Herzogenaurach
Brauchtum

Schweinskopfessen bei der "Soli": Kultige Feier und hungrige Gäste

Das Schweinskopfessen lockte die Besucher in Scharen hinauf zur "Soli". Schon bald war der Kessel leergefuttert.
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Kesselmaster Jörg Heydt (Mitte) hat mit Tochter Luci und Stefan Hirsch tatkräftige Unterstützung.  Fotos: Bernhard Panzer
Kesselmaster Jörg Heydt (Mitte) hat mit Tochter Luci und Stefan Hirsch tatkräftige Unterstützung. Fotos: Bernhard Panzer
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Klammheimlich verdrückt sie das ein oder andere Tränchen, die Daniela Welker, als sie sieht, wie engagiert und frohgelaunt "ihre Männer" zu Werke gehen. Wie sie seit dem frühen Morgen dafür sorgen, dass alles reibungslos läuft am Vatertag beim Schweinskopfessen der Soli, der Kultveranstaltung des Vereins.

Da ist der Schürmeister Roland Grueber, mit rußgeschwärzter Stirn, der seit fünf Uhr morgens den Kessel auf Temperatur hält. Da ist Jörg Heydt, der Chef am Kessel, der ihm Gesellschaft leistet bei der schweißtreibenden Tätigkeit, bis er die köstlichen Schweinereien dann endlich ins kochende Wasser rutschen lässt. Zweieinhalb Stunden Volldampf heißt es dann, und dann werden sie zerlegt, die Schweinsköpfe, der Bauch, die Zungen und die Herzen. Zuverlässiger Helfer am Kessel ist Stefan Hirsch, ein Bruder der Daniela.

Da sind auch Ruppert Förtner und Fredi Müller am Ausschank, deren Job etwas später anfängt, aber umso flotter geschafft werden muss. Denn inzwischen strömen sie, die Gäste, und jeder hat Hunger und Durst. Zack zack und hopp hopp heißt es unter den Helfern. An die zwanzig Leute packen mit an, brutzeln Bratwürste am Grill, kochen Blut- und Leberwürste in den Töpfen, kellnern und kassieren und sind einfach nur froh, dass die Soli auch in diesem Jahr zum Magnet für viele Besucher aus Herzogenaurach und seiner Umgebung geworden ist. So wie Kathrin Docter und Nora Sieber, zwei sehr erfolgreiche Einradfahrerinnen. Sie helfen jetzt, die Gäste zu bewirten.

Zwischen all den Helfern wuselt Daniela, huscht zwischen Ausschank und Kessel hin und her und hilft selbst mit. Nicht etwa weil sie kontrollieren müsste. Wohl aber, weil sie die Stimmung einsaugen möchte. Und genau fühlt: Das hätte ihrem Papa gefallen. Ihrem Vater, der diesen Job viele Jahre lang gemacht und die Veranstaltung gemanagt hat, bis zu seinem überraschenden Tod im letzten Jahr. Für ihn lässt sie die Tradition weiter leben, und klammheimlich verdrückt sie mit feuchten Augen ein paar Tränchen.

"Es ist absolut Kult. Klar, dass wir da hingehen". So wie Elmar Amling, der Vorsitzende des FCN-Fanclubs Frankenpower im Vorfeld auf Facebook geschrieben hat, denken viele in Herzogenaurach. Und sie sind dann auch zahlreich gekommen. Schon am Vormittag trudeln sie ein. Weil man am Vatertag eben zur Soli geht.

Und weil sie gespannt sind, was der neue "Küchenchef" denn Leckeres hervorzaubern würde. Denn auch das Kochen und Zerlegen von Schweinsköpfen will gelernt sein. Aber wer am Grill ein Master ist, der schafft's auch am Kessel. Heydts Kumpels von der Musikinitiative allerdings sind etwas zurückhaltend. Wolfgang "Otto" Kreijsa kann zwar wild auf dem Schlagzeug herumklopfen, vor einem Rüsselchen aber graust es ihn. Zum Glück gibt's auch Bratwürste. Heydt hält dagegen: Vier Öhrchen habe er schon geknabbert, die knuspern so schön. Und das beste Fleisch, so weiß er zu berichten, ist unter dem Auge.

Ein Fan der Kesselspezialität ist auch Stadtrat Bernhard Schwab. "Die wissen doch net, was gut ist", sagt er mit einem Augenzwinkern in Richtung Otto, seinem früheren Bandkollegen von den "Candys". Freilich ist Schwab wegen der köstlichen Sachen gekommen, "so wie es sich gehört". Denn: "Wo kriegt man das denn sonst noch?".

Derweilen karteln die "Fanglubberer" seit dem frühen Morgen, einfach weil es Kult ist. Später bilden sich ein paar weitere Schafkopf-Tische, sobald die Köstlichkeiten aus dem Kessel vertilgt sind. Und das geht sehr schnell diesmal: Um die 150 Leute sind gekommen, und alle haben sie einen Riesenhunger mitgebracht. Um kurz vor halb zwölf zerlegt Heydt den letzten Kopf. Der Kessel ist leergefuttert.

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