Herzogenaurach
Ausverkauf

Schlecker schließt in der Hauptstraße

Seit den 80-er Jahren gibt es den Schleckermarkt in der Hauptstraße. Jetzt gehen auch dort die Lichter aus.
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Ausverkauf in der Schleckerfiliale in der Herzogenauracher Hauptstraße. Foto: Bernhard Panzer
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Jetzt hat es auch die Schlecker-Filiale in der Hauptstraße erwischt. Einem aktualisierten Schließungsplan zufolge ist jetzt auch dieser Standort von den Schließungen betroffen.
Bislang waren die beiden Filialen in der Sportstadt verschont geblieben, doch gestern wurden weitere Streichpläne bekannt. Für Herzogenaurach verbleibt Schlecker demnach nur noch in der Rathgeberstraße im Einkaufsmarkt Ost.
Der Traditionsstandort in der Hauptstraße hingegen wird aufgegeben. Seit Wochenbeginn wissen offenbar bereits die Mitarbeiterinnen davon. Jedenfalls haben sie schnell reagiert und im Schaufenster Hinweise angebracht: "Wir schließen am 24. 03. 2012. Vielen Dank für ihre langjährige Treue". Hinzu kam der Hinweis, dass es beim Ausverkauf auf alle Waren 30 Prozent Nachlass gibt. Auf andere Produkte werden gar 50 Prozent gewährt.

Schon als Kind immer dort

Seit 1985 befindet sich der Schleckermarkt in einem schmucken Fachwerkhaus in der Hauptstraße. Vier Verkäuferinnen sorgten zuletzt für das Wohl der Kunden. Und diese haben den Markt offenbar gern besucht. Gestern fanden sich die Passanten zahlreich in dem Laden ein, unter ihnen auch Stammkunden.
Die 22-jährige Denise Kliemann zum Beispiel nahm Abschied von dem Markt, in den sie schon als kleines Kind immer mitgenommen wurde. "Ich finde das sehr schade, dass er jetzt schließt", sagte die junge Frau. Weite Wege muss die Herzogenauracherin indes nicht gehen.
Denn ein paar Meter weiter in der Hauptstraße ist der Drogeriemarkt Müller.
Dass die Konkurrenz nahezu gleich nebenan platziert ist, vermutet eine andere Frau als einen möglichen Grund für die Schließung. Da werden sich die Zahlen nicht mehr gerechnet haben, meint sie. Eine andere fügte hinzu, dass der Markt niemals hätte schließen müssen, wären die Kunden so zahlreich gekommen wie am gestrigen Mittwoch.
Für wiederum eine andere Frau, eine 40-jährige Herzogenauracherin, war es aber wohl auch der Imageverlust, den die Schleckerkette vor einigen Jahren erlitten habe. "Als ich gehört habe, wie die mit ihren Mitarbeitern umsprangen, hab ich den Markt gewechselt", sagte sie. Sie sei dann von Herzogenaurach nach Heßdorf zum Einkaufen gefahren, in den dortigen DM-Markt.

Argument Wickelplatz

Gestern allerdings führte sie ein Nachmittagsspaziergang gemeinsam mit ihren beiden Töchtern und der Oma auch in die Hauptstraße. Und natürlich zu Schlecker, wo sie sich in eine lange Reihe von Neugierigen gesellten. Ihr sechs Monate junges Baby hatte sie im Buggy dabei. Auch da sieht sie einen Grund für ihre Kritik: "Woanders kann man besser wickeln". Ihre Mutter dachte an die Mitarbeiterinnen: "Die Frauen können einem Leid tun".
Petra Mauser ist eine Nachbarin des Marktes. Auch ihr Mitgefühl gilt bundesweit den Bediensteten. "Schade um die vielen Frauen, die jetzt auf der Straße stehen", meint sie.Und fragt: "Hätte man das bei der Größenordnung nicht verhindern können?" Was den Herzogenauracher Markt in der Hauptstraße angeht, hatte die Stadträtin der SPD schon länger ein mulmiges Gefühl, wie sie feststellt. "Ich habe mich gefragt, warum sind die Regale so leer?"

Rathgeberstraße bleibt

Auch Doris Wagner kaufte gestern ein. Auch die Erzieherin ist traurig. Sie sei öfter mit dem Rad vorbeigekommen, "man hat hier gefunden, was man brauchte". Sie kaufe auch bei Müller ein, aber gezielt auch bei Schlecker. Jetzt wird sie auf die Filiale in der Rathgeberstraße ausweichen müssen. Denn diese soll den aktuellen Plänen zufolge bestehen bleiben.
Der für den Bereich Herzogenaurach zuständige Pressesprecher war gestern trotz mehrmaligen Versuchs telefonisch nicht zu erreichen.
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