Herzogenaurach
Naturschutz

Schutz für seltene Tiere an der Südumgehung

Der Bau der Südumgehung beeinträchtigt den Lebensraum geschützter Tiere, wie Bekassine oder Laubfrosch.
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Eine Bekassine
Eine Bekassine
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Keine Frage, der Bau der Südumfahrung stellt einen großen Eingriff in die Landschaft dar. Das bedeutet nicht nur, dass schon die Baustellenfläche insgesamt 25 Hektar in Anspruch nimmt, die vorübergehend für die Natur zerstört werden. Die Eingriffe bedeuten auch, dass für geschützte Tier- und Pflanzenarten umfassende Maßnahmen notwendig werden.

In der Sondersitzung des Stadtrates zum Thema (FT und infranken.de berichteten ausführlich) beleuchtete Klaus Albrecht, Geschäftsführer der Firma Anuva aus Nürnberg, das Großprojekt aus umweltplanerischer Sicht. Er führte auf, dass es beim Bau der gut fünf Kilometer langen Trasse zu Konflikten mit Flora und Fauna sowie Biotopen komme. Und er sagte, welche Maßnahmen man ergreifen müsse.


Beispiel Zauneidechse

Die streng geschützte Zauneidechse zum Beispiel komme entlang der stillgelegten Bahntrasse vor. Dort wo die die Schienen von der Straße tangiert werden, müssen die Tiere umgesiedelt werden. Das sei relativ einfach, sagte Albrecht. Denn die Eidechse sei entlang der gesamten Trasse heimisch. Und da gibt es wohl noch genügend freie Flächen, die wild genug sind. Dennoch werden zusätzlich 6000 Quadratmeter neuer Lebensraum geschaffen.

Die Zauneidechse besiedelt Magerbiotope wie trockene Waldränder, Bahndämme, Heideflächen, Dünen, Steinbrüche, Kiesgruben oder Wildgärten. Wichtig sind auch Elemente wie Totholz und Altgras. Das Tier gilt als streng zu schützende Art (FFH-Richtlinie) und ist auch im Bundesnaturschutzgesetz als streng geschützt verzeichnet. Auf der Roten Liste der Bundesrepublik Deutschland steht Lacerta agilis auf der Vorwarnliste.


Beispiel Mittelspecht

Der Mittelspecht braucht alte Bäume, vorzugsweise Eichen, mit Höhlen. Aber genau die fallen beim Bau der Tasse weg, die auf einer Teilstrecke durch den Wald führt. Ähnlich ist es mit dem Grauspecht. Deshalb sollen auf zwei Hektar Altholzbestände gesichert werden. Für Höhlenbrüter werden 40 Nistkästen angebracht. Auch an Fledermäuse wird gedacht, sie bekommen 60 Kästen. Außerdem wird die geplante Lärmschutzwand an der Brücke bei Hauptendorf bei der anschließenden Wegstrecke durch den Wald um einen Meter erhöht.

Der Mittelspecht ist eine in Mitteleuropa relativ seltene Vogelart. Nur etwa 20 Prozent brüten laut Wikipedia in Deutschland, weshalb hier eine besondere Verantwortung für die Erhaltung dieser Tierart besteht. Der Mittelspecht (Leiopicus medius) ist nach der EU-Vogelschutzrichtlinie geschützt.

Den Ausführungen von Klaus Albrecht in der Stadtratssitzung zufolge kommt auch der Grauspecht vor. Da dieser Vogel ungestörte und ursprüngliche Wälder mit natürlichen Altersstrukturen sowie Auwaldgebiete als Bruthabitate bevorzugt, liegt in der Zerstörung solcher Lebensräume eine Gefährdung der Art.


Beispiel Feldlerche

Die Feldlerche bevorzugt offene Fluren, wie sie am Pfersbachgraben vorkommen. Hier gilt es laut Albrecht, den Lebensraum abseits der Trasse aufzuwerten und somit für die Vögel attraktiv zu machen. In Deutschland hat der Bestand der Feldlerche (sie war 1998 Vogel des Jahres) zwischen 1980 und 2005 um etwa 30 Prozent abgenommen, sie steht deshalb in der Roten Liste in Kategorie 3 (gefährdet). Auch das Rebhuhn (Vogel des Jahres 1991) braucht offene Flächen, sein Bestand ist deutlich zurückgegangen. Das wird besonders auf die Zerstörung intakter Lebensräume durch die Umwandlung der Agrarlandschaft in flurbereinigte Flächen zurückgeführt. Das Rebhuhn ist in vielen Gegenden Deutschlands bereits ausgestorben.
In der Nähe des Kühwasengrabens befindet sich ein vom Bund Naturschutz betreutes Biotop in einem Feuchtgebiet. Dort haben die Planer auf den Bau eines Dammes verzichtet und errichten stattdessen eine Brücke. In dem Bereich kommen unter anderem Laubfrosch, Bekassine, Schafstelze, Braunkehlchen und Kammmolch vor. Der Laubfrosch beispielsweise gilt als streng zu schützende Art, ebenso wie der Kammmolch (nur im Biotop vorkommend). Die Bekassine bewohnt Feuchtwiesen und offenes Sumpfland und ist in Deutschland vom Aussterben bedroht.


Das Ökokonto

In der Stadtratssitzung wurde erläutert, dass nicht alle Ökopunkte, die beim Bau der Südumgehung verloren gehen, wieder gut gemacht werden können. Eine Million solcher Wertpunkte fallen durch den Bau weg, nur etwa 400 000 können durch begleitende Maßnahmen ersetzt werden. Rund 650 000 bleiben als Ausgleichsbedarf übrig und müssen außerhalb geschaffen werden. Zurzeit beträgt das Ökokonto der Stadt 1,1 Millionen Punkte. Dieses wird durch die Südumgehung dann mehr als halbiert. Wie Bürgermeister German Hacker in der Sitzung noch erläuterte, wird die durch den Straßenbau versiegelte Fläche 5,8 Hektar betragen. Die Baustelle allein benötigt während der Bauzeit 25 Hektar. Der Landwirtschaft werden 13,2 Hektar entzogen.
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