Neuenbürg

Solarpark: Neuenbürger erreichen Kompromiss

Ein geplanter Solarpark, fast so groß wie die Fläche ihres Dorfes, hat die Bewohner eines Weisendorfer Ortsteils auf die Barrikaden getrieben.
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Martin Bichler, Heinrich Süß, Maximilian von Gagern und Verwaltungsleiterin Eva Fröhlich (sitzend v. l.) zeigten sich offen für die Argumente der Anwohner.    Foto: Richard Sänger
Martin Bichler, Heinrich Süß, Maximilian von Gagern und Verwaltungsleiterin Eva Fröhlich (sitzend v. l.) zeigten sich offen für die Argumente der Anwohner. Foto: Richard Sänger
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Die Besucher der Bürgerversammlung in Neuenbürg wurden bereits am Eingang zum Schützenhaus mit einem großflächigen Transparent "Energiewende mit Anstand und Abstand! Kein Solarpark in Neuenbürg!!!" empfangen. Im Schützenhaus selbst reichten die Plätze für die vielen interessierten Besucher aus Neuenbürg, Weisendorf und Großenseebach kaum aus und es wurden weitere Sitzgelegenheiten aufgestellt.

Der Weisendorfer Gemeinderat war bereits am 6. Mai über die Projektplanung "Solarpark Neuenbürg" von Sepp Bichler von der Firma "Energiebauern" aus Sielenbach informiert worden. Die vorgesehene Fläche am westlichen Ortsrand von Neuenbürg umfasst zehn Hektar, Eigentümer ist die Familie Irina und Maximilian von Gagern. Da der Widerstand seit der Sitzung des Marktgemeinderates spürbar war, luden die Gemeinde und Bürgermeister Heinrich Süß (UWG) zu einer Bürgerversammlung ein. Bereits in der Gemeinderatssitzung hatte Süß erklärt, dass zur Realisierung des Projektes der Flächennutzungsplan geändert und ein Sondergebiet der Photovoltaik-Freiflächenanlage "Solarpark Neuenbürg" ausgewiesen sowie ein Bebauungsplan aufgestellt werden müsse.

Schloss-Unterhalt kostet viel Geld

"Das Vorhaben wird heute nicht beschlossen, sondern am Ende eine Empfehlung für den Marktgemeinderat gefasst", erklärte der Bürgermeister zu Beginn der Versammlung. Unter den Teilnehmern befanden sich neben dem Grundstückseigentümer auch Gemeinderäte aus allen Fraktionen, um sich ein "Stimmungsbild" der Ortsteilbewohner machen zu können.

Wie Maximilian von Gagern erklärte, verpachte er die Fläche nicht aus Jux und Tollerei. Eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach seiner Scheune sei vom Denkmalschutz abgelehnt worden, aber der Unterhalt und Erhalt des Schlosses koste eben viel Geld. Er verwahrte sich auch gegen die Formulierung "Energiewende mit Anstand ", denn ihm sei sehr wohl an einem Miteinander und Einvernehmen in Neuenbürg gelegen. Er wolle keineswegs Zwietracht säen, sondern allen Neuenbürgern in die Augen schauen können.

Vergleich mit Industriegebiet

Nach den Ausführungen des Juniorchefs Martin Bichler stoßen die Projekte der "Energiebauern" in der Bevölkerung auf hohe Akzeptanz, da die Anlagen nicht nur zur Energiewende beitrügen, sondern auch eingegrünt und von Schafen als "Landschaftspflegern" beweidet werden.

Viele Neuenbürger sehen das allerdings etwas anders, machte deren Sprecher Christoph Rütten mit einer Präsentation deutlich. Er sei mit seiner Familie vor zwei Jahren bewusst in das Dorf Neuenbürg gezogen, und jetzt würden die Anwohner mit einem Solarpark konfrontiert, den einige Anwesende sogar als Industriegebiet bezeichneten. Die Anlage verändere das Landschaftsbild, sorge für Immissionen, widerspreche dem Naturschutz und sorge für einen erheblichen Wertverlust der angrenzenden Grundstücke und Wohnhäuser, führe zur Vernichtung von wertvollen Ackerflächen und beeinträchtige die Lebensqualität der Anwohner.

Gegen das Vorhaben wurden bereits über 90 Unterschriften gesammelt, denn schließlich würde damit eine Fläche von rund 90 Prozent der Größe des Ortsteiles überbaut. Die vielen Fragen der Versammlungsteilnehmer versuchte Martin Bichler zu beantworten und einige Aussagen auch zu entkräften. Den Vorwurf eines Versammlungsteilnehmers, es handele sich um eine reine Werbeveranstaltung, wies Bürgermeister Süß zurück. Es gehe um Informationen, und Befürworter können ihren Standpunkt ebenso vertreten wie Gegner des Vorhabens. Und auch den Vorwurf einer Teilnehmerin, die Gegenargumente würden "vom Tisch gewischt", ließ der Bürgermeister nicht gelten.

Gemeinde hat keine Flächen

Die Versammlungsteilnehmer begrüßen im Grunde die Energiewende und haben auch keine Probleme mit Photovoltaik-Anlagen, aber eben nicht unmittelbar an der Wohnbebauung. Es wurde auch die Frage nach Alternativflächen gestellt. Diese würde die Firma "Energiebauern" auch gerne nehmen, wenn sie geeignet sind, erklärte dazu Martin Bichler. Nach Aussage des Bürgermeisters verfüge die Gemeinde aber selbst nicht über solche Flächen, sonders dazu seien die Grundstücksbesitzer gefragt.

Der Markt Weisendorf würde bei Verwirklichung des Projektes oder bei der gleichen Menge von Anlagen auf den Dächern, wie von Versammlungsteilnehmern gefordert, auf Anhieb das beschlossene Klimaschutzziel bis 2030 erreichen. Dabei wies Bürgermeister Süß auch die Aussage von Gemeinderat Norbert Maier (Grüne) zurück, derzufolge die Gemeinde in den vergangenen Jahren zu wenig getan zu haben, um Weisendorf zu Hundert Prozent mit regenerativer Energie zu versorgen.

Trotz aller gegensätzlichen Meinungen wurde am Ende ein Kompromiss gefunden. So werde die Firma "Energiebauern" zusammen mit Maximilian von Gagern prüfen, ob die Anlage verkleinert werden kann und noch rentabel arbeitet, wenn der Abstand zum Ortsrand 500 Meter beträgt. Dazu wurde ein Empfehlungsbeschluss mit einfacher Mehrheit der anwesenden stimmberechtigten Neuenbürger gefasst, dass der Flächennutzungsplan nicht geändert wird, wenn die Module nicht den gewünschten Abstand zu den Wohnhäusern einhalten.

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