Großenseebach
Querläufer (179)

Der Drehwurm beim Spindellauf

Wer bei Läufen in der Region startet, erlebt einiges. Jochen Brosig erzählt davon in seiner FT-Kolumne. Diesmal: ein Halbmarathon im Parkhaus.
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Ein Halbmarathon in einem Parkhaus? Nichts ist unmöglich. Querläufer Jochen Brosig und Leon Terentiev stellten sich in Regensburg dieser ungewöhnlichen Herausforderung. Ein gewisses Schwindelgefühl bleibt da nicht aus.privat
Ein Halbmarathon in einem Parkhaus? Nichts ist unmöglich. Querläufer Jochen Brosig und Leon Terentiev stellten sich in Regensburg dieser ungewöhnlichen Herausforderung. Ein gewisses Schwindelgefühl bleibt da nicht aus.privat
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Das Smartphone geht an. Mein Klingelton "Chariots of fire", die Hymne der Sieger, weil die Melodie so motivierend ist. Laufpartner Leon ist dran. Er erzählt mir davon, dass Abwechslung Spaß macht. Sie ist wichtig, um bei Laune zu bleiben. Das gilt auch für Läufer, meint Leon. Wer immer dieselbe Strecke, zur gleichen Zeit, im gleichen Tempo läuft, wird irgendwann die Lust daran verlieren. Da ist er beim Querläufer an der richtigen Adresse. Ich liebe Abwechslung.

Immer auf der Suche nach Neuem. Da wäre die Strecke. Ich laufe unter Tage oder in den Bergen, ob beim Knastmarathon hinter verschlossenen Türen oder beim Fränkische-Schweiz-Marathon durchs wunderschöne Wiesenttal. Die Streckenlänge ist nebensächlich. Von der Erlanger Bahnserie beim 400-Meter-Lauf bis zum 100-Kilometer-Lauf in Leipzig ist der Querläufer auf jeder Strecke zu Hause. Uhrzeit? Ob um 22 Uhr in Biel oder früh um 6 Uhr am Rennsteig, das ist völlig schnurz. Anders ist es da bei der Begleitung. Alleine zu laufen ist schön. Beim Lauftreff oder im Team zusammen durch die Landschaft joggen, macht noch mehr Laune. Beim Laufen in Gesellschaft und bei Wettkämpfen lernt man Leute kennen. Dabei sind für mich viele Freundschaften entstanden.

Alles klar Leon, um was geht es? Leon und seine Julia haben den Spindellauf in Regensburg entdeckt. Aha, interessant. Ein Halbmarathon in einem Parkhaus. Start und Ziel ist mitten im Donau-Einkaufszentrum in der zweiten Etage. Von dort geht es die Abfahrt nach unten, quer durchs Parkhaus und auf der anderen Seite wieder nach oben. Und weil es so schön ist, das Ganze 14 Mal. Der Querläufer ist sofort Feuer und Flamme.

Auch die Läuferfrau ist total begeistert: "Beim 100er in Leipzig hast Du Dir anscheinend den letzten Rest deines Resthirns rausgelaufen." Meine Argumentationen können sie nicht wirklich überzeugen. Das ist doch eine Möglichkeit, Abwechslung in den Läuferalltag zu bringen. Zum Beispiel ganz anders als im Gelände. Beim Spindellauf kommt die Herausforderung von 600 Höhenmetern auf mich zu. Wir müssen im Kreis erst nach oben, dann nach unten laufen. Enge Flure, viele Kanten, die Herausforderung ist hoch. Sie winkt ab, spricht etwas von Drehwurm.

Natürlich stehe ich mit Leon am Start, keine Frage. Der Moderator ruft etwas von Laufen, bis einem schwindelig wird. Startschuss und los geht's. Mir geht der Drehwurm nicht mehr aus dem Kopf. Der Boden scheint zu schwanken. Alles dreht sich um uns. Nur zur Info: Bei einem Drehwurm handelt es sich nicht um ein kleines Würmchen, das in uns hineinkrabbelt und alles durcheinanderbringt. Nein, es ähnelt vielmehr der Seekrankheit. Vierzehn Mal 1,5 Kilometer im flotten Tempo, dazwischen immer wieder eine Trabpause, um mit den Zuschauern zu feiern. Die Regensburger sind nicht nur beim Marathon ein Top-Publikum. Gegenseitige Motivation, wechselndes Abklatschen. Das hilft dem Querläufer. Ruck zuck ist er im Ziel.

Liebe Freunde der Laufkunst, ich kann es Euch nur empfehlen. Wer sich immer wieder neuen Herausforderungen stellt, ist gut beraten. Lauft gemeinsam mit Euren Laufpartnern auf neuen Wegen. Danke Leon für den Tipp. Wichtig dabei ist: Spaß muss es machen.


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