Herzogenaurach
Krise

Schaeffler reagiert mit Schließtagen

Mitarbeiter in Herzogenaurach und Höchstadt müssen zu Hause bleiben. Noch haben sie keine finanziellen Einbußen.
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Am Schaeffler-Stammsitz in Herzogenaurach müssen die Mitarbeiter an den Schließtagen ebenso frei machen ... Foto: Jann Weckel
Am Schaeffler-Stammsitz in Herzogenaurach müssen die Mitarbeiter an den Schließtagen ebenso frei machen ... Foto: Jann Weckel
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Klimadiskussion, Dieselskandal und die zunehmende Kritik an Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren wirken sich inzwischen auch in der Region Herzogenaurach/Höchstadt aus. Werden weltweit weniger Autos verkauft, schlägt das auf die Firma Schaeffler, den größten Arbeitgeber im Landkreis Erlangen-Höchstadt, voll durch. Der Automobilzulieferer reagiert mit Schließtagen, um die Produktion zu drosseln. Arbeitnehmer müssen an einzelnen Tagen zu Hause bleiben.

Wie Schaeffler-Pressesprecherin Bettina Lichtenberg auf Anfrage des FT mitteilt, gibt es in den Werken Höchstadt und Herzogenaurach den nächsten Schließtag in der kommenden Woche am Freitag nach dem Feiertag. "Wie sehr viele Unternehmen schließt Schaeffler gelegentlich einzelne Bereiche oder auch ganze Standorte für einzelne Tage", so Lichtenberg. Brückentage nach Feiertagen bieten sich hier an, an denen viele Mitarbeiter ohnehin einen freien Tag nehmen würden.

Überstunden abbauen

Schließtage bedeuten für die Mitarbeiter aber nicht automatisch zusätzliche freie Tage. Sie bauen Überstunden aus ihren Arbeitszeitkonten ab oder müssen Urlaub nehmen. "Schließtage sind zu hundert Prozent mit dem Betriebsrat abgestimmt", sagt Roland Holler, Betriebsratsvorsitzender im Höchstadter Schaeffler-Werk. Finanzielle Einbußen gibt es noch nicht. Holler: "Aktuell verliert niemand Geld."

Holler arbeitet seit 39 Jahren bei Schaeffler und sieht keinen Grund zur Panik. Krisen hat er auch schon 1983, 1990 und 2009 erlebt und überstanden. Die Auslastung ist derzeit sehr unterschiedlich. Einige Abteilungen würden Überstunden machen, in anderen gibt es Schließtage. "Das hängt vom Produkt ab", sagt Holler. Eine von mehreren Ursachen sind für den Höchstadter Betriebsratsvorsitzenden auch die Kapriolen des amerikanischen Präsidenten Donald Trump.

Pressesprecherin Lichtenberg sieht die Automobil- und Zulieferindustrie "im Moment in einem volatilen Marktumfeld". Dazu komme der "technologische Veränderungsdruck in Richtung E-Mobilität".

Schon vor einiger Zeit habe die Schaeffler-Gruppe die Mitarbeiter in Deutschland darüber informiert, dass sie weitere Maßnahmen in Betracht zieht. Neben einzelnen Schließtagen bis zum Jahresende gehöre dazu auch Kurzarbeit. Der Umfang der Maßnahmen sei an den einzelnen Standorten unterschiedlich.

Zu Beginn des Jahres sei man bei Schaeffler von einem Prozent Rückgang in der weltweiten Automobilproduktion ausgegangen, jetzt erwarte man für das gesamte Jahr vier Prozent, erklärte Ende Juli Klaus Rosenfeld, Vorstandsvorsitzender der Schaeffler AG. Für Rosenfeld ist das Umfeld für den Rest des Jahres "weiterhin mit hohen Risiken behaftet".

Bürgermeister bleibt gelassen

Am Stammsitz in Herzogenaurach ist Schaeffler mit über 10 000 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber. "Wenn der hustet, würden wir das spüren", sagt Bürgermeister German Hacker (SPD). Man höre auf Warnsignale und agiere bei der Haushaltsplanung entsprechend vorsichtig. Hacker betrachtet die aktuelle Situation mit Gelassenheit: "Wir hatten neun bis zehn hervorragende Jahre und haben hohe Rücklagen gebildet." 70 Millionen Euro liquide Mittel hat die Stadt Herzogenaurach laut Bürgermeister Hacker auf der hohen Kante.

Sein Höchstadter Kollege Gerald Brehm (JL) ist mit seinen zehn bis 15 Millionen Rücklagen ebenfalls zufrieden. Auch in Höchstadt ist Schaeffler der größte Arbeitgeber. Brehm geht davon aus, dass sich die Lage bei Schaeffler im Laufe der Jahre wieder einpendelt. Auch wenn Schaeffler ein großer Gewerbesteuerzahler in Höchstadt ist, sieht Brehm die Stadt doch "in der Breite gut aufgestellt". Um die Infrastruktur zu halten, müsse Höchstadt als Mittelzentrum weiter in den Bereichen Gewerbe und Wohnen aktiv sein.

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