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Herzogenaurach
Stadtgeschichte

Seelhaus: Altes Fundament aufgetaucht - Wo stand der Königshof?

Bei der Sanierung des Seelhauses (1479) am Kirchenplatz wurde ein Fundament freigelegt, das noch viel älter sein dürfte.
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Einen Augenblick lang erfasste Albert Geinzer vom Bauamt der Stadt das Fieber, das Archäologen verspüren, wenn sie einen sensationellen Fund gemacht haben. Denn bei der Vorbereitung der Sanierung des historischen Seelhauses am Kirchenplatz stieß man auf ein steinernes Fundament, das noch viel älter sein muss als das auf das Jahr 1457 zurückgehende Gebäude selbst. Hat man da etwa Spuren des legendären Königshofs gefunden?
Daran glauben Kreisheimatpfleger Manfred Welker und Irene Lederer, die Leiterin des Stadtmuseums, allerdings nicht. Beide vermuten den Königshof, der erstmals in der Schenkungsurkunde des Königs und späteren Kaisers Heinrich im Jahr 1002 schriftlich erwähnt wird, eher drüben am Schloss. Lederer ist schon gespannt, ob man beim Abbruch des Rathauses und Ausheben des Kellers dort möglicherweise Spuren findet.


Ist Herzogenaurach älter?

Denn wenn sich ein Königshof finden lässt, ist Herzogenaurach womöglich auch nachweislich noch viel älter als die bisherigen 1016 Jahre. Jedenfalls ist auch die Museumschefin nicht frei von dem Fieber. "Ich hoffe, dass der Königshof doch noch auftaucht", sagte sie im FT-Gespräch. Wie Ansgar Frenken im Stadtbuch Herzogenaurach zur Tausend-Jahr-Feier schreibt, könnten die frühesten Spuren von Uraha sogar bis in das achte Jahrhundert zurückreichen.
Dass im Schatten der Kirche nun Spuren für ein älteres Bauwerk auftauchten, sei nicht verwunderlich. Denn die Stadtpfarrkirche sei noch runde hundert Jahre älter. Der Chor wurde 1311 gedeckt, weiß Lederer zu berichten. Die Kirche "stand ja nicht allein auf dem Feld", sagt die Historikerin. Das nun im Seelhaus gefundene Fundament ist gut erhalten (Lederer: "Ordentlich gemauert, wirklich schön") und zieht sich entlang der Innenmauer des Seelhauses. Das ältere Gebäude muss also noch etwas kleiner gewesen sein.
Zu klein für einen Königshof, meint Irene Lederer. Bei diesen Einrichtungen, die im Regnitzgebiet und auch etwas abseits davon in der spätkarolingischen Zeit entstanden sind, handelt es sich um landwirtschaftliche Anwesen mit einem zentralen Steinbau, dem so genannten Pallas. So ein Gutshof hatte sicher ein größeres Haus, meint Lederer.


Morsche Balken

Albert Geinzer vom Bauamt zeigte sich durchaus angetan von dem Fund. "Da stand früher was anderes. Das Fundament passt nicht zum alten Seelhaus", erkannte er schon bei der Ausgrabung. Und immerhin käme die engere Altstadt ja generell als ein Standort für ein Königshofgelände in Frage. Irene Lederer hält es für möglich, dass auch schon vor dem Bau des heutigen Seelhauses ein Gebäude mit ähnlichem Zweck gestanden haben könnte.
Die Bauarbeiter fördern aber nicht nur historische Spuren zutage. Aus der jüngerer Vergangenheit stammen teerhaltige Platten, die auf dem Erdboden verlegt wurden, wohl um Feuchtigkeit und Schimmel abzuhalten. Das Material sei vermutlich als Sondermüll zu entsorgen, meint Bürgermeister German Hacker, der sich am Donnerstag auf der Baustelle umschaute.
Generell ist das Haus in einer schlechten Verfassung. So sind an der Holzkonstruktion, ob an den Dachbalken oder am Boden, ganze Teile herausgefault. Und auch die Wände wirken für Hacker nicht sehr vertrauenserweckend. Ob Ziegel oder Betonstein, die Materialien wurden im Lauf der Jahrhunderte bunt zusammen gemischt.
Dem widerspricht da das steinerne Fundament, das entdeckt wurde. Auch nach Ansicht der Baufachleute vom Rathaus ist das sehr ordentlich und massiv gebaut. Oftmals finde man bei derart alten Bauten anderes, weniger Stabiles vor. Es muss also ein massives Gebäude dort gestanden haben.
Auch ein paar alte Scherben wurden ausgegraben. Laut Museumschefin Lederer gibt die Keramik aber keinen Hinweis auf einen möglichen Königshof. Ihrer Ansicht nach stammen sie aus dem späteren Mittelalter.

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