So mancher Besucher von Schloss Weißenstein traute am Samstagnachmittag seinen Augen nicht: Männer in weißen langen Mänteln, auf denen vorne ein rotes Schwertkreuz zu sehen war, nahmen im Ehrenhof Aufstellung, um sich dann, angeführt von der Stadtkapelle Schlüsselfeld, zum Fürstensaal zu begeben. Diese Männer sind Mitglieder des Ordens der Schwertbrüder zu Livland, die am Wochenende ihren Konvent in Schloss Weißenstein in Pommersfelden abhielten.
"Jedes Jahr trifft sich unser Orden zu einem Großkonvent, einer wichtigen Zusammenkunft, und das immer an einem anderen Ort", erklärte Wilfried Auer aus Schlüsselfeld, der Landmeister der Schwertbrüder von Bamberg. "Es muss aber eine Burg oder ein Schloss sein - also historischer Boden", fügte er an.

Vorläufiges Ende 1561


Gegründet wurde der Orden der Brüder der Ritterschaft Christi von Livland im Jahre 1202 durch Theoderich von Treiden mit dem Ziel, Livland zu missionieren. Livland ist eine Landschaft im Baltikum. Aber bereits 1237 wurde die Ritterschaft nach einer schweren Niederlage bei Schaulen gegen die Litauer mit all ihren restlichen Mitgliedern in den Deutschen Orden übernommen. Der Orden war der jüngeren Templerregel verpflichtet und die Mitglieder lebten nach den Evangelischen Räten: Armut, Gehorsam und Keuschheit. Sie wurden in drei Klassen eingeteilt: Ritter, Priester und dienende Brüder. Im Jahr 1560 begab sich der letzte Heermeister Gotthard Ketteler unter den Schutz Polens und 1561 legte er seine Würde nieder, was das Ende der Schwertbrüder bedeutete.
1966 gründete Josephus von Schwarzenberg den Livländer Orden in Rosenheim neu und in ganz Deutschland, Holland und Österreich wurden Komtureien (Niederlassungen) und Provinzen gegründet. Bamberg ist ebenfalls Sitz einer Komturei und Wilfried Auer - Ordensname Wilfried Graf von Auer zu Tobeln - ist der Komtur von zue Babenberg (Bamberg).
In der Neuzeit gibt es drei Stufen bei den Schwertbrüdern: die Pilgrims, was so viel heißt wie die Suchenden, die Knappen und die Ritter. Der Großmeister - seit 2010 ist es Claus Graf von Ravensberg - entscheidet, ob und wann ein Knappe zum Ritter geschlagen wird. Es waren auch Damen zu sehen, teilweise mit langen dunklen Mänteln angetan. Dies sind die Burgfrauen. Die kleinen Kinder nennen sich Burgfrösche.
Mitglied des Ordens kann übrigens "jeder unbescholtene, charakterfeste Mann werden, der das 24. Lebensjahr vollendet hat und nach Herz und Verstand seine Mitgliedschaft im Orden zu erfassen mag. Beruf und Nationalität sind bei der Aufnahme ohne Belang." So kann man es in den Prinzipien und Regeln der Schwertbrüder nachlesen.
Natürlich kämpfen diese Ritter nicht mehr mit dem Schwert für ihren Glauben. "Heute stehen caritative Dinge im Vordergrund, aber auch der gesellschaftliche Rahmen ist für uns wichtig", erklärte Auer. "Freundschaft, Treue, Frauenminne ("Frauen sind nicht nur ein Brunnen der Freude und Lust, sondern auch Gefährtinnen und Mütter unserer Kinder"), Tapferkeit, Toleranz und Geduld sind die wichtigsten Tugenden der Schwertbrüder", heißt es in den Prinzipien und Regeln.
"Über Freundschaften bin ich zu diesem Orden gekommen. Außerdem bin ich recht traditionsgebunden und es macht mir daneben auch noch viel Spaß", erklärte Wilfried Auer lächelnd. "Manchmal, so wie im Moment, ist es ein bisschen Aufwand, da wir Bamberger für die Vorbereitung zuständig sind, aber es ist einfach schön."
Die meisten Ritter kommen aus Deutschland. Aus Österreich ist ein Ritterbruder, aus Belgien kommen drei und aus den USA war ebenfalls ein Ritterbruder angereist. Das Festkapitel läuft nach einem ganz bestimmten Zeremoniell ab, das genauestens festgelegt ist. Der Großmeister hat den Vorsitz und führt Beförderungen, Ehrungen und Ritterschläge durch. Nach dem großen Festakt werden die wallenden Mäntel ausgezogen und es geht etwas lockerer zum Festbankett.