Herzogenaurach
Störche

Sorge um den Storchennachwuchs

Die Mutter der Familie auf dem Schlossdach wird vermisst. Der Erlanger Storchenvater Zimmermann würde füttern wollen, die Stadt lehnt das aber ab.
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Vater Adebar muss sich allein um den Nachwuchs kümmern, die Gattin wird vermisst.  Foto: Heinz Czellnik
Vater Adebar muss sich allein um den Nachwuchs kümmern, die Gattin wird vermisst. Foto: Heinz Czellnik
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Die Storchenfreunde aus Herzogenaurach machen sich Sorgen. Und zwar um die Familie, die auf dem Schlossdach nistet. Denn von dem Paar ist offenbar nur der Vater übrig geblieben, die Gattin gilt als vermisst. Das aber hat zur Folge, dass die Fütterung der drei Jungvögel zum Problem werden kann.
Einer, der Meister Adebar auf dem Dach des Herzogenauracher Schlossgebäudes seit acht Jahren intensiv beobachtet, ist Heinz Czellnik. Er wohnt im Steinweg und hat von seinem Dachfenster aus einen wunderbaren Blick auf das Storchennest. Diesen Fensterplatz nutzt er seither für Foto-Dokumentationen. Und so ist ihm aufgefallen, dass das Männchen hoch da droben sich alleine um das Brutgeschäft kümmern muss. Denn das Weibchen hat er länger nicht mehr gesehen.


"Brut kann verhungern"

Einer, der seit mehr als vier Jahrzehnten sich um die Störche im Aurach- und Regnitzgrund kümmert, ist der Erlanger Michael Zimmermann. Der wiederum wurde aufgeschreckt von der Nachricht, dass das Herzogenauracher Schloss-Weibchen ausbleibt. Denn seiner Ansicht nach bedeutet das, dass mit dem Schlimmsten gerechnet werden müsse. Zimmermann meint damit, dass die Brut verhungern kann. Denn das Männchen allein sei überfordert: "Der wartet auf Wachablösung". Zum Futterholen würde der vielleicht mal nach vielen Stunden ausfliegen. Dann aber kann es nach Meinung des Erlanger Storchenvaters schon zu spät sein.
Auch Czellnik sagt: "Es ist fraglich, ob es ein Vogel schafft, diese drei Nimmersatt durchzubringen". Während der Herzogenauracher das Nest weiter beobachtet, appelliert er an die Bevölkerung, die Augen offen zu halten. Wenn jemand die Störchin mit der Ringnummer DER AL 751 gefunden habe, solle er das bitte der Stadt melden. Laut Czellnik ist es die dritte Partnerin des Storchenmannes, der seit acht Jahren der Pionier der Herzogenauracher Adebars sei.


Toter Storch

Tragisch ist ein weiterer Zwischenfall: Am Sonntag ist ein Weibchen beim Liebfrauenhaus tot aufgefunden worden. Offenbar handelt es sich da um des Schlossstorchs zweite Partnerin von 2017, vermutet Czellnik.
Michael Zimmermann hat unterdessen seine Hilfe angeboten. Man müsse dringend helfen, sagt der 82-Jährige. Er wäre bereit, sofort zwei Kilogramm klein geschnittenes Rindfleisch zu füttern. Dann wäre wenigstens der erste Hunger gestillt. Zimmermann: "Das schafft einen Tag Zeit." Freilich bräuchte der Helfer dazu eine Vorrichtung, die ihn auf das Schlossdach hievt. Also idealerweise die Drehleiter der Feuerwehr. Das aber hat die Stadt inzwischen abgelehnt. So ein Eingriff wäre ein ziemlicher Aufwand, sagte Mignon Ramsbeck-Ullmann aus dem Umweltamt im Rathaus nach Rücksprache mit Bürgermeister German Hacker. Vor allem müsste man das eine Zeit lang täglich tun. Und es sei nicht gesagt, dass es die Störche nicht von selbst schaffen können. Dabei bezieht man sich offenbar auf eine Haltung des Landesbundes für Vogelschutz (LBV). Es gehe hier um einen natürlichen Vorgang, und da wolle man nicht eingreifen. Generell sei der Storch als Lebewesen in Deutschland ja auch nicht mehr bedroht.


Sieben Nester in der Stadt

Das kann Czellnik bestätigen. Sieben Nester gebe es in der Stadt, sagte er. So viele wie noch nie. Vor 2010 hätten überdies 40 Jahre lang überhaupt keine Störche in Herzogenaurach gebrütet. Ob all diese belegten Nester Nachwuchs hervorbringen, will Czellnik noch genauer beobachten. Denn nicht überall hat man so einen Einblick wie von seinem Fenster aus. Die sieben Nester befinden sich laut Czellnik auf den Dächern von Schloss, Rathaus, Beyschlagscher Apotheke, Heller-Bräuhaus, evangelischer Kirche. Kirche St. Otto und auf dem Kuwe-Schlot.
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