Röttenbach
Laufsport

Der Querläufer genießt auf dem Main-Radweg den Augenblick

Jochen Brosig vom FSV Großenseebach läuft die rund 600 Kilometer des Main-Radwegs ab: von der Quelle im Fichtelgebirge bis zur Rhein-Mündung bei Mainz.
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Viel Schauwert bietet eine Ausflugsfahrt auf dem Main, auch auf den 30 Kilometern zwischen Haßfurt und Schweinfurt. Dieses Schiff hat aber noch keine Touristen an Bord. Fotos: privat
Viel Schauwert bietet eine Ausflugsfahrt auf dem Main, auch auf den 30 Kilometern zwischen Haßfurt und Schweinfurt. Dieses Schiff hat aber noch keine Touristen an Bord. Fotos: privat
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Der Querläufer trifft sich regelmäßig mit Sportlern der Region auf deren Lieblingslaufrunde. Diesmal bewegt sich Jochen Brosig abseits von jeglichem Wettkampfstress auf dem 600 Kilometer langen Main-Radweg. Zum Auftakt lief der Röttenbacher von der Weißmainquelle nach Kulmbach und weiter vom Mainzusammenfluss über Bayreuth zur Rotmainquelle bei Creußen. Inzwischen ist er nach Unterfranken vorgedrungen, immer in Begleitung von netten Menschen. Auf der etwa 30 Kilometer langen Etappe von Haßfurt nach Schweinfurt begleitet ihn der Kulturreferent des Landkreises Forchheim, Anton Eckert.

Am Bahnhof in Haßfurt startet die Wanderung nach Schweinfurt - die Geburtsstadt von Friedrich Rückert, über den der Querläufer im Laufe der Tour noch einiges erfahren wird. Was für ein Glück, wenn man mit einem Kulturreferenten unterwegs ist. Gleich zu Beginn führt der Weg an einem der bedeutendsten gotischen Bauwerke Unterfrankens vorbei. Die Ritterkapelle in Haßfurt ist als älteste Wallfahrtskirche im Bistum Würzburg mit etwa 250 mittelalterlichen Wappenschildern versehen. Darunter das Wappen "derer von Streitberg", das die beiden nach langem Suchen dann auch finden.

Querläufer:Herr Eckert, Sie sind Wanderer, Läufer und nicht zuletzt Fischer. Was treibt Sie hinaus in die Natur?

Toni Eckert: Ich sitze über die Hälfte meines Lebens im Büro. Die Betätigung in der Natur ist für mich Ausgleich und optimale Regeneration. Gerade das Fliegenfischen: naturbezogen, technisch anspruchsvoll mit der Voraussetzung intensiver gewässerbiologischer Kenntnisse. Es ist schon sehr besonders zu erfahren, wie intelligent Fische sein können.

Durch das Obere Tor gelangen die Wanderer auf den Marktplatz. Dort zeigt der Wegweiser "Schweinfurt 23/Obertheres 5" die Richtung an. Das Rathaus samt Haßfurter Stadtwappen zur linken geht es weiter durch das Untere Tor, vorbei am westlichen Radler-Infopunkt flussabwärts. Auf dem Weg nach Theres berichtet Eckert, dass es sich bei Wappen und Name von Haßfurt um ein "falsch redendes Wappen" handelt. Der Name Hass... ist auf "Hasufurt" gleich Nebelfurt, im 13. Jahrhundert Hasefurt, zurückzuführen. Das passt dann wieder ideal zum Wetter. Grau und wolkenverhangen der Himmel, über dem Maintal liegen Nebelschwaden.

Was verbindet Sie mit dem Laufen?

Ich bin schon während meiner Studienzeit viel gelaufen. Nach einer Pause bin ich vor 20 Jahren zur Gesundheitsprophylaxe wieder eingestiegen. Hier erinnere ich mich gerne an viele lange Trainingsläufe mit guten Kumpels.

