Forchheim
Tennis

In Forchheim und Bamberg spielt man Soccer statt Tennis

Nicht nur im Fernsehen dominiert der Fußball, auch in fränkischen Hallen wurde auf Soccer umgerüstet. Meist ging das zu Lasten des Tennis, wie Beispiele aus Bamberg und Forchheim zeigen.
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In etlichen Hallen wurden die Tenniscourts von Fußballfeldern verdrängt. Foto: René Ruprecht
In etlichen Hallen wurden die Tenniscourts von Fußballfeldern verdrängt. Foto: René Ruprecht
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1990 ließ Ulrich Pechtold in Forchheim eine Tennishalle mit vier Plätzen bauen. Im selben Jahr gewann Steffi Graf die Australian Open, stand bei den French und US Open im Finale. Boris Becker erreichte in Wimbledon das Endspiel.

20 Jahre später machte der Ex-Fußball-Profi aus den Teppichplätzen Kunstrasen. Ebenfalls 2010 schickte Deutschland 69 Tennisprofis in die vier Grand-Slam-Turniere, je eine Achtelfinalteilnahme von Andrea Petkovic in New York und Daniel Brands in London waren die Ausbeute.
Reiner Zufall?


Soccer-Arena statt Tennis

Nicht nur Uli Pechtold hat umgestaltet. Aus vielen Tennishallen in Franken wurden Soccer-Arenen oder Sportzentren mit Beachvolleyball, Badminton und Squash im Angebot. "Für mich war es eine rein wirtschaftliche Überlegung", erklärt Pechtold. In den 90er Jahren wurde bis 23 Uhr Tennis gespielt, dann seien die späten Abendstunden und vor allem der Nachwuchs weggefallen. "Mit den Einnahmen vom Tennis gingen auch die Umsätze in der Gastronomie zurück", berichtet der ehemalige Spieler des 1. FC Nürnberg und der SpVgg Greuther Fürth.

Pechtolds Kompromissvorschlag, zwei Felder Tennis beizubehalten, lehnten der TC und die SpVgg Jahn Forchheim ab, dennoch ließ der 63-Jährige zumindest einen Court stehen. "Aber das hat sich nicht mit dem Lärm vertragen", sagt der Forchheimer, der deshalb kurze Zeit später komplett auf Fußball umrüstete. Heute können Pechtold und die Forchheimer Tennisspieler mit der Lösung leben: An der Außenanlage des Jahn gibt es eine Überdachung fürs Winterhalbjahr und der Hallenbetreiber kompensiert die fehlenden Einnahmen in den fußballkritischen Sommermonaten mit Minigolf und Bowling.

"Ich hoffe jedes Jahr im März auf einen Wintereinbruch mit Schnee", sagt Pechtold verschmitzt. Der milde Winter 2014/2015 habe ihm nämlich das Soccer-Geschäft verhagelt. Der Deutsche Tennis-Bund hofft dagegen auf Zugpferde wie Becker und Graf. "Damals hat jeder mit Tennishallen angefangen", erinnert sich Pechtold an seinen Einstieg, "jetzt baut jeder Fußballtempel", meint er und verweist auf die Konkurrenz in Eltersdorf und Bubenreuth - ebenfalls frühere Tennishallen.


Kein Tennis mehr im Sportpark

Auch im Sportpark Bamberg kann man den Sport mit der gelben Filzkugel nicht mehr betreiben. Volker Struckmeier und seine Frau Anja übernahmen die Halle, die der Stadt gehört, 2011 als Pächter. An der Stelle, wo vier Tennisplätze waren, stehen jetzt drei Fußball- und zwei Beachvolleyball-Felder. "Früher hast du die Tennisstunden an den Meistbietenden versteigern können. Als Sportsmann bedauere ich das Aus", sagt Volker Struckmeier, der früher selbst leidenschaftlich Tennis gespielt hat, "aber als Kaufmann sehe ich die Einnahmen pro Quadratmeter." Während er beim Tennis an zwei, maximal vier Spielern verdiene, seien es beim Soccer mindestens zehn zahlende Gäste.

Wie bei seinem Forchheimer Kollegen sprudelten auch die Einnahmen im Restaurant dadurch besser. "Fußballer sind geselliger als Tennisspieler", meint Struckmeier, der einschränkt: "Es gibt aber auch Tennishallen, die gut laufen. Nämlich dann, wenn sie vereinsgeführt sind und keine Personalkosten anfallen."

