Erlangen
Handball

Der HCE steckt in der Mini-Krise

Genau wie in Minden ließ der HC Erlangen auch gegen den zweiten Mitaufsteiger vieles vermissen, das nötig ist, um in der Bundesliga erfolgreich zu sein.
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Die Protagonisten bei der Arbeit. Nikolai Link (hinten), der mit Abstand beste Gästespieler, versucht zusammen mit Isaias Guardiola (rechts), seinen künftigen Teamkollegen Nico Büdel zu stoppen. Fotos: Timo Geldner
Die Protagonisten bei der Arbeit. Nikolai Link (hinten), der mit Abstand beste Gästespieler, versucht zusammen mit Isaias Guardiola (rechts), seinen künftigen Teamkollegen Nico Büdel zu stoppen. Fotos: Timo Geldner
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Eigentlich hatte dieses Spiel alles, was ein "Frankenderby" mitbringen muss. Eine tolle Atmosphäre in ausverkauftem Haus mit 3530 Fans (650 davon aus Erlangen), die ihre Mannschaft 60 Minuten lang aus vollem Hals anfeuerten und ein stets fairer Umgang - sowohl auf der Platte als auch auf den Rängen - der durchaus als Werbung für den bayerischen Handballsport verstanden werden konnte. Einzig die Leistung des HC Erlangen - vor allem in der Defensive - wollte nicht ins Bild passen.


HSC 2000 Coburg - HC Erlangen 30:28

Nach der Niederlage in Minden begannen die Erlanger zurückhaltend und bekamen nach der 1:0-Führung, die Stranovsky per Siebenmeter hergestellt hatte, zunächst kaum Zugriff auf das Spiel. Die knallharte und bewegliche Defensive der Coburger um den sehr gut aufgelegten Torhüter Krechel machte den Gästen das Leben extrem schwer, während Katsigiannis und Huhnstock (ab 21.) auf der anderen Seite kaum die Hand an den Ball bekamen.

Dass die Gastgeber nicht auf mehr als zwei Tore davonzogen, war vor allem dem mit elf Treffern überragenden Nikolai Link zu verdanken und Guardiola, der zwei Rückraum-Hämmer auspackte. Wenn sich jedoch die Möglichkeit bot, das Spiel an sich zu reißen, agierten die Mittelfranken unkonzentriert. Horak wurde zweimal wegen eines Schrittfehlers zurückgepfiffen, Bissel verstolperte den Ball bei einem Gegenstoß. Ein einziges Mal ging der HCE in der ersten Halbzeit noch in Führung, doch das 8:9 durch Theilinger (18.) hatte nur wenige Sekunden Bestand.

Die Gästeabwehr schaffte es nicht, den Coburgern den Zahn zu ziehen, vielmehr baute Coßbau den Vorsprung auf drei Tore aus (27.) und Büdel zeigte seinem künftigen Verein, dass er kein Fehleinkauf ist. Andersson zog die Timeout-Karte, doch auch diese Maßnahme brachte nichts, Krechel blieb gegen den glücklosen Rahmel sowie Jonas Link Sieger und hielt das 16:13 zur Halbzeitpause fest.


Vier Treffer in Folge lassen Hoffnung keimen

Erlangen musste wachgerüttelt werden, doch für die mitgereisten 650 Fans wurde es zunächst noch schlimmer. Der HCE fand kaum freie Würfe, und was durchkam, wurde zu oft Beute von Krechel, sodass Coburg auf 20:15 davonzog (38.). Eine weitere Auszeit musste her, und die brachte mit einer Umstellung auf eine 5-1-Abwehr endlich die erhoffte Wirkung: Katsigiannis, der kurz nach dem Seitenwechsel Huhnstock wieder abgelöst hatte, entschärfte die Versuche der Oberfranken und schuf die Basis für vier Treffer der Hugenottenstädter in Folge.

Also reagierte auch HSC-Trainer Gorr, rief seine Jungs an die Bank und justierte sie. Danach klappte es bei den Hausherren wieder im Angriff, während Erlangen verstärkt auf die Rückraum-Hämmer von Nikolai Link bauen musste, die jedoch nicht reichten, um die Wende herbeizuführen. Die Gäste hinkten immer um ein, zwei Tore hinterher und wussten auch Fehlversuche des Mitaufsteigers nicht zum eigenen Vorteil zu nutzen.

