Erlangen

Einer aus dem "Libero-Zeitalter"

Fritz Ruhmann hat sich aus dem Trainergeschäft zurückgezogen. Zu seinem 70. Wiegenfest kramte er in seinen Erinnerungen.
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Fritz Ruhmann hat in seiner über 40 Jahre währenden Tätigkeit als Fußballtrainer viel erlebt und archiviert. Fotos: Sebastian Baumann
Fritz Ruhmann hat in seiner über 40 Jahre währenden Tätigkeit als Fußballtrainer viel erlebt und archiviert. Fotos: Sebastian Baumann
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Der Fußball lässt Fritz Ruhamnn nicht. Auch mit 70 Lenzen steht er noch jedes Wochenende am Spielfeldrand - jedoch nicht mehr als Trainer. Zum runden Geburtstag hat sich unser Partnerportal anpfiff.info mit der Erlanger Trainerlegende über seine Zeit als Übungsleiter unterhalten und interessante Anekdoten aus 40 Jahren Laufbahn erfahren können.

Wer weiß, was gewesen wäre, hätte es 1971 schon ein Kernspintomographie gegeben. "Wir haben in Hilpoltstein gespielt und ich habe mich am Knie verletzt. Da hat man damals einfach eine Ordnerbinde als Stabilisierung verwendet und weiter gespielt." Fritz Ruhmann hat einiges erlebt, doch dies sollte sein letztes Spiel gewesen sein, er wurde am Knie operiert. "Von einem Kreuzbandriss war damals aber nie die Rede." Diese Diagnose erhielt Ruhmann erst in den 1980er-Jahren, als er sich per MRT untersuchen ließ.

Nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Sport begann die Trainerlaufbahn - eher zufällig. Am Sportplatz wurde der Kassier des SC Eltersdorf, damals Anfang 30, überredet, die A-Jugend zu übernehmen. Gerade einmal neun Spieler waren da im Kader. "Zwei davon waren auch noch gesperrt, spielten aber dennoch - mit falschen Pässen." Heute undenkbar.


Unter Manipulationsverdacht

Ruhmann sagt von sich selbst, dass er "aus dem Libero-Zeitalter" kommt. Doch er war Neuem auch immer aufgeschlossen, eignete sich die später so populäre Viererkette in vielen Schulungen an. Seine Fähigkeiten wurden schnell bemerkt. In seinem vierten Jahr als Coach der Eltersdorfer U19 musste er auch bei der ersten Mannschaft als Feuerwehrmann einspringen und diese vor dem Abstieg retten. Das klappte auch, hatte aber einen faden Beigeschmack.

Kurz vor Saisonende kam auf vielen Sportplätzen Manipulationsverdacht auf, und auch der SCE bekleckerte sich nicht mit Ruhm: "Vor unserem Spiel in Bronn ist unser Vorstand zum Abschlusstraining des Gegners gefahren und hat mit dem weißen Couvert gewunken", erinnert sich Ruhmann. Doch die Bronner machten das Spiel nicht mit, schlugen den SCE mit 2:1 und wandten sich danach an die Presse. "Nach der Pleite gab es Tumulte in der Kabine. Und dann standen wir noch im Hauptteil der Zeitung", berichtet der 70-Jährige. Den Klassenerhalt packte die Mannschaft am Ende trotzdem.

Es folgten drei Jahre in Frauenaurach ehe der Trainer zurück nach Eltersdorf ging, um dort am letzten Spieltag entlassen zu werden. "Die Funktionäre wollten sich einmischen, weil sie 17 Spieler geholt hatten. Das habe ich nicht geduldet und so haben die Stimmung gegen mich gemacht." Es war sowieso nicht die Philosophie von Fritz Ruhmann, auf fertige Spieler zu setzen. Immer, wenn er Spieler aus den Jugendmannschaften seiner Vereine hochzog, klappte es bei den ersten Mannschaften immer.

Zum Beispiel in Heßdorf, als der Trainer in die damalige A-Klasse aufstieg und dabei noch Heinrich Iro (Direktor der Erlanger Hals-Nasen-Ohren-Klinik) als Torwart aus der Ärztemannschaft verpflichtete und viele Heßdorfer Legenden wie Georg Nagel oder Hans Ort trainierte. Fritz Ruhmann und junge Spieler, das passte einfach.


Disziplin brachte den Erfolg

Auch beim ATSV Erlangen hatte der Trainerfuchs eine U19 unter sich, in der unter anderem Jürgen Spielmann und Harald Kupfer spielten. "Der Jürgen wollte unbedingt zum Club. Ich habe dann den Kontakt hergestellt, obwohl ich eher dafür war, dass er noch eine Zwischenstation zum Beispiel bei Jahn Forchheim einlegt", erzählt Ruhmann. Spielmann kam, sah und siegte - mit Verzögerung: Denn nach zwei Spielen verletzte sich der Stürmer schwer, wurde dann nach seinem Comeback in der Rückrunde aber noch Torschützenkönig.

Die erfolgreichste Station war freilich der Türkische SV Erlangen. Denn von der C-Klasse bis in die Bezirksliga führte der Trainer die Mannschaft. "Fußballerisch konnte ich denen nichts beibringen, die hatten die Gene in die Wiege gelegt bekommen", schmunzelt Ruhmann. Das Hauptproblem waren die vielen Platzverweise. "Ich habe immer sofort gewechselt, wenn ein Spieler eine gelbe Karte bekommen hat", erklärt der Übungsleiter seine Erziehungsmaßnahmen. Selbst die vermeintlichen Superstars disziplinierte der Trainer soweit, dass Sie pünktlich kamen. Beim Spiel gegen den FSV Großenseebach statuierte Ruhmann ein Exempel an Ocan Yildiz, der zu spät kam. Trotz der Degradierung auf die Bank gewann das Team durch einem Sonntagsschuss, und der Bann war gebrochen.


Auf dem Land war alles anders

Nach einem Abstecher zum VdS Spardorf (Abstieg und direkte Rückkehr in die B-Klasse) und zwei erneuten Anläufen beim Türkischen SV Erlangen verschlug es Ruhmann nach Dachsbach, wo er die Mannschaft als Tabellenletzten der A-Klasse übernahm. Nach und nach mauserte sich seine Mannschaft zu einem Spitzenteam, auch weil Ruhmann wieder auf die Talente aus der Jugend setzte. "Das war schon schön dort. Das war ein Landverein und etwas ganz anderes als in der Stadt." Als ein Spieler um Hilfe bat, beim Dachdecken einer großen Scheune, rückten alle Spieler an. "Ich war als Trainer natürlich auch da", sagt der 70-Jährige, der während seiner Laufbahn auch viele Fußballgrößen kennenlernte.

Mit Pavel Nedved hat sich Ruhmann oft getroffen und auch einen ganzen Tag mit der tschechischen Nationalmannschaft und Trainer Petr Rada verbracht. "Das wäre bei der deutschen Nationalmannschaft undenkbar gewesen."

Zuletzt trainierte Fritz Ruhmann die B-Jugend des ASV Boxdorf und fasste dort den Entschluss aufzuhören. "Der Abstand zu den jungen Spielern ist einfach zu groß geworden", sagt er ohne Wehmut. Dennoch kann der 70-Jährige nicht vom Fußball lassen. "Wenn mich ein Trainer um Rat fragt, helfe ich gerne", sagt Ruhmann, der auch immer wieder als Scout fungiert und schon oft Spielbeobachtungen übernommen hat.

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