Höchstadt a. d. Aisch
Aufklärung

Sich der Gefahr bewusst werden

Die Ausstellung "Bildersucht und Cyberflucht" im ehemaligen Heizhaus der Fortuna Kulturfabrik zieht Schulklassen an.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Ausstellung zum Thema Handy- und Onlinesucht spricht vor allem - aber nicht nur - Jugendliche an. Foto: Luitgart Kern
Die Ausstellung zum Thema Handy- und Onlinesucht spricht vor allem - aber nicht nur - Jugendliche an. Foto: Luitgart Kern
+1 Bild

Eine kurze Pause auf der Arbeit, der Griff geht sofort in die Tasche - ans Handy. Für viele Menschen ist das mittlerweile normal, soziale Medien und das Smartphone gehören zu ihrem Leben dazu, wie der Kaffee am Morgen. Dabei sind sie in nahezu alle Lebensbereiche eingedrungen. Dieses Konsumverhalten kann schnell in Sucht umschlagen.

Ein schleichender Prozess

"Es ist nichts, was von heute auf morgen passiert", erklärt Sozialberaterin Luitgart Kern vom Landratsamt Erlangen-Höchstadt. Es sei ein schleichender Prozess. Am Samstag sollten deshalb eigentlich drei Vorträge zum Thema Sucht stattfinden, doch das Interesse der Bevölkerung war gering. Die Stühle in der Fortuna Kulturfabrik blieben leer. Dabei sagt Organisatorin Ulrike Reinhardt: "Alle Jugendlichen können davon betroffen sein."

Bereits vergangene Woche haben die Veranstalter die Ausstellung "Bildersucht und Cyberflucht" im angrenzenden Heizhaus eröffnet. Dorthin kamen bereits zahlreiche Schulklassen aus den weiterführenden Schulen Höchstadts. Interviews mit Betroffenen sollen für das Thema sensibilisieren. Viele Schüler unterschätzen, dass man auch nach Medien süchtig werden kann, meint Kern.

Erwachsene sind Vorbilder

Handlungsbedarf sieht sie aber schon bei den Erwachsenen. Denn auch ein Blick auf das Smartphone am Esstisch würde kein gutes Vorbild abgeben. Sie denkt, eine erhöhte Mediennutzung könnte eine Ersatz-Sucht sein. Statt zum Glimmstängel wird mittlerweile viel häufiger zum Handy gegriffen.

Zudem fliehen Jugendliche immer öfter in Online-Welten, in Spiele und in ihre Charaktere, so Kern. Dort bekämen sie die Anerkennung, die ihnen im wahren Leben oft nicht gegeben werde: "Das ist leider eine sehr gut funktionierende Alternative."

Eine Alternative, die immer wieder auch im Zusammenspiel mit anderen Drogen steht. Michael Thiem, Leiter der Laufer Mühle, stellt das immer häufiger fest: "Es gibt die ersten Fälle, die bei uns aufschlagen." Normalerweise behandelt die Laufer Mühle Drogen- und Alkoholabhängige. In der ersten Zeit des Entzugs müssen die Kranken auf alles Unwichtige verzichten. Und das sind dann auch Smartphone und Internet. "Wir merken, dass die Leute Entzugserscheinungen bekommen", sagt Thiem. In seinem Vortrag am Samstag hätte es um Sucht im Betrieb gehen sollen. Denn immer öfter klagen Unternehmen, dass sie Arbeitsausfälle durch Süchte haben. Dazu gehört auch das Handy. Er wirbt für analoge Aktivität, denn so könnten Süchte abgehalten werden.

Online Drogen bestellen

Kerstin Schimura von der Drogen- und Suchtberatungsstelle sieht Gefahren auch bei sogenannten neuen psychoaktiven Substanzen. Das sind synthetisch hergestellte Drogen, die oft noch legal sind. Im Internet kann man sie bestellen, doch: "Man ist wie ein Versuchskaninchen, denn man weiß nie, was drin ist." Das kann schon nach dem ersten Konsum weitreichende Folgen haben. Die Stoffe seien hochgefährlich, die Konsumenten unberechenbar. "Die Zustände der Leute wechseln von der einen zur anderen Sekunde", sagt Schimura. Die Drogen werden oft nur einmal genommen und danach "nicht mehr angerührt".

Noch bis Mittwoch

Die Ausstellung "Bildersucht und Cyberflucht" ist noch bis zum Mittwoch für alle Interessierte geöffnet.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren