Auf auffällige Lichteffekte wurde bei der Gestaltung des VHS-Schaufensters in Erlangen bewusst verzichtet, um die Autofahrer nicht abzulenken. Ein Hingucker ist es trotzdem geworden und viele Passanten kommen der stummen Aufforderung nach und legen ihre Hand auf die dafür vorgesehenen Fläche. Wie von Zauberhand fängt dann die Trommel im Schaufenster an, sich zu drehen. Es ist weder ein Loch in der Glasscheibe, noch gehen Drähte von der aufgezeichneten Hand zur Trommel.

Entfernt betrachtet wirkt das Schaufenster wie ein Smartphone mit nur einer Taste und "es funktioniert wie ein Smartphone", verrät Hans Höscheler. Er ist der Mentor der Schülerin Sophia Zipf, die in der Montessori-Schule in Erlangen die achte Klasse besuchte. Mit dem Schaufenster hat sie ihre vorgezogene Abschlussarbeit umgesetzt. Die Abschlussarbeiten müssen aus den Bereichen Theater, Literatur, Tanz oder Naturwissenschaften sein. Für die Naturwissenschaft hat sich Sophia entschieden und durch das naturwissenschaftliche Know-how möchte sie die Montessori-Leitsätze präsentieren.

Wenn sich die von ihr gefertigte Trommel durch Handauflegen auf der Scheibe in Bewegung setzt, wird für den Betrachter vor der Glasscheibe ein Montessori-Grundsatz lesbar. Daneben ist ein Bild der Maria Montessori zu sehen, ihr Lebenslauf in gekürzter Form ist auf den Blättern unter ihrem Konterfei nachzulesen. Und die Vorzüge einer Montessori-Schule wollte Sophia auf blauen Zettelchen den Holzwichteln in die Hände drücken. Das Farbige, die Wichtel und die Idee, eine große Taste eines Smartphones zu gestalten, war Sophias Idee.


Ein halbes Jahr getüftelt

Damit es dann wie ein Smartphone funktionierte, war Höschelers Unterstützung nötig. Ein halbes Jahr oder fast einhundert Stunden haben die beiden - Schülerin und Lehrer - an der Abschlussarbeit getüftelt, wie der 75-jährige Höscheler sagt. Der ehemalige Siemens-Ingenieur arbeitet seit 17 Jahren ehrenamtlich an der Montessori-Schule und unterrichtet dort seit zwölf Jahren unter Aufsicht einer pädagogischen Fachkraft Physik und Chemie. Auch an der Forchheimer Montessori-Schule hat er bereits gearbeitet.

Wie die Passanten vor dem VHS-Fenster zum Stehenbleiben zu bewegen seien, war die erste Überlegung. Das Ergebnis: Man muss irgendeine Bewegung einer Einrichtung im Schaufenster vor dem Fenster auslösen. Wie kommt eine elektrische Leitung durch das Fenster? "Die Grundidee kam vom Smartphone, wo ja auch der Finger durch ein Glas hindurch eine elektronische Schaltung auslöst", erklärt Höscheler.

Nach dem Studieren dieses Prinzips wurde eine Versuchsschaltung an einem Schaufenstermodell im Maßstab eins zufünf erprobt. "Die Puppenküche war unsere Versuchselektronik. Alles, was im Schaufenster ist, wurde in der Puppenküche erprobt", sagt Höscheler und erklärt zugleich, was es mit der Puppenküche im rechten Teil des Schaufensters auf sich hat.

"Vor allem das Arbeiten in der Werkstatt gefiel mir sehr gut, weil ich gerne mit Werkzeugen hantiere", sagt Sophia. Die Elektronik für das Schaufenster ähnelt stark dem Smartphone, es werden zwei zeitlich nacheinander ablaufende Impulse erzeugt und die Gleichzeitigkeit geprüft. "Natürlich ist diese nicht erfüllt, da die Pulse ja nacheinander kommen. Nun kann der erste Impuls dadurch später ankommen, dass er noch vor dem Ankommen einen Kondensator aufladen muss und dieser Kondensator ist eine Metallfläche im Inneren des Schaufensters und die Hand außen des Besuchers", erklärt der ehrenamtliche Physiklehrer. Diese Impulse laufen sehr schnell ab und die Verzögerungen spielen sich im Mikrosekunden-Bereich ab.


Handauflegen wirkt

Eine Trommel wurde aus Holz angefertigt, auf der sechs Zitate auf den Blättern gezeigt werden können. Ein Motor, der von der Elektronik gesteuert wird, dreht die Trommel. Durch Handauflegen auf eine Fläche auf der Schaufensterscheibe wird diese Bewegung ausgelöst.

Das Geheimnis ist gelüftet. Wie gut das Schaufenster ankommt, zeigten etliche Reaktionen. Als die Trommel aufgrund eines Fehlers nicht mehr funktionierte, erhielt Höscheler sofort einen Anruf. Und wenn er selbst zu verschiedenen Zeiten vorbeigeht, erkennt er an den unterschiedlichen Zitaten, die er lesen kann, dass die Trommel bewegt wurde. Sophia hingegen genießt ihre Ferien im Urlaub und hat zumindest die Abschlussarbeit schon geschafft.