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Herzogenaurach
Generalsanierung

Schloss-Sanierung bringt viel Arbeit mit Holz und Stuck

Im Schloss soll's im Sommer losgehen, das Gebäude ist inzwischen entkernt worden. Ein deutlicher Sanierungsbedarf wird bei den Holzbalkendecken gesehen, hier wurden teils erhebliche Schäden entdeckt.
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Im Innern ist das Schloss eine Großbaustelle.
Im Innern ist das Schloss eine Großbaustelle.
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Es war eine Heidenarbeit: Jeder einzelne Balken wurde unter die Lupe genommen, manchmal Zentimeter für Zentimeter, das Holz wurde genauestens erfasst und nummeriert. Diese Feinarbeit ist erforderlich, um schadhafte Teile ersetzen zu können. Die Deckensanierung ist ein wesentlicher Bestandteil der Schloss-Sanierung, die parallel zum Rathaus-Neubau durchgeführt wird.

Im Sommer soll's losgehen. Die vorbereitenden Arbeiten im Schloss laufen indes schon seit November. Bei Stichproben hatte sich gezeigt, dass wohl viele Holzbauteile schadhaft seien. Also wurde das Schlossgebäude entkernt. Die Schäden wurden kartiert, Sanierungskonzepte wurden erarbeitet.

Dielen entfernt und nummeriert

Entkernung bedeutet, dass alle "nichthistorischen Bauteile", wie Einbauten, Böden, abgehängte Decken, Toiletten, Trockenbauwände und -decken sowie Dämmungen und Heizkörper, entfernt wurden. Darauf verweist Bauamtsleiterin Silke Stadter in einer Pressemitteilung. "Dort, wo die Holzbalken der historischen Decken auf den Wänden aufliegen, wurden auch die historischen Dielen entfernt, um mögliche versteckte Schäden festzustellen", ergänzt Bürgermeister German Hacker. Auch diese wurden mit Nummern versehen, damit sie später wieder originalgetreu eingebaut werden können.

Mann-an-Mann-Decken

Spannend waren diese Entkernungsarbeiten und vor allem die Bestandsaufnahme der Holzbalken. Bei einem Presserundgang erläuterte Architekt Christoph Schmidt, dass man auf so genannte Mann-an-Mann-Decken gestoßen sei. Das sind tragende Balken, die direkt nebeneinander verlegt wurden, ohne den üblichen Zwischenraum. Das sei damals nicht außergewöhnlich gewesen, sagte Schmidt, und geschah vermutlich aus Brandschutzgründen. In anderen Bereichen waren zusätzliche Balkenlagen zu finden, die vermutlich im 18. Jahrhundert zusätzlich über den älteren Decken eingebaut wurden.

Pilzbefall und Schädlingsfraß

Der Planer vom Nürnberger Büro BSS verdeutlichte anhand einer besonders schadhaften Stelle, dass manche Balkenköpfe regelrecht vermodert waren. Vor langer Zeit musste Feuchtigkeit eingedrungen sein, was einen Pilzbefall und Schädlingsfraß ermöglichte. Auf diese laut Bürgermeister Hacker "erheblichen, bisher verdeckten Schädigungen" sei man erst gestoßen, nachdem die Bodenaufbauten entfernt worden waren. Somit entwickelten sich die Holzbalkendecken zu einem zentralen Element der Sanierung.

Aber es gibt noch eine weitere besondere Herausforderung. Denn vor der Sanierung der Deckenbalken müssen erst die darunter liegenden Stuckdecken aufwändig gesichert werden. Diese werden mittels Druck durch Holzringe und Gummischläuche an die Decke gepresst. Wenn die Balken ausgetauscht sind, werden die Stuckdecken erneut daran befestigt.

Die Schadbilder an den Deckenbalken sind sehr unterschiedlich, berichtet Bauamtsleiterin Stadter. So seien im Südflügel nur vereinzelte, geringe Schädigungen festzustellen, wohingegen die Westseite des Ostflügels im ersten Obergeschoss und die Ostseite des Ostflügels im zweiten Obergeschoss stärker betroffen seien.

Vieles ist auch gut erhalten

Es sei ja auch nicht so, dass alle Balken schlecht seien, ergänzte Projektleiter Jürgen Ziegler bei der Begehung. Die starken Schäden seien punktuell aufgetreten, "an vielen Stellen sind die Balken aber auch gut erhalten."