Großenseebach
Querläufer unterwegs

Auf der anderen Seite des Mains

Jochen Brosig vom FSV Großenseebach läuft die rund 600 Kilometer des Main-Radwegs ab: von der Quelle im Fichtelgebirge bis zur Rhein-Mündung bei Mainz.
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Querläufer Jochen Brosig am Zeiler Wasserrad. Fotos: privat
Querläufer Jochen Brosig am Zeiler Wasserrad. Fotos: privat
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Der Querläufer trifft sich regelmäßig mit Sportlern der Region auf deren Lieblingslaufrunde. Diesmal bewegt sich Jochen Brosig abseits von jeglichem Wettkampfstress auf dem 600 Kilometer langen Main-Radweg. Zum Auftakt lief der Röttenbacher von der Weißmainquelle nach Kulmbach und weiter vom Mainzusammenfluss über Bayreuth zur Rotmainquelle bei Creußen. Seine letzte Station war Bamberg. Zusammen mit Erwin Bittel geht es weiter über Ebelsbach und Zeil nach Haßfurt.

Querläufer:Servus Erwin. Schön, dass es so spontan geklappt hat. Wobei wir mit spontan beim Stichwort wären. Wie wird man Spontanläufer?

Erwin "Lionheart" Bittel: Der echte Spontanläufer verabschiedet sich von jeglichen Zwängen. Alles, was Laufspaß macht, ist dagegen erlaubt.

Was hat es mit dem Namen "Lionheart" auf sich?

Man glaubt es kaum, aber der "Lionheart" heißt von Geburt an so. Nämlich Erwin Leonhard Bittel. Den Namen habe ich dann ein zweites Mal bekommen. Das war vor 17 Jahren, als spiritueller Name.

Der Weg verläuft zunächst durch "Klein-Venedig". Obere Brücke, Altes Rathaus, Untere Brücke. Die Bamberger Altstadt immer wieder eine Augenweide. Bei blauem Himmel und knapp über Null Grad ist es im Schatten der engen Gassen sehr frisch. Entlang der Regnitz joggen Brosig und Bittel zur Erba-Insel, genießen die Aussicht am Zusammenfluss von Main-Donau-Kanal und Regnitz. Dann geht es ganz schnell, der Main-Radweg führt aus Bamberg hinaus. Auf Höhe Bischberg wird das Duo von schier endlosen Radlerkolonnen überholt. Lionheart und Querläufer sind schon mittendrin beim Philosophieren. Warum Bestzeiten nicht mehr reizen. Oder ob die besonderen Herausforderungen im Läuferleben immer länger, schneller, weiter sein müssen.

Du hast an über 250 Marathons und Ultraläufen teilgenommen. Gibt es da noch sportliche Ziele?

Eigentlich keine. Aber es wäre schön, wenn ich mit 100 noch bei einem Marathon mitlaufen könnte. Bis dahin will ich noch einige Lauferlebnisse sammeln. Ohne Leistungsdruck.

In Viereth lockt der Brauerei-Gasthof "Mainlust" zur ersten Einkehr. Der Stammtisch ist noch leer, als die Läufer die Gaststube betreten. Im Biergarten setzen sie sich zu Moritz an den Tisch, der empfiehlt, die Mainseite zu wechseln. Nach einem Fanta wird der Rat in die Tat umgesetzt: Raus aus Viereth und über die Brücke. Das Abenteuer beginnt.

Dein Hut sieht mittlerweile ziemlich zerknautscht aus. Wie kam der Mann zu seinem Hut?

Den Hut habe ich mir auf einer Australienreise gekauft. Er lag Jahre im Schrank. 2008 startete ich zu einem Marathon. Ich wollte aus Spaß mit Hut laufen. Alles wurde dokumentiert. Damals wurde ich zum Laufreporter. Die Kameras wurden leichter, der Laufspaß noch größer. Der Hut blieb, aber bald brauche ich einen neuen.

Immer den Main entlang, hat der Querläufer wieder Moritz im Ohr. Einfach gesagt: Ein Seitenarm bremst ihn und Bittel aus. Ende, hier geht es nicht weiter. Also umdrehen, neue Wege suchen. Querfeldein laufen die beiden über Staffelbach und Dippach nach Stettfeld. In der Zwischenzeit haben sie sich schon einiger Laufkleidung entledigt, die Temperatur steigt. Der Himmel in tiefem Blau. Ein Genuss. Das Adler-Bräustübla lockt zur zweiten Rast. Kürbissuppe und eine Radlerhalbe. Nach einer Unterhaltung mit einer Motorradgruppe, die das schöne Wetter zu einer Ausfahrt nutzt geht es weiter.

Wie wurdest du Zugläufer?

Anfangs betreute ich Freunde. Plötzlich liefen in unserem Gefolge immer mehr Leute mit, weil ich so schön konstant lief. Für mich war es locker, ich machte sogar Bilder unterwegs und erzählte Witze. Ich gebe gerne meine Lauferfahrungen weiter, ob offiziell als Marathon-Zugläufer, beim Lauftreff oder beim Nürnberger Stadtlauf.

Ein Schuss - der Ball zappelt im Netz: "Tooor!" Der TSV Schonungen trifft zum 2:2-Ausgleich. Die Laufrunde führt direkt am Zeiler Sportplatz vorbei. Zeit zum Fachsimpeln mit den Zuschauern. Warum Live-Spiele immer besser als im Fernsehen sind, der Eintritt in die großen Fußballarenen zu teuer ist und die Amateurvereine zu wenig unterstützt werden. In Zeil versammelt sich die Laufszene normalerweise im November zum Waldmarathon. Für Brosig und Bittel ist der Pausenpfiff das Startsignal: Es geht vorbei am Zeiler Wasserrad, entlang der Stadtmauer und durch das Tor am Hexenturm. Die letzten Kilometer vergehen ganz schnell. Zum Abschluss noch eine kleine Runde durch das schöne Haßfurt. Mit 42,2 Kilometern haben die zwei einen Marathon hinter sich gebracht.

Auf der Reise von der Weißmainquelle zur Mündung in den Rhein ist der Querläufer jetzt in Haßfurt angekommen. Sechs Tagesetappen mit insgesamt 280 Laufkilometern - also knapp die Hälfte der Strecke - hat er dabei zurückgelegt. Demnächst geht es weiter von Haßfurt nach Schweinfurt. Man sieht sich auf dem Main-Radweg.

Run happy and smile!

Euer Querläufer



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