Die Pfarrkirche St. Kilian in Theres lädt zu einem Abstecher ein. Balthasar Esterbauer, Hofbildhauer zu Würzburg, fertigte dafür vier Holzfiguren an. Die vier Heiligen - Stephanus, Benedikt, Vitus und Katharina - säumen den Altar. Über Ottendorf, Gödheim und Forst führt der Main-Radweg recht unspektakulär nach Schonungen. Der Himmel immer noch wolkenbedeckt. Es wird jedoch nie langweilig. Der Querläufer erfährt viel über Friedrich Rückert, der seit einem Italien-Aufenthalt mit dem Zeichner und Kupferstecher Carl Barth befreundet war. Die Redensart "Mein lieber Freund und Kupferstecher" ist auf das Verhältnis zwischen Zeichner und Stecher zurückzuführen.

Was war Ihre längste Wanderung?

Meine längste Wanderung waren die 750 Kilometer auf dem spanischen Jakobsweg. Die spanische Kulturgeschichte, der Austausch mit Pilgern aus aller Herren Länder und nicht zuletzt die Vorzüge der spanischen Gastronomie haben mich tief beeindruckt.

Am Sportplatz in Gädheim erwartet das Wander-Duo überraschenderweise eine Verpflegungsstation. Die Spielermütter der Jugendmannschaft reichen Kaffee und Kuchen. In Schonungen beschließen Eckert und Brosig, auf eine Einkehr zu verzichten. Sie wollen bis zum Ende durchziehen. Vorbei am Kreuz zur Erinnerung an das Martyrium des Liborius Wagner von 1631 kommen sie Schweinfurt immer näher.

Sie sind Organisator des Fränkische-Schweiz-Marathons. Was sind Ihre Beweggründe?

Wir müssen unsere Region entwickeln, sie zukunftsgerichtet präsentieren und mit Leben versehen.

Wie kam es überhaupt zum FSM? Der damalige Forchheimer Landrat Reinhardt Glauber hat den autofreien Sonntag eingeführt und mich nach einer Idee dazu gefragt. Zusammen mit Rainer Kestler und einigen anderen Läufern haben wir diese Idee in die Tat umgesetzt.

Immer weiter den Main entlang. Rechts erhebt sich Schloss Mainberg. Vorgängeranlagen gehen auf das 10. Jahrhundert zurück. Schloss Mainberg war im 14. Jahrhundert im Besitz des hochdeutschen Geschlechts der Grafen Henneberg-Schleusingen. Nach dem Bauernkrieg ging es an den Bischof von Würzburg. Medien berichteten in den vergangenen Jahren immer wieder über den besorgniserregenden Zustand des Schlosses. Anscheinend steht es derzeit zum Verkauf.

2019 feiert der Fränkische- Schweiz-Marathon sein 20-jähriges Bestehen. Welche Neuheiten sind zu erwarten?

Hier will ich noch nicht zu viel verraten. Auf jeden Fall wird es einige Überraschungen geben. Zusätzlich wird über eine Modifizierung der Strecke nachgedacht.

Mittlerweile sind die Wanderer auf dem Friedrich-Rückert-Weg. Bisher kannte der Querläufer nur die gleichnamige Schule. Heute hat er einiges über Frankens großen Intellektuellen gelernt. Er warb in extrem schwierigen Zeiten mit friedlichen Mitteln für ein geeintes Vaterland. Wirkte im Interesse der Menschen, war Schriftsteller und Sprachwissenschaftler. Dem vermutlich bedeutendsten Sohn der Stadt Schweinfurt ist der Wegabschnitt gewidmet, auf dem Eckert und Brosig gerade unterwegs sind. Ein besonderes Erlebnis.

Auf der Reise von der Weißmainquelle zur Mündung in den Rhein ist der Querläufer jetzt also in der Geburtsstadt von Friedrich Rückert angekommen. Es gibt noch viel auf dem Weg entlang des Mains zu entdecken, wie die Mainschleife bei Volkach. Immer das Friedrich-Rückert-Zitat im Ohr: "Frage nicht, was das Geschick morgen will beschließen, unser ist der Augenblick, laß uns den genießen."

Liebe Leser, im neuen Jahr geht es dann weiter auf dem Main-Radweg. Ich wünsche Ihnen eine schöne Adventszeit und besinnliche Feiertage, verbunden mit einem gesunden Jahr 2019. Run happy and smile!

Ihr Querläufer

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