Grün sind Golfplätze ja schon immer gewesen. Dass der dazugehörige Verein ein grünes Image hat, dagegen nicht. "Es gab oft Widerstand gegen die Golfer, weil ja die Meinung vorherrschte, dass so ein Platz eher Natur zerstört, als bewahrt", erinnert sich Heiko Kuhstrebe, Head-Greenkeeper beim GC Herzogenaurach. Diese Meinung habe sich aber geändert, auch weil Vereine wie der GCH aus eigenem Antrieb etwas für die Umwelt tun und nun auch ganz offiziell ihrer Verantwortung gegenüber der Natur gerecht werden wollen.
"Wir setzten das Konzept ,Golf und Natur' um, das der Deutsche Golfverband zusammen mit dem Bundesamt für Umweltschutz und dem Greenkeeper-Verband Deutschland entwickelt hat", erläutert Herbert Hartmann, Projektleiter beim GCH. Um überhaupt mitmachen zu dürfen, musste erst einmal eine Bestandsaufnahme her, für den aktuell geltenden Bronze-Standard weitere Projekte in Angriff genommen werden. "In den letzten Jahren haben wir 8955 Laubgehölze und 2244 Stauden aus jeweils rund 20 verschiedenen Arten angepflanzt", zählt GCH-Schatzmeister Heinz Perplies auf.

Schildkröte bleibt über den Winter

Dazu kommen 177 Obstbäume, die hauptsächlich Äpfel aber auch Birnen und Kirschen tragen. Die Bäume stehen fast ausschließlich auf Streuobstwiesen, für die das weitläufige Areal genug Platz bietet. Auf 70 Hektar oder umgerechnet 140 Fußballfeldern erstreckt sich das Golfgelände, "wobei nur zwölf oder dreizehn Prozent der Fläche überhaupt für den Sport gebraucht werden", erklärt Herbert Hartmann. Der Rest wird landwirtschaftlich genutzt, ist als Ausgleichsfläche deklariert oder bietet der Natur die Möglichkeit, sich mehr oder weniger ungestört auszubreiten.
Dafür macht der GCH einiges. Es wurden Feuchtgebiete, Biotope oder Bachläufe geschaffen, in denen sich zahllose Pflanzen und Tiere wohl fühlen, in so genannten Insekten-Hotels siedeln Schlupfwespen oder Wildbienen an. "In einem unserer Teiche, die für die Beregnung der Greens und Fairways genutzt werden, lebt eine Wasserschildkröte, die sogar in dem bis zu acht Meter tiefen Gewässer überwintert", erzählt Vizepräsident Martin Schuster, der für die Maßnahmen am Platz verantwortlich zeichnet.
Neben Pflanzen und Tieren soll sich natürlich auch der Mensch wohlfühlen, denn Golf ist eben nicht nur Sport, sondern hat für viele auch etwas mit Entspannung und Ruhe zu tun. "Ich mag es, das Wasser plätschern zu hören, wenn ich auf dem Platz stehe", sagt Schuster. Für eine 18-Loch-Runde müssten um die vier Stunden eingeplant werden. In dieser Zeit gebe es viel zu entdecken. Deshalb sind fast zu jeder Tageszeit Golfer anzutreffen. Aber auch Spaziergänger, Jogger oder Reiter wissen die landschaftliche Schönheit zu schätzen. Greenkeeper Kuhstrebe betont, das versucht wurde, den fränkischen Charakter zu bewahren, auch wenn ab und zu als Farbklecks auch ein Zierahorn zu entdecken ist.

Lebensraum für Eidechsen

Der GC Herzogenaurach verfolgt mit "Golf und Natur" ehrgeizige Ziele, strebt nach Bronze nun den Gold-Standard an. Dafür will der über 1000 Mitglieder starke Verein einiges tun. Angedacht sind weitere Bachläufe, vielleicht sogar Staustufen und auch die Imkerei soll auf dem Golfplatz Einzug halten. Erste Bienenstöcke wurden bereits aufgestellt, weitere folgen. Ein Steinhaufen könnte als Lebensraum für Eidechsen dienen. Ein positiver Nebeneffekt dabei sei, laut Martin Schuster, dass Zecken, die vom Reptilienblut kosten, in der Folge für den Menschen unschädlich seien.
Die Artenvielfalt ist ein schöner Lohn für die Mühen des GCH. Allein die Tatsache, dass es rund um den Herzogenauracher Golfplatz wild lebende Fasane und Rebhühner gibt, zeigt, dass der eingeschlagene Weg der richtige ist. Nur auf Wilschweine kann Greenkeeper Kuhstrebe gern verzichten. "Die wühlen einfach zu viel Erde auf. Aber bisher hatten wir damit , im Gegensatz zu anderen Plätzen, noch keine Probleme."