Höchstadt a. d. Aisch

Schneller, härter, technisch stärker

Der Höchstadter EC will das, was er in der Oberliga gelernt hat, in der Verzahnungsrunde zu seinem Vorteil nutzen und den Klassenerhalt verwirklichen.
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Daniel Jun ist stolz auf das bisher Erreichte. Jetzt sollen der Klassenerhalt und ein Titel her. Fotos: Picturedreams
Daniel Jun ist stolz auf das bisher Erreichte. Jetzt sollen der Klassenerhalt und ein Titel her. Fotos: Picturedreams
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Der Höchstadter EC hat sich in der Eishockey-Oberliga Süd als Aufsteiger teuer verkauft und nur knapp den Einzug in die Meisterrunde verpasst. Im Gespräch offenbaren Spielertrainer Daniel Jun und Sportvorstand Jörg Schobert, wie sie das bisher Erreichte bewerten, welche Ziele die Alligators nun verfolgen und wie die nähere Zukunft gestaltet werden soll.

Starke 39 Punkte aus 32 Vorrundenspielen haben nicht gereicht, um in die Play-offs einzuziehen und den direkten Klassenerhalt zu schaffen. Bei aller verständlicher Enttäuschung: Wie stolz sind Sie auf das Team?
Daniel Jun: Wir haben die Play-offs nur um Haaresbreite verpasst und waren als Aufsteiger nicht das Kanonenfutter, wie es einige Experten prognostiziert hatten. Darauf können wir stolz sein. Hätte mir jemand im Mai gesagt, dass wir in der Vorrunde 39 Punkte holen, hätte ich das sofort angenommen. Wir haben im Rahmen unserer Möglichkeiten vieles richtig gemacht, auch wenn so mancher Fehler eiskalt bestraft wurde. Jeder Spieler hat die Aufgaben erfüllt, die ich von ihm verlangt habe. Klar, bei dem einen oder anderen ist noch etwas Luft nach oben. Aber bis jetzt bin ich sehr zufrieden.

Was war ausschlaggebend für das erfolgreiche Abschneiden?
Daniel Jun: Die Jungs haben sich an unser Spielsystem hervorragend angepasst. Dazu haben wir uns punktuell richtig gut verstärkt, wurden zum Teil etwas unterschätzt. Daneben wurden wir natürlich von der Euphorie getragen und der Tatsache, dass alle Spieler richtig Bock darauf hatten, Oberliga zu spielen.
Jörg Schobert: Unser Konzept, jeden Spieler, den wir haben, weiterzuentwickeln und uns punktuell zu verstärken, geht auf. Als sportliche Leitung sind Daniel Jun und ich auf einer Wellenlänge. Wir wissen, welche Rahmenbedingungen wir haben, und nach denen handeln wir. Bei einigen Oberliga-Gegnern laufen Spieler auf, die zu der Zeit, als wir in der Landesliga waren, in der DEL oder in der zweiten Liga auf dem Eis standen. Dass wir diesen Spielern heuer Paroli bieten können, spricht für den Weg, den wir eingeschlagen haben.

Was erwartet den HEC in der Verzahnungsrunde, wie schätzen Sie die Gegner ein? Und wie sieht es personell aus?
Daniel Jun: Die Breite unseres Kaders ist sicherlich ein Vorteil. Viel wichtiger ist es jedoch, dass die Spieler fokussiert und motiviert sein müssen. Der Sieg in Regensburg hat uns sicher noch einmal einen Schub gegeben, doch wir dürfen keinen Gegner unterschätzen. Wir müssen das Tempo hoch halten und vor allem gegen die Bayernligisten zeigen, dass wir in der Oberliga in Sachen Härte, Schnelligkeit, Passgenauigkeit und Technik viel dazugelernt haben.
Jörg Schobert: Es ist nicht unser Anspruch, als Gruppenvierter ins Viertelfinale einzuziehen. In dem Fall würden wir ja auf den Sieger der anderen Gruppe treffen, was für das Erreichen des Halbfinals und des damit verbundenen Klassenerhalts sicher eine andere Hausnummer wäre, als wenn wir gegen den Dritten oder Vierten ran müssen.

