Herzogenaurach
Sanierung

Seelhaus wird mit Leben erfüllt

Die Sanierung des historischen Gebäudes am Kirchplatz läuft auf Hochtouren. Einst soll es als Wohnhaus dienen.
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Die zweite Bürgermeisterin Renate Schroff, Mitte, ließ sich von Silke Stadter und Friedrich Hable über den Fortgang der Arbeiten informieren.Richard Sänger
Die zweite Bürgermeisterin Renate Schroff, Mitte, ließ sich von Silke Stadter und Friedrich Hable über den Fortgang der Arbeiten informieren.Richard Sänger
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Voran kommt auch in der Ferienzeit die Sanierung des Seelhauses. Zweite Bürgermeisterin Renate Schroff ließ sich jetzt vom technischen Leiter des Baumamtes, Friedrich Hable, sowie Silke Stadter als Nachfolgerin des Bauamtschefs Gerhard Merkel über den Fortgang der Sanierung informieren.

"Die Gremien der Stadt haben sich viele Gedanken über die spätere Nutzung des Seelhauses gemacht", erklärte Schroff. Das Ziel soll eine weitere Belebung der Innenstadt sein und nach vielen Gesprächen, auch mit Fachleuten und dem Denkmalschutz habe man sich entschlossen, das historische Gebäude einer Wohnnutzung zuzuführen. Zudem sei das Haus eigentlich ein Doppelhaus, das spiegelbildlich errichtet wurde, und eine Seltenheit in seiner Bauausführung.

Erbaut zur Mitte des 15. Jahrhunderts

Wie Schroff ausführte, handelt es sich um ein Anwesen von hohem historischen Wert. Es werde stirnseitig begangen, was sehr unüblich für eine solche Gebäudeform sei. In Mittelfranken finde man das sehr selten. In der Denkmalliste wird es wie folgt geführt: Erdgeschossiges Doppelhaus in Ecklage, Fachwerkbau mit Satteldach und Halbwalm im Süden, auf die Jahre 1457/58 datiert.

Hable wies nochmals auf die vielen Überraschungen hin, die zu Beginn der Maßnahme von den Archäologen und später bei den Bauarbeiten zutage befördert wurden. Natürlich werde das Seelhaus, das einer wohltätigen Stiftung zu verdanken ist und seit dem Mittelalter als Pilgerherberge und dann als Unterkunft für Arme diente, in Absprache mit dem Denkmalschutz saniert. Das marode Gebäude am Eingang zum Kirchenplatz wurde vor einigen Jahren von außen saniert und neu eingedeckt und auch schon mal verkauft. Bei den Grabungen im Innern des Gebäudes wurde ein mächtiges Fundament freigelegt, das eigentlich viel zu dick für das relative kleine Haus sei.

Schäden an der Bausubstanz

i den Grabungen wurden auch zahlreiche Keramikscherben gefunden, die an die früheren Nutzungen erinnerten, auch wurde das Gebäude im Laufe der Jahrhunderte mehrmals umgebaut, wie Hable anhand von später eingezogenen Balken erläuterte. Demnach wurde im 18. Jahrhundert der Nordgiebel erneuert und im 19. Jahrhundert das Erdgeschoss umgebaut. Im 20. Jahrhundert wurden weitere Sanierungsmaßnahmen durchgeführt, die allerdings nicht besonders fachgerecht ausgeführt wurden und zu jetzt sichtbar gewordenen Schäden der Bausubstanz führten.

Unter dem Haus befindet sich ein Gewölbe, in dem die notwendige Technik installiert wird und bemerkenswert ist außerdem, dass das Gebäude keinen Kamin hat, aber sichtbare Feuerstellen. "Der Rauch wurde vermutlich in den früheren Jahren durch eine Öffnung im Dach ins Freie geleitet", mutmaßte der Bauamts-Vertreter.

Kosten bei einer Million Euro

Die Sanierungskosten werden auf rund eine Million Euro geschätzt, Zuschüsse gibt es aus Mitteln des Denkmalschutzes und der Städtebauförderung. Wie Silke Stadter erläuterte, werden derartige Maßnahmen mit bis zu sechzig Prozent aus Mitteln der Städtebauförderung bezuschusst.

Im Laufe der Jahre und aufgrund des undichten Daches wurden viele Balken morsch, die jetzt von der Zimmerei Vogelhuber ausgetauscht werden. Stadter und Schroff wiesen auf das historisch wertvolle Gesamtareal rund um die Stadtpfarrkirche hin, mit dem ehemaligeb Mädchenschulhaus (heute Musikschule, 1860) und der Marienkapelle (um 1200), dem Pfarrhaus (1843) und dem Großen Spital (heute Stadtmuseum, 1508).



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