Vier Minuten vor Schluss war der Rückstand wieder auf drei Tore angewachsen, und es hatte nicht den Anschein, als würde für den HCE noch etwas gehen. Das Kellerkind aus Coburg schloss vorn zu zielsicher ab und gab sich auch defensiv weiter keine Blöße. Nachdem Nikolai Link ein weiteres Geschoss aus dem Rückraum zum 30:28 versenkt hatte, verließ Kastigiannis zu Gunsten eines siebten Feldspielers den Platz. Doch das konnte das Unheil nicht mehr abwenden - Coburg hatte sich den Derbysieg aber auch redlich verdient.

Stefan Apfel, Vorstandssprecher des HSC 2000 Coburg, brachte es nach der Partie auf den Punkt: "Die Erlanger waren heute nicht im Derby-Modus. Wir wollten den Sieg einfach mehr, zumal es nach den Rückschlägen der vergangenen Wochen sozusagen unsere letzte Chance war, das Ruder herumzureißen. Wir haben uns heute belohnt und Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben getankt."


Weitere Stimmen zum Spiel

Robert Andersson, Trainer des HC Erlangen: Das ist Bundesliga. Wenn du nicht gut spielst, gewinnst du nicht - egal wie der Gegner heißt. Wie schon gegen Minden haben wir heute nicht das gezeigt, was wir uns vorgenommen hatten. Nikolai Link hatte einen sehr guten Tag. Aber ein Spieler allein reicht eben nicht, um erfolgreich zu sein. Wir haben vor allem in der Abwehr keinen Zugriff bekommen, zu viele Zweikämpfe verloren. Allein in der ersten Halbzeit haben wir zehn Gegentore durch die Mitte bekommen, ohne den Gegner zu stören. Das ist einfach zu viel. Und dann rennen wir permanent zwei, drei Toren hinterher. Phasenweise haben wir das gut gemacht, waren wieder bis auf einen Treffer dran. Aber dass der Gegner irgendwann eine Antwort findet, ist auch klar. Wir haben momentan einen Durchhänger, aber nervös werden wir deshalb nicht.

Jan Gorr, Trainer des HSC 2000 Coburg: Handball auf Bundesliga-Niveau braucht drei Dinge: Abwehr, Gegenstoß, Angriff. Heute haben wir in all diesen Bereichen Bundesliga-Niveau gezeigt, was uns in dieser Saison noch nicht oft gelungen ist. Das zeigt, dass wir in unserer Entwicklung einen weiteren Schritt in die richtige Richtung gemacht haben.

René Selke, Geschäftsführer des HC Erlangen: Das waren heute 60 Minuten Gänsehaut pur. Abgesehen von unserer Leistung hat das richtig Spaß gemacht. Coburg hat viel sportliche Qualität und gezeigt, dass es kein Durchlaufposten ist. Viele HSCler haben heute an ihrem absoluten Leistungslimit gespielt, was uns zeigt, dass man gegen jeden Gegner 100 Prozent geben muss.

Oliver Krechel, Torhüter des HSC 2000 Coburg: Vor allem in der ersten Halbzeit war die Zusammenarbeit zwischen mir und der Abwehr hervorragend. Dort haben wir das Spiel gewonnen. Hinten raus haben wir dann gefightet und uns ins Ziel gerettet. Nach einer langen Durststrecke sind wir einfach nur froh über diesen Sieg.


Die Statistik zum Spiel

HSC 2000 Coburg: Krechel - Barsties, Hagelin, (1), Wucherpfennig, Kelm, Weber (2), Coßbau (7/2), Billek (5), Riehn, Büdel (7/2), Harmandic (1), Lilienfelds (3), Kirveliavicius (4)

HC Erlangen: Katsigiannis, Huhnstock - Theilinger (2), J. Link (2), Guardiola (3), Herbst, Haas (3), Bissel, Rahmel (4), Stranovsky (1/1), Horak, N. Link (11), Thümmler (2), Sabljic

SR: Colin Hartmann, Stefan Schneider
Zuschauer: 3530 (ausverkauft)
Zeitstrafen: 3 (Kelm, Büdel, Kirveliavicius) / 4 (J. Link, Guardiola, Rahmel, N. Link)
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