Höchstadt a. d. Aisch
Transformation

Schaeffler-Mitarbeiter in Sorge

Der Konzern stellt sich neu auf. Die Betriebsräte in Höchstadt und Herzogenaurach fürchten Stellenabbau. Die Unternehmensleitung gibt Entwarnung.
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Auf dem Werksgelände in Höchstadt wurden die Mitarbeiter von Betriebsratsvorsitzendem Roland Holler informiert.  Foto: IG Metall
Auf dem Werksgelände in Höchstadt wurden die Mitarbeiter von Betriebsratsvorsitzendem Roland Holler informiert. Foto: IG Metall

Die unsichere Zukunft von Autos mit Verbrennungsmotoren, die Verlagerung von Arbeitsprozessen in Niedriglohnländer und nicht zuletzt die völlig unkalkulierbare Zollpolitik des aktuellen amerikanischen Präsidenten bekommen jetzt auch die Mitarbeiter der Firma Schaeffler zu spüren, dem größten Arbeitgebers im Raum Höchstadt-Herzogenaurach.

Die Sorge um die Sicherheit der Arbeitsplätze geht um. Wie die IG Metall am Dienstag in einer Pressemitteilung verlauten ließ, habe die Verunsicherung der Belegschaft wegen "der Vielzahl von parallel laufenden Projekten und Rationalisierungsmaßnahmen" die Gewerkschaft veranlasst, am vergangenen Freitag deutschlandweit an 26 Schaeffler-Standorten die Belegschaften über die derzeitige Situation zu informieren.

Im Höchstadter Werk versammelten sich laut Betriebsratsvorsitzendem Roland Holler rund 800 Mitarbeiter, um sich über den deutschlandweiten Transformationsprozess bei Schaeffler aufklären zu lassen. Der Vorstand des Konzerns mit weltweit 92 500 Mitarbeitern will "die Effizienz steigern und die Transformation in die neue Produktwelt der Digitalisierung und Elektromobilität schaffen". Die Gewerkschaft spricht von 3500 Arbeitsplätzen, die Schaeffler in Europa und vor allem in Deutschland abbauen will.

Betriebsratsvorsitzender Holler sieht auch Arbeitsplätze in Höchstadt bedroht - sowohl im Bereich Automotive, als auch im Bereich Industrie. Holler fürchtet einen verstärkten Zukauf von Teilen, was zu einer Reduzierung der Fertigungstiefe führen würde. Auch qualifizierte Angestelltentätigkeiten seien betroffen. Die Standardisierung von Abläufen und die Digitalisierung von Prozessen unterstütze zwar die Arbeit, begünstige aber auch Verlagerungen in Niedriglohnländer.

Für Elisabeth Büttner, Vertrauenskörperleiterin am Standort Höchstadt, sei die hohe Fertigungstiefe immer eine Stärke von Schaeffler gewesen, "um unabhängig von Zulieferern zu sein, flexibel auf Kundenwünsche reagieren zu können und beste Qualität zu gewährleisten". Für einen reibungslosen Produktionsablauf sollten die Härterei und hoch qualifizierte Bürotätigkeiten in Höchstadt bleiben, fordert sie.

"Die Belegschaft ist verunsichert", stellt der Betriebsratsvorsitzende Holler fest und fragt sich, ob jede Verlagerung nach Osteuropa immer sinnvoll ist. Man sollte nicht Sachen verlagern, mit denen man in Höchstadt noch gutes Geld verdient, sagt Holler. Der Betriebsrat sei nicht gegen den Transformationsprozess bei Schaeffler, nur müssten die Leute mitgenommen werden und eine Nachhaltigkeit erkennbar sein. Die Zeit sei schnelllebiger geworden, Entscheidungen müssten schneller getroffen werden, so Holler. Der Betriebsrat warte jetzt, was von Seiten der Unternehmensleitung passiert.

Am 10 000-Mann-Standort Herzogenaurach wäre eine spontane Aktion wie am Freitag in Höchstadt schwierig zu organisieren gewesen, meint die neue Herzogenauracher Betriebsratsvorsitzende Hanna Köhler. Dafür habe es Toraktionen gegeben. In Herzogenaurach sei die Stimmung in der Belegschaft "eher gedrückt". Es herrsche Unsicherheit, weil man noch nicht wisse, wo die Reise hin geht. Köhler stellt aber auch fest, dass das Thema Transformation bei Schaeffler noch nicht bei allen Kollegen angekommen ist.

Der Betriebsrat fange jetzt an, mit der Geschäftsleitung Gespräche zu führen, wie die Transformation umgesetzt werden soll. Köhler: "Wir müssen eine Strategie erarbeiten und unsere Mitbestimmungsrechte einsetzen." An oberster Stelle stehe die Arbeitsplatzsicherung. Angst vor Stellenabbau gebe es in der Belegschaft natürlich.

Sollte es dazu kommen, strebe man bei allen Maßnahmen "sozialverträgliche Lösungen ohne betriebsbedingte Kündigungen" an, teilt Bettina Lichtenberg, Leiterin der Unternehmenskommunikation, auf Anfrage des FT mit. Aktuell laufe in der Schaeffler-Gruppe die erste von drei Phasen des Programms "Race". Dabei gehe es im Schwerpunkt um die Konsolidierung des europäischen Werksverbundes. Davon seien in Deutschland vier Standorte mit insgesamt 600 Mitarbeitern betroffen - die Standorte Höchstadt und Herzogenaurach seien nicht dabei.

Weitere hundert Stellen will Schaeffler laut Lichtenberg "in verschiedenen Unternehmensbereichen inklusive der Zentralfunktionen" abbauen.

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