Herzogenaurach
Histörchen

Schleifpapier schlägt Schmierseife bei Herzogenauracher Volksfestbrauch

Mit einem Trick schlug der damals zehnjährige Valentin Zink beim Baumklettern 1910 dem Volksfestveranstalter ein Schnippchen.
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Entwurf für eine Ansichtskarte für das Volksfest  1910Repro: M. Welker
Entwurf für eine Ansichtskarte für das Volksfest 1910Repro: M. Welker
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Dass bei Kirchweih- und Volksfesten ein Baum aufgestellt wird, den Jugendliche dann erklimmen können, ist nichts Ungewöhnliches. Beim ersten großen Volksfest in Herzogenaurach, das vom 27. bis zum 30. August 1910 stattfand, konnten die Jugendlichen an so einem Baum an der Ansbacher ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen.

Bei diesem ersten großen Volksfest in Herzogenaurach im Jahr 1910 durfte der zehnjährige Valentin Zink beim Festzug eine Tafel tragen. Justina Wirth, später verehelichte Welker und die Mutter von Rudi Welker, war mit ihren langen blonden Haaren die Idealbesetzung für die Germania im Festzug, wie er sich erinnern konnte. Das Volksfest fand auf der sogenannten Geißbockswiese an der Ansbacher Straße statt, wo in den 1950er Jahren eine Gastwirtschaft errichtet wurde, die später den Namen "Tiroler" trug. Diese städtische Wiese durfte vom Halter des Geißbocks gemäht und das Gras zur Fütterung verwendet werden.

Auf dem Festplatz wurde ein Baum aufgestellt, von dem man die Rinde entfernt hatte. Am Wipfel war in einem roten Taschentuch ein 3-Mark-Stück eingebunden, ein sogenannter "Preußentaler".

Um die ganze Sache noch zu erschweren, war der Stamm noch zusätzlich mit Schmierseife versehen worden. Zahlreiche Jugendliche wollten ihn erklettern, um an das Taschentuch mit der Münze zu kommen, aber es gelang niemandem.

Der zehnjährige Valentin Zink beobachtete die Szenerie aufmerksam, wie er sich noch viele Jahre später in einem Gespräch erinnerte. Sportlich war er stets, mit seinen Cousins Adolf und Rudolf Dassler sowie Christoph Zehlein war er in der Herzogenauracher Turnerschaft aktiv.

Ausgetrickst

Als kluger Kopf hatte er für die Schmierseife am Stamm eine Lösung parat. Valentin Zink befestigte Schleifpapier aus der Schreinerwerkstatt seines Vaters mit "Herlaf" an Armen und Beinen und erklomm auf diese Weise den Baum.

In einer Höhe von etwa sieben Metern hielt er inne und tat so, als ob er nicht weiterkönne. Er erreichte dann aber doch die Baumkrone in rund zwölf Metern Höhe und holte unter viel Applaus das Taschentuch mit den Zähnen herunter. Mit dem Geld zeichnete er 1917 während des Ersten Weltkriegs eine Kriegsanleihe.

An das Fest auf der Geißbockswiese erinnerte sich Valentin Zink (1900-1981) auch im Alter noch gern zurück. Er erlernte das Schreinerhandwerk und war als Soldat im Ersten Weltkrieg. Später übernahm er die Schreinerei seines Vaters und widmete sich im Rentenalter der Brandmalerei.

Valentin Zink starb nur drei Monate nach dem Tod seiner Frau am 17. Juli 1981 und wurde auf dem alten Friedhof in Herzogenaurach beerdigt. Ein von ihm geschnitzter Kruzifixus aus Holz markiert sein Grab unweit der Priestergrabstätte.

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