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Höchstadt a. d. Aisch
Gesetz

So bereiten sich Kindergärten und Schulen im Landkreis Erlangen-Höchstadt auf die Impfpflicht vor

Ab dem 1. März müssen alle Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr beim Eintritt in die Schule oder den Kindergarten die Masern-Impfungen vorweisen. In den meisten Kindergärten in der Region Höchstadt stößt das auf Zuspruch.
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Ab dem 1. März müssen alle Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr beim Eintritt in die Schule oder den Kindergarten die Masern-Impfungen vorweisen. In der Adelsdorfer Kita "Villa Sonnenschein"  werden nun die Impfausweise der Kinder kontrolliert. Foto: Franziska Rieger
Ab dem 1. März müssen alle Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr beim Eintritt in die Schule oder den Kindergarten die Masern-Impfungen vorweisen. In der Adelsdorfer Kita "Villa Sonnenschein" werden nun die Impfausweise der Kinder kontrolliert. Foto: Franziska Rieger

Masern wird ab März der Kampf angesagt: Nach dem neuen Masernschutzgesetz müssen alle Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr beim Eintritt in die Schule oder den Kindergarten die Masern-Impfungen vorweisen. Für Kinder, die bereits vor dem 1. März eine Kita oder Schule besuchen, muss der Nachweis bis 31. Juli 2021 erbracht werden. Gleiches gilt für Erwachsene, die in öffentlichen Einrichtungen arbeiten und nach 1970 geboren sind.

In den Kitas im Raum Höchstadt bereiten sich die Einrichtungen bereits auf das Gesetz vor. In der Kita Kunterbunt in Adelsdorf kommt die Impfpflicht beim Großteil der Eltern gut an. "Als wissenschaftlich aufgeklärte Gesellschaft haben wir die Verpflichtung, dass unsere Kinder geimpft werden", sagt David Helmreich, der zwei Töchter in der Kita hat. Weil es trotzdem genug Eltern gibt, die ihre Kinder nicht impfen lassen, brauche es eben eine Pflicht.

Die Adelsdorferin Susanne Lugner hat mit ihrem zweijährigen Sohn einen besonderen Fall: Weil er allergisch gegen ein Eiweiß, das in kleinsten Mengen im Impfstoff vorhanden ist, reagiert, war es riskanter, ihren Sohn zu impfen. Und umso gefährlicher war es für ihn, sich zwischen anderen ungeimpften Kindern aufzuhalten. Durch das Masernschutzgesetz könne man sich nun auf den sogenannten Herdenschutz verlassen. Inzwischen ist ihr Sohn auch geimpft, hat die Impfung gut überstanden.

Die Sicht der Kitas

Im evangelischen Matthias-Claudius-Kindergarten in Höchstadt ist das Personal auf das neue Gesetz vorbereitet. "Bei uns sind alle Kinder gegen Masern geimpft", sagt Leiterin Andrea Käppner. Um das zu kontrollieren, hat die Leiterin die Impfpässe aller Kinder überprüft. "Das war bei uns überhaupt kein Problem", sagt sie.

Nur ein Kind sei nicht geimpft gewesen. Dessen Eltern seien dann aber einsichtig gewesen. Wenn Eltern ein Kind anmelden möchten, das nicht geimpft ist, würde Käppner das zuerst mit ihrem Vorgesetzten absprechen und notfalls das ungeimpfte Kind nicht in der Kita aufnehmen.

In der Vergangenheit habe es im Kindergarten immer mal Impfgegner gegeben. "Wir haben dann versucht, die Eltern zu beraten und zu einem Gespräch zum Kinderarzt geschickt", sagt sie. Ähnlich äußert sich Sabine Steffanides, Leiterin der Kita Villa Sonnenschein in Adelsdorf. Die wenigen Eltern, die ihr Kind bisher nicht haben impfen lassen, hätten dem nun zähneknirschend zugestimmt.

Stephanie Mack, Pressesprecherin am Landratsamt Erlangen-Höchstadt, sagt dazu: Fehlt bei neu angemeldeten Kindern ein Nachweis über eine Masern-Impfung, muss die Einrichtungsleitung dies an das Gesundheitsamt melden. Bei schulpflichtigen Kindern könne das Ordnungsamt nach Überprüfung der Sachlage, Beratung und weiterhin fehlendem Nachweis ein Ordnungswidrigkeitsverfahren einleiten beziehungsweise ein Zwangsgeld erheben.

Mack betont: "Die Kontrolle eines ausreichenden Impfschutzes beziehungsweise einer Immunität gegen Masern liegt in der Verantwortung des jeweiligen Einrichtungsleiters." Der Landkreis regele die Kontrollen nicht, da diese in den Bestimmungen noch festgelegt werden.

Unklar ist noch, wie die Schulen mit der Impfpflicht umgehen sollen. Schließlich besteht für Schulkinder eine Schulpflicht. Vom Kultusministerium habe es dazu noch keine Anweisungen an die Schulen gegeben, sagt Friedrich David, Leiter des Schulamtes im Landkreis Erlangen-Höchstadt. Wie bei herkömmlichen Schulschwänzern könne beim Fernbleiben ein Bußgeld verhängt werden, wie dies genauer geregelt wird, sei aber noch nicht klar, so David. Er betont: "Schulpflicht besteht immer."

Von der Regierung von Mittelfranken heißt es dazu: Anfang nächster Woche sollen die Schulen Hinweise zur Umsetzung vom Bayerischen Kultusministerium erhalten. Diese seien mit dem zuständigen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege (StMGP) abgestimmt.

Anfang März werden den Schulaufsichtsbehörden diese Umsetzungshinweise erläutert und auftretende Fragen beantwortet. "Schulpflicht hat grundsätzlich Vorrang vor Impfpflicht", sagt Regierungssprecher Klaus Speckner. Schüler, die keinen Nachweis erbringen und noch der gesetzlichen Schulpflicht unterliegen, müssen weiterhin die Schule besuchen.

Eine separate Unterrichtserteilung für Kinder, die keinen Impfnachweis vorlegen, sei nicht geplant. Außerdem erfasse die Impfpflicht alle Schüler unabhängig von der Nationalität. "Ausgenommen von der Impfpflicht sind lediglich Personen mit einer medizinischen Kontraindikation", sagt Speckner.

Das Masernschutzgesetz tritt am 1. März in Kraft

Verstöße Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen, werden künftig eine Ordnungswidrigkeit begehen und müssen mit einer Geldbuße in Höhe von bis zu 2500 Euro rechnen. Die Geldbuße kann auch gegen die Leitungen von Kindertagesstätten verhängt werden, die nicht geimpfte Kinder zulassen.

Nachweis Der Nachweis kann durch den Impfausweis oder, insbesondere bei bereits erlittener Krankheit, ein ärztliches Attest erbracht werden. Kinder, die schon jetzt im Kindergarten und in der Schule oder in anderen Gemeinschaftseinrichtungen betreut werden, müssen den Nachweis bis zum 31. Juli 2021 erbringen.

Auffrischung Eine Ursache der Masern-Ausbrüche der vergangenen Jahre sind die Impflücken (oft fehlt die 2. Impfung) bei Jugendlichen und Erwachsenen. Deshalb sollten Personen, die nach 1970 geboren sind, ihren Impfschutz überprüfen lassen.

Quelle: Bundesministerium für Gesundheitfr