die Trainerkarriere gestartet."

Kein Co-Trainer

Die Frage nach seinem bevorzugten Spielsystem treibt ihm ein Lächeln ins Gesicht: "Man darf nicht vergessen: Wir spielen Oberliga. Wir können jedes System dieser Welt spielen, aber wenn die Spieler nicht in der Lage sind, das zu schaffen und das nicht wollen, klappt es sowieso nicht." Seine grundlegende Devise: "Hinten muss ein System dahinter sein. Offensiv brauchen gerade die Erfahrenen kein System." Er sei auch kein Freund davon, die eigene Spielweise immer an den Gegner anzupassen. Auf der Suche nach dem richtigen Spielstil höre es sich stattdessen gerne die Meinungen der Spieler an.

Die Entscheidungsgewalt liegt dennoch bei ihm - und zwar nur bei ihm. In Höchstadt wird Sekera alleine an der Bande stehen. Bei der Frage nach einem Co-Trainer muss er schmunzeln: "Ich bin schon froh, wenn wir 20 Spieler haben."

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