Großenseebach
Querläufer

Blitzeblank in den Frühling

Wer bei Laufveranstaltungen startet, erlebt einiges, auch abseits der Strecke. Jochen Brosig vom FSV Großenseebach erzählt davon in seiner Kolumne.
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Gerade vergangene Woche hatte uns der Winter noch ein paar letzte weiße Grüße geschickt. Mit sibirischen Minusgraden lehnte sich der Winter gegen den kommenden Frühling auf. Jetzt kann es endlich losgehen mit dem Frühling. Beim Kaiserdomlauf in Bamberg soll es frühlingshafte 17 Grad warm werden. Die Natur startet in einen neuen Lebensabschnitt, sie beginnt, sich zu erneuern. Der letzte Schnee-Matsch wird schmelzen. Die Bäume und Blumen werden blühen. Ja, alle fühlen sich dann auch wieder frischer und wacher als in der dunklen Jahreszeit. Auf geht's nach Bamberg zum KDL. Und schon packt der Querläufer seine Sporttasche.

Als er seine Laufschuhe aus der Kiste holt, klebt an ihnen der Matsch vom Eckental-Cross. Es ist Zeit für Frühjahrsputz. Von Oma kennen wir es noch, das geschäftige Treiben im Frühling. Alles sollte wieder in neuem Glanz erstrahlen. Es wurde ausgemistet, aufgeräumt, Fenster wurden geputzt und Teppiche ausgeklopft. Mit Lappen, Lumpen, Leichtigkeit ging es ans Großreinemachen. "Schau bloß, dass du mit deinen Dreckschleudern nach draußen gehst", ruft die Läuferfrau.

Der Querläufer nimmt also seine Laufutensilien mit auf die Terrasse. Laufschuhe, T-Shirt, Tights und Sonnenbrille. Bei den Putzmitteln hat er die Qual der Wahl. Die Regale bei den Discountern quellen über vor Spezialputzmitteln. Die Auswahl ist riesig, laut Werbung sind alle unverzichtbar für einen wirklich effektiven Frühjahrsputz. Aber Vorsicht, norwegische Forscher haben herausgefunden: Putzen lässt die Lungen altern. Also weniger ist mehr - davon ist der Querläufer überzeugt. Ein Eimer voll Wasser, ein Stück Kernseife, ein altes Unterhemd - so zieht er in den Kampf gegen den Schmutz. Die Schlammbrocken aus Eckental sind echt hartnäckig, aber chancenlos gegen seinen Dreckbesen.

Das T-Shirt war zwischenzeitlich in der Waschmaschine, aber der riesige Fleck vom Apfelkuchen beim Dreikönigslauf in Kersbach ist noch zu sehen. Also ran an den Fleck mit der Kernseife. Mit Wasser nachgespült. Schon besser. Noch einmal drüberrubbeln. Weg ist er. Die Tights sind in Ordnung, aber die Sonnenbrille sieht schlimm aus. Wie war das noch? Spiritus und der alte Trick mit dem Zeitungspapier. Oder lieber nur klares Wasser? Das Equipment ist sauber. Jetzt heißt es, mit sich selbst ins Reine zu kommen.

In letzter Zeit hat der Querläufer das Gefühl, keine Zeit für gar nichts zu haben. Auch das eine oder andere Training wird gestrichen. Da ist es wichtig, sich Zeit für sich zu nehmen. Selbsterneuerung. Aber was bedeutet das genau? Ohne sich, wie an Silvester, zu einem bestimmten Stichtag Vorsätze machen zu müssen, bietet der Frühling Gelegenheit, sich zu fragen, wo man gerade steht und ob man mit sich zufrieden ist. Trainiere ich richtig? Studiere ich die richtigen Trainingspläne? Welchen Wettkampf will ich im Frühling machen, welchen nicht? Sollte ich mich einmal nach einer Alternative umschauen? Cross- oder mehr Rumpfstabi-Training machen? Fragen über Fragen.

Während die Laufutensilien trocknen, wird sich der Querläufer seiner selbst immer mehr bewusst. Jahr für Jahr neue Ideen, neue Ziele. Er kann besser für sich einstehen und treffsicherer entscheiden. Wenn das mal keine Motivation für einen Frühjahrsputz ist. Auf geht's nach Bamberg und eine Woche später zum Winterwaldlauf.

Run happy and smile!
Euer Querläufer
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