Neuhaus
Architektur

Schloss Neuhaus: im Gretna Green des Aischgrunds

Beim Tag des offenen Denkmals gibt es am Sonntag in Schloss Neuhaus erstaunliche Fakten zu hören.
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Schloss Neuhaus
Schloss Neuhaus
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Der Tag des offenen Denkmals findet immer am zweiten Sonntag im September statt. Es handelt sich um den deutschen Beitrag zur europaweiten Veranstaltung European Heritage Days. Im Landkreis Erlangen-Höchstadt findet die Veranstaltung unter dem Motto "Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur" im Schloss in Neuhaus statt.

Das evangelisch-lutherische Pfarrdorf Neuhaus setzte sich ehemals aus drei Teilen zusammen. Der untere Teil mit einem den Freiherrn von Crailsheim gehörigen Schlösschen heißt Neuhaus, der mittlere Grub, der obere Schwabenberg (auch als Ziegelhütte bezeichnet).

Für 24 000 Gulden

Die erste urkundliche Erwähnung von "Grube" war 1151. Im Jahr 1545 erwarb Wolf von Crailsheim, damals Amtmann von Kitzingen, das Rittergut Neuhaus zum Preis von 24 000 Gulden.

Zwischen 1612 und 1618 erfolgten für Wolf Bernhard von Crailsheim durch seinen Vormund Johann Philipp von Crailsheim die Umgestaltung und der Ausbau der Festung Neuhaus zum Wasserschloss mit Renaissancedekoration der Innenräume. Das Wasserschloss war gegen den Grund durch die Fischweiher, gegen den Berg durch zwei Gräben gesichert. Die Südwestecke ist mit einem Rundturm mit einer welschen Haube ausgestattet, die Ostseite zeigt einen reich gestalteten Volutengiebel. Auf der Rückseite sind zwei Flügel durch einen überdachten Gang verbunden.

Um 1651 wurde die ursprüngliche Kapelle Heilig Kreuz zu Grub zu einer Kirche ausgebaut. Eine Erhöhung und Erweiterung des Kirchenraums erfolgte 1738. Die Familie von Crailsheim hat in der Kirche eine eigene Patronatsloge.

Mit der "Gemeind-Ordnung zu Neuhaus" von 1785 regelten die Herren von Crailsheim die Verhältnisse in ihrem Einflussbereich bis zur Mediatisierung der Reichsfürsten im Gefolge der Französischen Revolution.

Freistatt

Bundschuh beschrieb Neuhaus 1801 als evangelisches Pfarrdorf an der Aisch, das im Ritterkanton Steigerwald sowie im Bezirk des Bambergischen Amtes Höchstadt lag, eine Stunde davon gegen Forchheim. Das Schloss gehörte der Familie von Crailsheim und hatte ein kaiserliches Freiheitsprivilegium zum Aufenthalt für solche Personen, die "unvorsichtig oder ungefährerweise begangene Verbrechen zu vertreten haben".

Das Privileg einer "Kaiserlichen Freiung für sein Schloss und das Wirtshaus in dem Vorhof zum Neuenhaus" hatte Kaiser Maximilian bereits am 15. Oktober 1508 dem damaligen Inhaber Sigmund von Heßberg verliehen. Das bedeutete im Fall von Neuhaus einen Zufluchtsort, der vorübergehenden Schutz vor Justizbehörden gewährte.

Die Freiung Neuhaus wurde über Jahrhunderte, bis 1804 in Anspruch genommen. Für die Aufnahme in die Freiung waren Gebühren zu entrichten, die in die Kasse des Schlossherren flossen.

Gern genutzt wurde diese Freistatt von Studenten der nahen Universität Erlangen, die sich dadurch dem Karzer der Universität entzogen. Adelige und Offiziere suchten Neuhaus auf, um bei geringen Vergehen ihre Verteidigung zu regeln.

Im Schutz der Anonymität

Nicht verheiratete Frauen brachten in Neuhaus ihre Kinder zur Welt. Der Vorteil war darin zu sehen, dass weder der Name der Mutter noch der des Vaters ins Taufregister eingetragen wurde. Außerdem ließen sich Brautleute in Neuhaus trauen, wenn ihnen das in ihrer Heimatgemeinde verwehrt worden war.

1803 wurde die Ortschaft im Hauptlandesvergleich Preußen zugewiesen. Durch den Tilsiter Frieden zwischen Frankreich und Preußen kam Neuhaus mit dem Fürstentum Bayreuth 1807 unter französische Herrschaft. 1808 wurde Neuhaus dem Justizamt und Kammeramt Herzogenaurach eingegliedert. Als Napoleon 1810 das Fürstentum Bayreuth an Bayern abtrat, wurde Neuhaus bayerisch.

Elf Katholiken

Eine Beschreibung des Jahres 1868 charakterisiert Neuhaus als protestantisches Pfarrdorf im Dekanat Münchaurach, mit 154 Gebäuden, einer Kirche und einer Schule. Unter den 421 Einwohnern gab es lediglich elf Katholiken.

Da das Schloss drohte, zu verfallen, nachdem es nahezu 200 Jahre unbewohnt gewesen war, ließ es Freiherr Sigmund von Crailsheim von 1902 bis 1910 aufwendig sanieren.

Der äußere Schlosshof wurde mit den Ökonomie- und Beamtenwohngebäuden sowie dem dortigen Torhaus mit dem Glocken- und Uhrtürmchen 1902 durch Brandstiftung ein Raub der Flammen. Gleichermaßen als Ersatz wurde aus diesem Grund 1905 das "Glöckl" oder "Türmla" im unteren Dorf erbaut.

Während des Zweiten Weltkrieges erfolgte 1943 die Beschlagnahmung des Schlosses durch das Landratsamt Höchstadt/Aisch, das es von 1944 bis 1945 an die Siemens-Schuckert-Werke vermietete.

1939 hatte Neuhaus 401 Einwohner. 1950 zählte der Ort 658 Einwohner, darunter 314 Heimatvertriebene. 1972 erfolgte im Zug der Gebietsreform die Eingliederung der Gemeinde Neuhaus mit ihren 569 Einwohnern in die Gemeinde Adelsdorf.

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