Herzogenaurach
hin und herzo

Spiel der Phantasie: Kulturfestival in Herzogenaurach

Wenn Hauptstraße und Marktplatz zum Entdeckungsraum werden, dann gibt es an allen Ecken viel zu erleben.
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Kathinka Marcks erzählte den Passanten Geschichten. Kunigunda Wirth lauschte aufmerksam.
Kathinka Marcks erzählte den Passanten Geschichten. Kunigunda Wirth lauschte aufmerksam.
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Zum Auftakt war es eher humorlos, was er da machte, erst am dritten Tag entdeckte er seine Phantasie und die Freude an einem schönen blauen Himmel: Petrus, oder wer auch immer im Universum dieser phantastischen Welt für das Wetter zuständig sein mag. Nach dem Platzregen am Freitagabend, der viele Besucher vertrieb, gab's am Samstag Wolken und Wind und eine eher verhaltene Nachfrage, doch der Sonntag versöhnte mit strahlend blauem Himmel und Sonnenschein. So bekam das Herzogenauracher Kulturfestival doch noch den verdienten Rahmen.

Entdeckungen

Wen es in die Innenstadt zog, der erblickte stets etwas Besonderes und Neues. An jedem Eck, auch in den Hinterhöfen der Hauptstraße, gab es vieles zu entdecken, das die Fantasie der Besucher weckte. "Phantasie" war auch der Titel des diesjährigen hin&herzo-Kulturfestivals, das neben den kostenlosen Darbietungen auf der Straße auch zahlreiche Highlights mit Eintritt bot. Hochkarätig und bunt war das Programm, das nach dem vorgezogenen Auftakt mit Suzanne von Borsody weitere Stars wie Rufus Beck oder die Physikanten sah.

Spontan, und auch mal improvisiert wirkend, gestalteten sich die zahlreichen Auftritte, die es gratis zu entdecken gab. Hauptstraße und Marktplatz wurden zum Entdeckungsraum und die Betrachter konnten ihre Fantasie spielen lassen.

Finster wie die Nacht

Diese war beispielsweise im Dunkelcafé gefragt. Finster wie die Nacht war es da drin, man bekam ein Getränk und durfte es auch bezahlen, ohne auch nur irgendetwas zu erkennen. "Ich hab mal lieber ein Wasser bestellt, wegen der möglichen Flecken", sagte Alois Köppl, den es mit Freunden in den stockdunklen Container zog. Seine Besorgnis war umsonst, denn alles hat wunderbar geklappt. Wenn man einen ganzen Tag da drin wäre, würde man viel darüber lernen, was es bedeutet, nicht sehen zu können und wie man sich da zurechtfinden muss, stellte er bewundernd fest.

Draußen angekommen, im grellen Licht des Tages, erwartete die Besucher eine etwas mysteriös wirkende Dame mit Schirm. "Darf ich Ihnen einen Geschichte erzählen?" Sie durfte bei vielen, so auch bei Carolin Roberts, einer gebürtigen Welker aus Herzogenaurach, die schon seit 30 Jahren in den USA lebt und just zum Kulturfestival mal schnell hinreiste nach Herzo. Begeistert war auch die 85-jährige Kunigunda Wirth. Sie musste nur eine Zahl sagen, die rüstige Dame wählte die 12, weil es ihr Geburtstag ist, und schon hatte Kathinka Marcks eine kleine Erzählung parat. In diesem Fall war es die wunderschöne Geschichte vom Nachtfalter und der Liebe. 101 Erzählungen kann die Freiburgerin abrufen. Festgelegt sind Titel und Handlung, doch wie sie ihre Geschichte dann ausschmückt, das entsteht jedes Mal neu in ihrem Kopf. "Das kommt auch auf die Leute an", sagt die 33-Jährige. Und es braucht viel Hang zur Fantasie.

Der Kurbel-Koffer

Eine andere Geschichte bekamen kleine und große Leute bei Oni Maurer, ebenfalls aus Freiburg, zu hören. Sie hatte ihren Kurbel-Koffer mitgebracht, aus dem eine Geschichte über das Meer und dessen Verschmutzung mit Plastikmüll herausfloss, die vom Publikum über große Muscheln zu hören war, die man ans Ohr halten musste. Es war eine kindgerecht erzählte Geschichte, "die auch Erwachsene nachdenken lässt", wie Jörn Matthiesen fand, der mit seiner Frau Renate gekommen war. Gerade ihn selbst machte das betroffen. "Ich bin früher zwei Jahre zur See gefahren", sagte er. Damals haben die Matrosen alles über Bord geworfen, was sie nicht mehr brauchten, sagte der aus Schleswig-Holstein stammende Besucher, der seit fünf Jahren in Höchstadt lebt. In der Koffer-Geschichte beschließt ein Parlament der Fische zum Schluss, den ganzen Müll im Meer den Menschen zurückzugeben.

Fantastisch war auch die Darbietung im Wassercafé. Direkt vor der Brauerei Heller drehte sich alles um Wasser - Wasser, das nicht zu Bier veredelt worden ist, sondern "Schönes Wasser" in seiner reinsten Form. Zwei Schauspieler bewirteten an kleinen Tischen Kinder aus dem Publikum mit offenbar herrlich schmeckendem Wasser - eine köstliche Pantomime, die die kleinen Mitwirkenden ebenso entzückte wie das Publikum außen herum.

Apropos Wasser: Auch kulinarisch gab's Ausflüge ins Reich der Fantasie. Oder zählt etwa ein Weißwurst-Burger zu den Standartgerichten?

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