Heßdorf
Dieselpanne Heßdorf

Sicherheitszone Tankstelle: Wohin fließt die Brühe?

Immer wieder läuft an Tankstellen Kraftstoff aus, wie am Dienstag bei einem peinlichen Irrtum eines Wohnmobil-Fahrers in Heßdorf. Aber wohin fließt die Brühe dann eigentlich genau?
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Von außen nicht zu sehen: Die OMV-Tankstelle in Heßdorf ist eine Hochsicherheitszone. Foto: Christian Bauriedel
Von außen nicht zu sehen: Die OMV-Tankstelle in Heßdorf ist eine Hochsicherheitszone. Foto: Christian Bauriedel
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Ärgerlich, aber so etwas kann passieren: Am Dienstagmittag ist einem Fahrer an der Tankstelle in Heßdorf ein fataler Irrtum unterlaufen. Er wollte sein Wohnmobil mit Diesel betanken und verwechselte die Stutzen. Anstatt in den Tank, wo der Treibstoff landen sollte, befüllte der 50-Jährige den Frischwasserbehälter seines Wohnmobils. Der lief über, und das Diesel-Wassergemisch verbreitete sich in der ganzen Tankgasse.

Es handelte sich zwar um eine relativ kleine Menge von etwa zwei Litern, aber das Wasser verteilte sich rasch auf dem Vorplatz der Zapfsäule. Die Feuerwehr Heßdorf wurde alarmiert und ging das Malheur mit Bindemittel an. Nach rund zwei Stunden war der Belag wieder begehbar.

Hochsicherheitszone Tankstelle

So etwas hat Lothar Westenburger, der die Heßdorfer Tankstelle seit sieben Jahren betreibt, auch noch nicht erlebt.
Für den Fall, dass Treibstoff ausläuft, sei man aber bestens gerüstet. Denn Tankstellen sind technische Hochsicherheitszonen: "Die komplette Fläche ist mit Spezialbeton versiegelt und hat ein Gefälle", sagt Westenburger. Die Neigung der Betonfliesen ist nötig, damit keine umweltschädlichen Stoffe in den Außenbereich der Tankstelle gelangen können.

Die Brühe wird speziell behandelt

Doch wohin läuft die Brühe - wie im Fall des falsch tankenden Campers in Heßdorf - dann eigentlich genau? Wie so oft klingt die Antwort erstmal kompliziert: "In einen Diesel-Koaleszenzabscheider", sagt Michael Schwarzmann, der beim Umweltamt Erlangen-Höchstadt für das Wasserrecht zuständig ist.

Der sogenannte Diesel-Koaleszenzabscheider ist das Herzstück der Abwasseranlage einer Tankstelle. Das massive Wort beschreibt einen eigentlich recht einfachen Vorgang: Wenn Diesel austritt, läuft er über den versiegelten Tankstellenboden in einen Gullideckel unter dem sich ein Auffangbecken aus Beton befindet. Darin wird dann das Wasser von Diesel, Benzin und Öl getrennt. Der giftige Schlamm wird dann von Spezialfirmen abgepumpt und entsorgt.

Diesel schwimmt oben

"Koaleszenz beschreibt den Zustand, wenn feine Tröpfchen des Treibstoffes im Wasser schweben", sagt Schwarzmann. An einer schwammartigen Matte steigen die Dieseltropfen nach oben. Für die Abscheidung macht man sich den physikalischen Effekt zu Nutze, dass Treibstoff leichter ist als Wasser und oben aufschwimmt, erklärt Schwarzmann. Über einen Schwimmer, kann der Zu- und Ablauf aus dem Abscheiderbecken geregelt werden. Steigt der ölhaltige Anteil an, wird Alarm ausgelöst.

21 Tankstellen im Landkreis

Der staatlich geprüfte Oberflussmeister kennt sich mit dem Abwassersystem von Tankstellen gut aus. Denn Teil seiner Arbeit ist es, die 21 Tankstellen im Landkreis zu überprüfen und geplante Anlagen zu begutachten. Der 50-Jährige weiß viel über Vorschriften und DIN-Normen, etwa bei Betonversiegelungen, unteridischen Tanks und Rohrleitungen.

Er kontrolliert auch die Koaleszenzabscheider. Im Fall der Heßdorfer Tankstelle handle es sich um ein Fassungsvermögen von etwa fünf Kubiklitern, sagt Betreiber Westenburger. Bei einem Missgeschick wie am Dienstag also kein Problem.

Selbst Schlauchriss kein Problem

"Das Fassungsvermögen ist so bemessen, dass selbst wenn ein Tanklaster beim Liefern einen gerissenen Schlauch hat, alles ablaufen kann", sagt Oberflussmeister Schwarzmann. Solch großen Unfälle habe er aber noch nicht erlebt. Häufiger seien dann schon Fahrer, die beim Zapfen die Zeit vergessen und das Benzin aus dem Tank quellen lassen. Oder auch Fälle, in denen Leute mit dem Zapfhahn im Stutzen einfach losfahren. Dann schalte aber meistens die Zapfsäule durch einen Sicherheitsmechanismus von selbst ab.
Auch Matthias Rocca kennt diese Fälle. Der Herzogenauracher Feuerwehrmann ist gewählter Kreisbrandrat. Ende April wird er Harald Schattan in der Position ablösen. "Eigentlich ist die Feuerwehr bei Ölspuren an Tankstellen gar nicht zuständig", sagt Rocca. Der Tankstellenbetreiber habe sich aber vorbildlich verhalten, bei einem großflächigeren Malheur gleich die Feuerwehr einzuschalten.

Zu rund 30 Ölspuren werde die Herzogenauracher Feuerwehr im Jahr gerufen. Natürlich nicht nur an Tankstellen. Zuständig auf den Straßen sei gesetzlich eigentlich die öffentliche Hand. "Ölspuren sind keine Pflichtaufgabe der Feuerwehr", sagt Rocca.

Die Stadt Herzogenaurach habe eine Kooperation mit einer Firma, die die Ölbeseitigung übernimmt. Aber wenn sie gerufen werden, helfen die Feuerwehrleute selbstverständlich mit Bindemittel und Besen. Anders als auf Straßen, könne an Tankstellen wegen des Spezialbelags nichts in den Untergrund sickern, sagt Schwarzmann. "Tankstellen sind so gebaut, dass keine Flüssigkeiten von der Anlage nach draußen gelangen können."

In den 80ern war noch gepflastert

Ein Umweltbewusstsein, das noch gar nicht so lange vorhanden ist. Noch bis Ende der 80er Jahre seien Tankstellen normal gepflastert gewesen. Seitdem hätten sich die technischen Auflagen enorm verschärft. Heute sei beim Bau einer Tankstelle ein detailliertes Regelwerk zu beachten.

Schwarzmann habe zufällig bei einer routinemäßigen Kontrolle in Heßdorf von der Dieselpanne des Campers erfahren. "Heute sieht man schon fast nichts mehr davon", sagt er. Wie Tankstellenmitarbeiter erzählten, habe der Wohnmobilbesitzer sich den älteren Fiat gerade erst gebraucht gekauft. Es werde nicht ganz einfach sein, den Frischwasserbehälter zu reinigen, schätzt Schwarzmann. Dieselgeruch ist hartnäckig. Da wartet eine schmierige Aufgabe auf den Falschtanker.



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