Die Alligators gehen als Oberligist als einer der Favoriten in die Verzahnungsrunde und sollten das Zeug dazu haben, hier den Klassenerhalt zu schaffen. Ist dies das erklärte Ziel oder soll im dritten Anlauf auch der Titel "Bayerischer Meister" an die Aisch gehen?
Daniel Jun: Beides. Natürlich wollen wir in der Oberliga bleiben. Aber wir wollen auch bayerischer Meister werden. Dieser Titel wäre eine Entschädigung. Aber nicht für die verpassten Play-offs jetzt, sondern für die beiden vergangenen Jahre, als wir jeweils im fünften Spiel des Finales den Kürzeren zogen.
Jörg Schobert: Wir wollen auch kommende Saison in so tollen Stadien wie der Donau-Arena in Regensburg vor 2500 Zuschauern spielen. Das gibt uns zusätzliche Motivation.

Vorausgesetzt, es klappt mit dem Klassenerhalt. Woran muss der HEC arbeiten, um in der Oberliga noch besser zurechtzukommen?
Daniel Jun: Zunächst müssen wir schauen, eine längere Vorbereitungsphase auf die nächste Saison zu haben. Dann schaffen wir es schneller in den Rhythmus und bekommen keinen Durchhänger, wie es uns in dieser Spielzeit nach den ersten vier Partien passiert ist. Außerdem wäre es schön, wenn wir eine Trainingseinheit pro Woche mehr hinbekommen würden. Da gibt es in der Oberliga nämlich extreme Unterschiede. Unsere Spieler gehen einem Beruf nach, können zum Teil nur zweimal pro Woche trainieren. In Selb oder Regensburg stehen die Spieler sechs- oder siebenmal pro Woche auf dem Eis. Vor diesem Hintergrund ist unser gutes Abschneiden noch höher zu bewerten.

Herr Jun, Sie sind in Höchstadt mit dem Anspruch angetreten, das Team in die Oberliga zu führen. Das ist gelungen. Sie sind jetzt 39. Wie sieht Ihre sportliche Zukunft aus? Liegt diese beim HEC oder suchen Sie noch einmal eine neue Herausforderung?
Daniel Jun: Die aktuelle Saison mit einer gebrochenen Hand und gebrochenen Rippen war nicht leicht für mich. So konnte ich meiner Mannschaft auf dem Eis nicht so gut helfen wie in den Vorjahren. Es war ein Traum von mir, noch einmal Oberliga zu spielen - und den habe ich mir hier erfüllt. Höchstadt ist für mich inzwischen ein Zuhause geworden. Im Verein übernehme ich mehrere Funktionen. Das macht mir sehr viel Spaß. Also nein, ich habe nichts anderes vor.

Die Zusammenarbeit mit Petr Kasik scheint nahezu ideal zu funktionieren, er soll ein sehr gutes Standing bei den Spielern haben. Denken Sie darüber nach, wieder in die Rolle des Spielers und Teammanagers zu schlüpfen - wie in der vergangenen Saison, als Stan Mikulenka als Trainer eingesetzt wurde?
Daniel Jun: Wir haben darüber schon gesprochen. Ich kenne Petr schon lange. Er ist ein absoluter Fachmann, der der Mannschaft als Co-Trainer mit seiner ruhigen Art wirklich hilft. Aber er ist beim HEC hauptamtlicher Nachwuchs-Coach und ich möchte ihm den Stress, die erste Mannschaft zu betreuen, nicht aufdrücken. Vorerst bleibe ich also Spielertrainer der Alligators.

Über dem HEC hängt ja noch das Damoklesschwert der Steuerermittlungen. Gibt es schon Neuigkeiten vom Finanzamt? Und wie laufen die Planungen für die weitere Renovierung des Eisstadions?
Jörg Schobert: Ich habe nichts Neues gehört. Aber solche Sachen blenden wir momentan aus. Wir konzentrieren uns voll auf die Verzahnungsrunde, also die nächsten zehn Spiele. Wenn der Klassenerhalt geschafft ist, können wir uns wieder um andere Dinge kümmern. Dann werden wir sehen, wie es mit der Renovierung weitergeht, dann werden wir uns auch unseren Kader anschauen.
Vor der Saison ein Dutzend neue Spieler zu verpflichten, wie es Sonthofen im Sommer getan hat, wäre bei uns allein schon vom Etat her nicht drin. Das ist auch nicht der Weg, den wir gehen wollen.

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