Herzogenaurach
Handball

Euphorie, Einsatz, Erleichterung

Nach dem überraschenden Sieg gegen Regensburg fällt eine große Last von den TSH-Frauen, die zuletzt an verschiedenen Problemen zu knabbern hatten.
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Nach einem überragenden Auftritt und zehn Toren holt sich Laura Wedrich (r.) die Glückwünsche der verletzten Leistungsträgerin Jana Lichtscheidel ab. Fotos: Sportfoto Zink
Nach einem überragenden Auftritt und zehn Toren holt sich Laura Wedrich (r.) die Glückwünsche der verletzten Leistungsträgerin Jana Lichtscheidel ab. Fotos: Sportfoto Zink
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Die vielen Verletzten, die Niederlage beim Tabellenvorletzten in der vergangenen Woche. Dinge, an denen die Handballerinnen der TS Herzogenaurach derzeit zu knabbern haben. Am Sonntagnachmittag waren sie wie weggewischt. Der Aufsteiger setzte ein Zeichen, lieferte vor 400 Zuschauern ein denkwürdiges Spiel, überzeugte mit Einsatz, Moral sowie spielerischer Klasse ab und bezwang den favorisierten ESV Regensburg im Bayernderby der 3. Liga Süd überraschend deutlich mit sieben Toren Unterschied. "Wir haben den Kopf ausgeschaltet und einfach Handball gespielt. Als Team haben wir eine großartige Leistung abgeliefert, die den Ausschlag gegeben hat", sagte Torfrau Martina Ebersberger hinterher. Mit solchen Auftritten sollte die TSH in der Lage sein, die Klasse aus eigener Kraft zu halten.


TS Herzogenaurach - ESV Regensburg 27:20

Die Gäste waren von der Dominanz des Hinspiels weit entfernt, obwohl sie selbstsicher starteten und bis Mitte der ersten Halbzeit stets mit zwei, drei Treffern in Führung lagen (5:8). Die Mannschaft um Nationalspielerin Franzi Peter wirkte abgeklärter, und es schien so, als könne man bei Bedarf jederzeit einen Zahn zulegen. Allerdings erwiesen sich die personell so arg gebeutelten Gastgeberinnen als äußerst unangenehmer Widersacher, der sich in den Gegner "verbiss" und es mit vereinten Kräften schaffte, auch offensiv auf Augenhöhe zu bleiben.

Die TSH kam vielfach durch energische Einzelaktionen zu Zählbarem und brachte Regensburg mit aufopferungsvoller Abwehrarbeit - Kristin Lang, Lisa Neumann, und Steffi Mittasch rührten im Innenblock Beton an - langsam aus dem Rhythmus. Dass zudem Ebersberger im Tor über sich hinauswuchs, tolle Reaktionen und Glanztaten zeigte, sorgte dafür, dass Herzogenaurach zur Pause wieder ebenbürtig war (11:11).

Gestützt auf Ebersberger, die dann auch wieder einige ihrer punktgenauen Pässe über 30 Meter auspackte, steigerten sich ihre Vorderleute in der zweiten Halbzeit kontinuierlich. Sie zeigten nicht nur erfolgreiche Ballpassagen, sondern nutzten auch die Wurfgewalt der jungen Laura Wedrich, die an diesem Tag überragende Feldspielerin. Dies um so mehr, als dass sie schon früh die zweite Zeitstrafe (12.) kassierte und fortan in der eigenen Abwehr kaum noch eingesetzt werden konnte: Weitere zwei Strafminuten hätten eine Rote Karte bedeutet.

Bis zur 40. Minute hielt der ESV dagegen (16:16), danach jedoch schaffte die TSH eine vorentscheidende 21:16-Führung. Im Gefühl des sich anbahnende Sieges zweifelten die Herzogenauracherinnen diesmal nicht an der eigenen Courage, sondern wurden von den Zuschauern und einer tollen Euphorie getragen. In einer zwar kampfbetonten, aber trotz vieler Zeitstrafen weitgehend fairen Partie hatte die TSH in Sachen Konsequenz, personeller Ausgeglichenheit und Torhüter deutliche Vorteile.

Auffallend war, dass die sonst auffällige Spielmacherin der Regensburger, Natascha Weber, nicht zur Entfaltung kam. Saskia Probst füllte die eher ungewohnte Position im rechten Rückraum bestens aus und strahlte gemeinsam mit ihren Nebenleuten im Eins-gegen-eins unermüdlich Gefahr aus. Lisa Neumann und Laila Schneidereit stürzten sich in die Zweikämpfe, und selbst die nach einem Jahr reaktivierte Lena Mergner trug ihren Teil zur Sicherung des Erfolges bei.

Einziges Manko war, dass die TSH aus sieben Überzahlsituationen nur einen Treffer generieren konnte. Außerdem bleibt zu hoffen, dass nun nicht auch noch Sarah Stephan ausfällt, die sich kurz vor Schluss bei einem Zusammenprall verletzte.

"Das wurde heute auch im Kopf entschieden. Besonders erfreut bin ich über die geschlossene Mannschaftsleistung. Warum wir diese aber primär nur gegen an sich favorisierte Gegner abrufen können, müssen wir noch ergründen", erklärte Herzogenaurachs Trainer Mirko Scholten hinterher.

TSH: Ebersberger, Gerling - Stephan (5), Wedrich (10/4), Mittasch (1), Probst (4/1), Schneidereit, Mergner, Lang (1), Merz, Küffner (2), Theobald, Neumann (4)
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