Herzogenaurach
Sensation

Sensationeller Mammut-Fund in Herzogenauracher Hinterhof

In einem Herzogenauracher Anwesen wurde der versteinerte Backenzahn eines sibirischen Wollhaar-Mammuts entdeckt. Grabungen sollen klären, ob sich dort ein frühzeitlicher Elefanten-Friedhof verbirgt.
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Klaus Kummeth stellt den Sensationsfund im Schaufenster der ehemaligen Bäckerei in der Hauptstraße 65 für die Öffentlichkeit aus. Fotos: Michael Busch, Montage: Franziska Schäfer
Klaus Kummeth stellt den Sensationsfund im Schaufenster der ehemaligen Bäckerei in der Hauptstraße 65 für die Öffentlichkeit aus. Fotos: Michael Busch, Montage: Franziska Schäfer
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Muss die Entstehungsgeschichte der Gegend um Herzogenaurach neu geschrieben werden? Ein sensationeller Fund aus der westlichen Hauptstraße lässt die Experten darüber nachdenken. Denn bei Grabungen im Hinterhof eines alten Hauses ist der Backenzahn eines sibirischen Mammuts entdeckt worden. Geschätztes Alter des Funds: 20.000 bis 40.000 Jahre, wie der stolze Entdecker Klaus Kummeth mitteilt.

Er ist Besitzer des Anwesens in der Hauptstraße 65, das den älteren Herzogenaurachern als Bäckerei Kummeth noch ein Begriff ist. Das 1534 erbaute Haus wird zurzeit von Denkmalschützern untersucht, da es restauriert und wieder als Wohnhaus genutzt werden soll. In diesem Zusammenhang hat man auch Grabungen angestellt, vermutlich weil man ein noch älteres Kellergewölbe vermutete. Und da stieß man auf den Backenzahn.

Heute Ortstermin

Für Kummeth ist das eine Sensation, wie sie die Stadt noch nicht erlebt hat. Denn es ist der erste Fund dieser Art in Franken. Er hat die Wissenschaftler darüber in Kenntnis gesetzt, die sich der Sache nun annehmen wollen. Für Dienstag, 1. April, ist ein Ortstermin angesetzt. Um 14 Uhr werden Experten sich das Areal genau anschauen. An der Heimat interessierte Bürger sind gerne dazu eingeladen.

"Der Stoßzahn stammt vermutlich aus dem späten Pleistozän", sagt Florian Otto, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Spätgeschichte an der Uni Erlangen. Rund 10.000 Jahre alt sei das Fundstück aus der so genannten Weichsel-Eiszeit. "Markant ist die Riffelung an der Oberseite", sagt der 37-jährige Urzeit-Forscher. Daran könne man erkennen, dass es sich um einen sibirischen Mammut handelt. Lateinisch: mammut putinäiis sibirica.

Für Kummeth selbst wirkte der Fund erst gar nicht so spektakulär. "Das war halt ein großer Dreckklumpen", sagte er auf Anfrage von infranken.de. "Da klebte Erde dran. Ich vermutete, dass da was drunter sein könnte." Nach einem Wochenende in der Badewanne - also nicht Kummeth, sondern das Fundstück - war er schlauer. "Da hat sich dann abgezeichnet, dass es irgendeine Versteinerung sein musste. Was genau, das wusste ich immer noch nicht."

Schulkollege wusste Rat

Ein ehemaliger Schulkollege wusste Rat. Der hatte zwei Semester Archäologie studiert, erinnerte sich Kummeth, und er rief ihn an. Der entlarvte das Schmuckstück und bescheinigte seinem Herzogenauracher Freund: "Es ist der Backenzahn eines sibirischen Wollhaar-Mammuts. Das ist eine kleine Sensation."

Sensationell ist der Fund auch für die Herzogenauracher Heimatforscher. "Bisher sind wir immer davon ausgegangen, dass die Auerochsen mit der frühen Geschichte der Stadt untrennbar verbunden sind", sagte der Historiker Klaus-Peter Gäbelein. Deshalb ja der alte Name Uraha für Herzogenaurach. "Wenn man jetzt ein paar zigtausend Jahre zurückgeht, tauchen plötzlich die Mammuts auf. Fantastisch", jubelt Gäbelein. Elefanten statt Rindviecher - auch ein schöner Gedanke für die Urbewohner an der Aurach.

Der Vorsitzende des Heimatvereins hat sich sofort an Kummeth gewandt. "Wir müssen dem auf die Spur gehen", sagte er mit Jägerinstinkt. Kummeth hat die Idee aufgegriffen und richtet einen Appell an etwaige Sponsoren, die Suche zu unterstützen. "Wenn wir auch noch einen Stoßzahn oder gar ein ganzes Skelett oder noch mehr finden", sagte er, "das wäre ja nicht auszudenken, was das für die Herzogenauracher Urgeschichte bedeuten würde."

Eine historische Einschätzung liefert der promovierte Urzeit-Forscher Florian Otto: Erstaunlich sei vor allem das Vorkommen des aus Sibirien eingewanderten Ur-Elefanten: "Bisher sind wir davon ausgegangen, dass die Gletscher der Eiszeit nur bis nach Höchstadt reichten", sagt Otto.

Den Backenzahn stellt Kummeth heute im Schaufenster des alten Hauses in der Hauptstraße 65 aus. Damit sich alle interessierten Bürger selbst ein Bild machen können.
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