Trotz des Mitgliederschwunds - der TC Bamberg habe in den vergangenen Jahren beispielsweise die Hälfte seiner Mitglieder verloren - hätte die Region Potenzial. "Es ist eine Sache der Vermarktung. Die Bayreuther Florian Mayer und Philipp Petzschner oder Philipp Kohlschreiber, der beim TC gespielt hat, hätte man viel mehr ausschlachten können", sagt der aus Norddeutschland stammende Struckmeier. Schließlich funktioniere der Basketball in Bamberg auch, "obwohl diese Sportart in Deutschland weniger Mitglieder hat als der Alpenverein", erklärt Struckmeier. König Fußball lacht über beide Zahlen.


Ein Interview mit Maximilian Marterer, angehender Tennisprofi aus Nürnberg

Seine erste Teilnahme an einem Grand-Slam-Turnier hat sich Maximilian Marterer sicher anders vorgestellt. Nach nur drei Sätzen war das Abenteuer Australian Open in der ersten Qualifikationsrunde für ihn vorbei. Mit dem kollektiven Scheitern der erfahreneren deutschen Tennis-Profis ist er zwar in bester Gesellschaft, doch sowohl für sich selbst als auch für das deutsche Tennis hat der 20-jährige Nürnberger eine optimistische Prognose.

Hat sich die Reise ins 20 Flugstunden entfernte Melbourne für Sie überhaupt gelohnt?
Max Marterer: Auf das Abschneiden bei den Australian Open beschränkt, sicher nicht. Aber ich war bereits seit dem 28. Dezember in der Region, habe ein Challenger-Turnier in Neukaledonien gespielt und mich für die erste Runde qualifiziert. Auch beim ATP-Turnier in Sydney habe ich das Hauptfeld erreicht, wo ich in einem ausgeglichenen Match mit 4:6, 4:6 an Pablo Cuevas aus Uruguay gescheitert bin, immerhin die Nummer 41 der Welt. Eine Niederlage ist nie schön, aber es war eine gute Erfahrung.

Sie werden aktuell auf Rang 249 der ATP-Liste geführt. Wie weit geht es noch hinauf?
Mein nächstes Ziel ist, regelmäßig die Quali-Runden der Grand Slams spielen zu dürfen. Dafür muss man ungefähr auf Position 230 oder besser sein. Bei den Australian Open bin ich wegen einiger Absagen noch reingerutscht. Langfristig möchte ich mich unter den Top 50 etablieren.

Wie sah und sieht Ihr Plan für dieses ambitionierte Ziel aus?
Ich trainiere seit einigen Jahren in der Tennisbase in Oberhaching. Dort ist der Stützpunkt für den B-Kader des Deutschen Tennis-Bunds. Auch an anderen Orten wurden die Stützpunkte - ähnlich wie beim Fußball - zusammengezogen. Unser Coach ist der ehemalige Profi Michael Kohlmann. Wir trainieren inklusive Konditionseinheiten bis zu fünf Stunden am Tag. Das Gymnasium in Oberasbach bei Nürnberg habe ich nach der zehnten Klasse verlassen, um mich ganz auf Tennis zu fokussieren.

Das klingt nach klaren Strukturen. Warum warten die deutschen Profis trotzdem seit 1999 auf einen Grand-Slam-Gewinn, während die kleine Schweiz mit Roger Federer den Rekordsieger stellt und mit Stan Wawrinka einen weiteren Spieler in den Top 10 hat?
Reformen sind leichter gesagt als getan. Roger Federer ist sicher ein Jahrhundert-Talent. Wir haben auch viele gute Spieler. Warum es nicht zu einem Titel reicht, kann ich nicht sagen. Dass bei den aktuellen Australian Open schon nach der zweiten Runde keiner der Herren mehr dabei war, lag auch ein bisschen am Lospech. Ich glaube aber, dass es bald besser werden wird. Alexander Zverev, der in der ersten Runde gegen Mitfavorit Andy Murray rausgeflogen ist, könnte es zum Beispiel schaffen. Man darf von ihm aber keine Wunder erwarten.

Haben Sie auch schon gegen ein Kaliber wie Andy Murray gespielt? Und wie schafft man den Sprung zu den großen Turnieren mit großen Namen?
Neben dem Duell mit Cuevas kann ich nur eine Begegnung mit dem Spanier Nicolas Almágro vorweisen, den ich im Oktober beim ATP in Stockholm besiegt habe. Ich spiele hauptsächlich bei ATP-Challenger- und ITF-Future-Turnieren, die unterhalb der ATP-World-Tour angesiedelt sind. Mit jedem Sieg arbeitet man sich gewissermaßen weiter nach oben. Vier Futures habe ich bisher gewonnen. Im vergangenen Jahr habe ich zusätzlich für den SC Uttenreuth in der 2. Bundesliga gespielt, aber die Saison dauert nur vier Wochen.

Die Australian Open dauern noch bis Sonntag. Wer ist Ihr Favorit bei den Männern?
Novak Djokovic. Er war selten besser drauf als zur Zeit.
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