Laufen, Schwimmen, Radfahren - nicht nur die Topathleten bei Olympia gehen in jenen Disziplinen seit wenigen Tagen in London an ihre Schmerzgrenzen. Auch in Herzogenaurach gaben viele Sportler aus nah und fern gestern ihr Bestes und nahmen am 27. Puma Herzoman teil.
Anders als bei den zeitgleich stattfindenden olympischen Spielen stand dabei jedoch nicht zwingend der Wettbewerb im Vordergrund. Denn abgesehen von einigen erfahrenen Profi-Athleten gingen auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Freizeitsportler an den Start. Mit etwa 480 Teilnehmern war der Herzogenauracher Triathlon hervorragend besucht.

Der Regen kam und ging


"Bisher läuft alles eigentlich einwandfrei. An Teilnehmern mangelt es uns auch nicht, schließlich waren wir bereits wieder 18 Stunden nach der Ausschreibung komplett ausgebucht." Die Zwischenbilanz vom Organisator des Herzoman, Georg Krämer, fiel durchwegs positiv aus. Lediglich eines machte dem ehemaligen Abteilungsleiter der Triathleten der Turnerschaft Herzogenaurach (TSH) zu diesem Zeitpunkt Sorgen: Die dunklen Wolkenmassen, die sich bedrohlich über der Sportanlage der TSH verdichteten. Nur noch wenige Sekunden dauerte es, bis eine kalte Regendusche sämtliche Zuschauer in die Pavillons und Zelte drängte. "Anscheinend meint es Petrus heute nicht so gut mit uns. Das ist schade, aber da steckt man eben nicht drin", meinte Krämer.
Währenddessen befanden sich die Teilnehmer des Hauptlaufes, die in verschiedene Riegen eingeteilt worden waren, entweder noch auf der Rad- oder bereits auf der Laufstrecke. So wirklich stören ließen sie sich von dem kurzen Regenschauer am Sonntagmittag allerdings nicht. Denn die 400 Meter auf der Schwimmbahn im Freibad, die 20 Kilometer auf dem Drahtesel durch Herzogenaurach, Münchaurach und Falkendorf und die anschließenden fünf Kilometer Laufweg rund um das TSH-Gelände wollten schließlich alle Teilnehmer unbedingt überwinden.
Änderungen gab es auf der Fahrradstrecke. "Die Radstrecke mussten wir wegen einer Baustelle über Falkendorf legen. Damit ist diese um etwa drei Kilometer kürzer geworden", erklärt Krämer. Gemeinsam mit seinem Organisationsteam, allen voran Petra Sticker und dem neuen Vorsitzenden der TSH-Triathleten, Marcel Zollhöfer, stellte Krämer innerhalb des vergangenen Jahres den traditionellen Wettkampf auf die Beine. Und abgesehen von kurzzeitigen Schwierigkeiten mit der Internetverbindung und den Ergebnislisten lief auch alles nahezu perfekt.

Eine 17-Jährige gewinnt


Perfekt verlief der diesjährige Herzoman auch für Johanna Ahrens. Die 17-Jährige, die für den SC Neubrandenburg in der weiblichen A-Jugend an den Start ging, passierte als Erstplatzierte die Ziellinie und war sichtlich erleichtert. Das Nachwuchstalent aus Schwaig, das kommendes Schuljahr die zwölfte Klasse des Sportgymnasiums in Neubrandenburg besuchen wird, erreichte mit einem breiten Lächeln im Gesicht und unter tobendem Applaus den Zieleinlauf im TSH-Stadion. "Es war schön und hat viel Spaß gemacht. Allerdings wäre mir zwei Mal fast ein Auto reingefahren, aber es ging gerade noch gut", schnappte die Triathletin im Zielbereich nach Luft.
Erst vor zwei Wochen nahm sie an den Deutschen Meisterschaften teil, ehe sie ihre Saison mit dem Herzoman quasi in ihrer Heimat abrunden wollte. "Schwimmen lief bei mir am besten. Sonst war alles okay. Eigentlich ist Laufen immer meine Schwäche, aber das ging heute ja auch ganz gut", erzählte Ahrens. Mit einer bemerkenswerten Zeit von 01:02:27 Std. rannte die 17-jährige Hochleistungssportlerin als beste Frau sogar auf den 33. Platz in der Gesamtwertung. Grund genug, um sich neue Ziele zu setzen: Denn im kommenden Jahr möchte Johanna in den Bundeskader aufgenommen werden. Doch bis dahin will die Gymnasiastin erst einmal ihre Ferien und ihre fünfwöchige Trainingspause in vollen Zügen genießen.

Ein kleiner Sturz stört nicht


Ebenfalls äußerst erfolgreich war Sebastian Bleisteiner. Zwar zählte er schon zu Beginn zum engen Favoritenkreis, jedoch gelang es ihm dieses Jahr erstmals, den Herzoman für sich zu entscheiden. Dafür musste er - trotz seiner hervorragenden Endzeit von 00:54:01 Std. - allerdings die eine oder andere Schramme in Kauf nehmen: "Auf der Fahrradstrecke habe ich schon am Anfang einer Kurve gemerkt, dass ich zu schnell war. Da bin ich dann gestürzt. Anschließend hat die Bremse an meinem Rad etwas geschliffen, aber ansonsten lief alles ganz gut. Das sind große Fußstapfen, in die ich da heute trete."

Berühmte Vorgänger


Denn mit seinem ersten Platz in der Gesamtwertung löste Bleisteiner bekannte Sportler wie Lukas Storath, der seit 2009 unangefochten seinen Herzoman-Titel verteidigt hatte, oder Swen Sundberg ab. Für den Verein "Team König's Apotheke / TSV Altenfurt" ging der frischgebackene Herzoman in den Wettkampf und erkämpfte sich einen souveränen Sieg: "Es war ein tolles Rennen. Ich habe gehört, dass Andi an mir dran ist, aber zum Schluss ging alles ja noch gut."
Schließlich kam Andreas Rühling nur knapp eine Minute später ins Ziel. Mit einem lauten Befreiungsschrei freute sich der Herzogenauracher in der Mixed-Zone über seinen zweiten Platz und die damit verbundene Stadtmeisterschaft. Der 24-jährige TSHler musste allerdings während der kurzen Regenschauer genaue Bekanntschaft mit der Strecke machen: "Ich bin zwei Mal gestürzt. Zuerst direkt nach dem Schwimmen und dann noch mal auf der Radstrecke. Aber ansonsten ging's auf dem Rad ganz gut."
Denn nach seinen Stürzen kämpfte sich Rühling mit einer ordentlichen Portion "Wut im Bauch" auf den zweiten Platz vor und wollte diesen mit allen Mitteln verteidigen. Schließlich hatte der TSH-Triathlet in der Vorwoche mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen und war somit mit seinem zweiten Rang "super glücklich".
Neben einigen Stürzen, Schürfwunden und Prellungen blieb es sonst jedoch ruhig für die Helfer vom Rettungsdienst. Und das, obwohl Regen, Wind und praller Sonnenschein im Wechsel für äußerst schwierige Bedingungen sorgten. Nichtsdestotrotz zeigten sich die Verantwortlichen aus Herzogenaurach wieder einmal zufrieden mit ihrem Event. Doch davon abgesehen empfindet der erfahrene Organisator Georg Krämer für Sportler wie Ahrens, Bleisteiner oder Rühling grenzenlose Bewunderung: "Die machen hier ihr eigenes Olympia und das nicht - wie der Großteil der Fans - vom Sofa aus. Das finde ich einfach spitze."