Hemhofen
Wettbewerbe

Schottisch, fränkisch, urig: die Highland-Games in Hemhofen

Bei den Highland-Games in Hemhofen geht es nicht darum, in möglichst originalgetreuen Gewändern Freizeitbeschäftigungen der Schotten nachzuahmen. Athleten und Zuschauer sollen eine zünftige Gaudi erleben.
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Baumstammschälen war nur eine der Disziplinen. Fotos: Pauline Lindner
Baumstammschälen war nur eine der Disziplinen. Fotos: Pauline Lindner
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Ein silbernes Ornament windet sich auf dem Schild von Gerhard von den Steiger-wäldlern. Trotz des biederen Namens seiner Gruppe könnte sein "Gewand" aus dem Film über den mittelalterlichen schottischen König Robert the Bruce stammen. Schild, Streitaxt, geschnürte Steifel und der unvermeidliche Schottenrock. Damit gekleidet ist er keineswegs allein bei den zweiten fränkischen Highland Games auf der Wiese bei der Apotheke in Hemhofen.

Ein paar Jahrhunderte später anzusiedeln sind ihrem Outfit nach die Musikanten der Glen Regnitz Pipe Band. Die tragenden Bässe der Dudelsäcke schaffen das Bild einer weiten Moorlandschaft - trotz heißer Sonne. Aber Mangel an Schatten herrscht da wie dort.

Auf den Bänken unter dem Sonnendach sitzen erwartungsvoll die Zuschauer und Akteure des Spektakels, das in wenigen Minuten beginnen soll.
Vier Mannschaften werden sich in Disziplinen wie Schubkarrenfahren, Baumstammschälen, Stammweitwurf und Maßkrugstemmen messen, wenn die Band ihren Auftritt beendet hat.
"Die Maßkrüge mussten schon mit rein; schließlich sind das fränkische Highland-Games", sagt Manfred Schleicher, der Initiator und Organisator. Das T-Shirt mit der Aufschrift "Humppa 1 Eläkeläiset" passt als Polkatupfen aus Finnland durchaus dazu, wenn Kilkenny-Bierflaschen aus Irland neben fränkischem Gerstensaft abgestellt werden.

Weder muss es irgendwie historisch und originalgetreu zugehen noch müssen sich die Teilnehmer auf das Schottische beschränken. Es geht um den Spaß, um sich als Freizeitgrüppchen in urigen Wettbewerben zu messen. Zur Gaudi das Publikums, das zum Teil aus den Familienangehörigen besteht. Die Jüngeren lockt es da zwar mehr zur Hüpfburg, aber auf Mamas Arm schaut so ein Zwergerl schon mal zu, wie sich Papa abmüht, seinen Kollegen als Schubkarren über die Wiese zu schieben.

Ein letzter Trommelwirbel, und die "Athleten" marschieren auf - zur ersten Disziplin, dem Baumstammschälen. Zwei knorrige Föhrenstämmchen sind vorbereitet. Jede der vier Gruppen muss ein genau abgemessenes Ende von der Rinde befreien. Der "Wilde Haufen" startet mit Holger. Der bemüht sich redlich, dem Kommando seiner Kameraden "Zieh, zieh" zu folgen und in langen Streifen die Rinde mit dem zweigriffigen Schälmesser zu entfernen. Ihm fehlt es wohl etwas an der Übung, denn er braucht eine Minute und 22 Sekunden.

Während eine Gruppe aus Höchstadt, die sich aus dem Kickboxteam von Werner Soßna rekrutiert, im rein sportlichen Outfit antritt, verrät der T-Shirt-Aufrduck des "Wilden Haufens" die Handschrift der Ehefrauen: "Mein Mann kann..." - im vorliegenden Fall: nicht mehr die Runde gewinnen, denn die Höchstadter legen 44 Sekunden vor und werden anschließend von "DDR - der draurige Rest" gleich um drei Sekunden unterboten.

Die Schotten, ach nein, die Steigerwäldler sind dran. Gerhard überreicht seinem "Knappen" den Schild und greift zum Messer. Außer dem kurzen Kommando "Drehen" ist nichts zu hören, nur Rindenspäne fallen zu Boden, bis - nach 32 Sekunden - der Stamm feinsäuberlich geschält ist.
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