Herzogenaurach
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Seit 25 gestaltet Martin Vogel das Ferienprogramm

Seit fast 25 Jahren ist Martin Vogel dafür verantwortlich, dass die Herzogenauracher Kinder in den Ferien ihre Freizeit interessant verleben können. Denn er ist seit einem Vierteljahrhundert für das städtische Ferienprogramm verantwortlich.
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Bea Wirth steht mit Martin Vogel beim "Gummihupf" für ihre Tochter Svea. Die "Ferienmacher" wollen das alte Spiel wieder bekannt machen.   Fotos: Lindner
Bea Wirth steht mit Martin Vogel beim "Gummihupf" für ihre Tochter Svea. Die "Ferienmacher" wollen das alte Spiel wieder bekannt machen. Fotos: Lindner
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Auf Martin Vogels Schreibtisch steht eine ordentliche Schachtel voll mit gelben Heften: Das Archiv der Herzogenauracher Ferienprogramme. Jeder Jahrgang ist noch vorhanden. Sein Äußeres ist seit 1987 fast unverändert. "Das hat schon Kultstatus", sagt Vogel, der sein 25. Dienstjahr als "Ferienmacher" begonnen hat. 1989 kam zur Jugendarbeit der Stadt und übernahm die Planung und die Betreuung des Spielmobils. "Das war ein rollender Spielplatz, der zu den Kinder in den Stadtteilen gekommen ist."

Das Spielmobil wurde schon 1980 durch Hans Ehl ins Leben gerufen. Betreut wird es seit 2011 von Bea Wirth. Ihr erster Arbeitstag, so erinnert sie sich noch ganz genau, war im Freibad, wo traditionell die Ferien eingeläutet wurden. "Ich habe aber in den folgenden Jahren bald gemerkt", sagt sie rückblickend, "dass immer weniger Kinder kamen.
Immer weniger durften allein ins Freibad." Sie ist sich sicher, dass in ihrer Jugend sogar die ganz Kleinen mit den Freunden, nicht an Mamas Hand ins Bad gingen.

Ja, es hat sich einiges geändert. Die Kinder. Ihre Wünsche. Die Zeit. Die Eltern. Sie sind eindeutig besorgter geworden. Die Ferienmacher reagierten, verständlicherweise, und haben "gefährliche" Aktivitäten zurückgefahren. "Es ist minimal, was an Negativem oder gar an Verletzungen passiert", sagt Vogel nach bald einem Vierteljahrhundert als Ferienprogrammexperte. "Man muss mal überschlagen, wie viele Kinder und wie viele Aktionen das Jahr für Jahr sind."

Keine Hüttenbauaktion mehr

Dem Zurückfahren zum Opfer gefallen ist wohl auch Lowwood. So hieß eine Hüttenbauaktion auf der Niederndorfer Schulwiese. 100 Hütten waren es in manchen Jahren, die am letzten Tag dann in einem Freudenfeuer aufgingen. Unter Anleitung und Aufsicht der Feuerwehr.

Die Veränderungen macht Vogel macht auch am Kino fest. In den 90er Jahren war das im kinolosen Herzogenaurach ein "totales Erlebnis, ein richtiger Klassiker". 200 bis 250 kamen jede Woche zu den Vorführungen ins Vereinshaus. Die Vorführungen vorzubereiten war sehr viel Aufwand, zum Beispiel das Verdunkeln des Saals. "Dann sind die Videos aufgekommen", kommentiert Vogel knapp das jähe Ende und blättert in den alten Ferienprogrammen die Kinoseiten auf. Zeichentrickfilme waren auch damals der Renner: Bugs Bunny, Samson & Sally, Donald Duck.

"Das hat sich gehalten. Jedes Jahr machen wir eine Reise in die Vergangenheit", erinnert Wirth. Jedesmal steht ein anderes historisches Thema mit lokalem Bezug im Mittelpunkt. 2004 war das etwa die Fußballweltmeisterschaft von Bern, bei dem die Deutsche Nationalmannschaft 1953 erstmals Weltmeister wurde. Und heuer? Das muss man im Ferienprogramm schon selber nachlesen.

Große Aktionen zu den Jubiläen

Ganz große Aktionen gab es zu den Stadtjubiläen. 1998 feierten die Herzogenauracher 650 Jahre Stadterhebung. Als "Brückenschlag über die Aurach" stellten die Kinder die Überlieferung nach. "Am ersten Tag kam ein Herold, so erinnert sich Vogel lebhaft, "und verkündete, dass der Fürst in einer Woche käme und Uraha für eröffnet erkläre, wenn die Bürger eine Brücke für ihn und sein Ross geschlagen hätten." Die jungen Baumeister haben diese Aufgabe tatsächlich gelöst.

2002, zur 1000-Jahr-Feier, gab es auch eine einwöchige Spezialaktion. Das Geheimnis des goldenen Helms war zu lüften. Die Spielidee für die Stände zwischen Kirche und Stadtmuseum war eine "rätselhafte Urkunde". Die Kinder fanden zum Beispiel Scherben mit Schriftzeichen im Hellerskeller. Mit Hilfe des Entlaskellerwirts in Erlangen durften sie zum Abschluss den Helm in den Stollen unter dem Burgberg suchen. Erfolgreich.

Und Hans III. von Uraha alias Bürgermeister Hans Lang musste sein Versprechen einlösen: ein Mittelalterfest für die Kinder und das Kinderwäldchen. Das ist eine Wiese, auf der Familien einen Baum pflanzen können. Es wird bis heute eifrig genutzt.
Ab dem ersten Ferientag baut Bea Wirth ihre Spielweise vor dem Spielmobil, einem alten Postanhänger auf. Ohne Mittagspause von 10 bis 18 Uhr. "Unser Jahresthema sind Märchen. Schließlich haben wir das Gebrüder-Grimm-Jahr." Wer nicht dabei war oder wer es nochmal erleben will, erfährt das im Internet. Dort gibt es eine Art Tagebuch von einzelnen Veranstaltungen, mit Bildern und Text und Beiträgen der Kinder.
"Noch was: Ich will ein Spiel wieder bekannt machen", sagt Wirth zum Abschluss. Es greift zu einem bunten "Seilchen", holt ihr Tochter Svea und bittet ihren Kollegen Vogel auf den Hof hinter dem Freizeitheim. Er müsse sich nur hinstellen, beruhigt sie ihn und lässt in in die bunte Gummischleife steigen. Der gute alte Gummitwist. Svea beherrscht die Figuren. "Das ist doch auch was für künftige Fußballprofis", meint Vogel, als er Sveas komplizierte Sprünge und geschickte Bewegungen beobachtet.
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