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Flora

Seltene Pflanzenart im Landkreis Erlangen-Höchstadt entdeckt

Die seltene Pflanze "Südliche Seide" wächst zum ersten Mal auch in der Region um Höchstadt.
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Hans Krautblatter (rechts) nimmt die Blüten der seltenen Pflanze mit Friedrich Lechner interessiert genauer unter die Lupe. Foto: Mirjam Stumpf
Hans Krautblatter (rechts) nimmt die Blüten der seltenen Pflanze mit Friedrich Lechner interessiert genauer unter die Lupe. Foto: Mirjam Stumpf
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Sie soll mit ihren orange schimmernden Fäden ein wahres Hexen- oder Teufelswerk gewesen sein, so erzählte man sich früher. Daher trägt die Pflanze der Art "Südliche Seide" im Volksmund auch den sprechenden Namen "Teufelszwirn".

Für die hier gelegene Region ist die "Südliche Seide", deren Fäden sich wild um einen Strauch Beifuß ranken, eine Seltenheit. "An einem Beifuß habe ich das noch nie gesehen", sagt Gärtner Friedrich Lechner über das Gewächs, das optisch an Unkraut erinnere. Er hat die Pflanze direkt an der B 470 zwischen Mailach und Uehlfeld entdeckt.

Die Gattung der Seide gehöre zur Familie der Windengewächse, erklärt Biologe Hans Krautblatter. Weltweit gebe es 170 Arten von Seide. In Deutschland seien es lediglich acht. Eine davon ist die "Nesselseide", die im fränkischen Gebiet häufiger zu finden ist. Die "Südliche Seide" hingegen sei hier noch nicht vorgekommen, berichtet Krautblatter. Der orangefarbene Vollparasit profitiere vom Beifuß. "Mit seinen langen Stängeln umschlingen sie die Würzpflanze", so Krautblatter.

Auch in Deutschland selten

Dank des geschulten Auges von Friedrich Lechner konnte die auf den ersten Blick unauffällige Pflanze am Straßenrand überhaupt erst gefunden werden. Er vermutet, dass sich ihre Samen vor allem durch den Fahrtwind verschiedener Transportmittel hier ausbreiten konnten. Die "Südliche Seide" sei, wie schon der Name verrät, eher im Südosten Europas zu Hause, sagt auch Krautblatter. Er selbst habe diese Art bisher nur in der Region um den Lago Maggiore selbst bewundern können.

Eigentlich falle es der Pflanze schwer, in diesem nordbayerischen Klima Fuß zu fassen. "Mit der zunehmenden Erwärmung ist sie nun auch bei uns geeignet", so der Biologe. Die "Südliche Seide" "tarnt sich, weil sie ähnliche Blüten hat wie der Beifuß", fügt Lechner an.

Auch deutschlandweit sei die "Südliche Seide" bisher nur zweimal im Rheintal gefunden worden. In Bayern hätten Forscher sie nur einmal entdecken können, um Grafenrheinfeld bei Schweinfurt, noch vor dem Jahr 1954.

Friedrich Lechner hält den umschlungenen Strauch noch einmal in die Höhe. "Wenn Licht durchfällt, sieht sie wirklich aus wie vom Teufel", versteht er den Zweitnamen der Pflanze. Er möchte die Seide nun noch ein paar Tage wachsen lassen, bevor er einige ihrer Blüten auch auf weitere Exemplare von Beifuß setzen möchte. Dann könnte die für die Region seltene Art gar nicht mehr so selten bleiben.

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